Die vertrauten Sterne der Heimat

Stanislav Struhar stammt aus der Mährischen Stadt Zlin. 1988, nach diversen Repressalien der tschechischen Behörden, floh Struhar nach Österreich und lebt seither in Wien. Er hat eine Reihe von Gedichtbänden, Romanen und Erzählungen veröffentlicht. Sein neuer Roman ist bereits das sechste Buch, das er auf Deutsch veröffentlicht hat.

Der Sprachverlust und die Sprache als verbindendes Element zur Heimat sind zentrale Themen in den Werken Struhars. Er erzählt in seiner Prosa jedoch nicht von zugewanderten Tschechen, sondern von ausgewanderten Österreichern, die genau wie er im Leben neu anfangen mussten.

"Die vertrauten Sterne der Heimat" siedelt Stanislav Struhar - wie auch den Vorgänger - in der italienischen Küstenregion Ligurien, an der Grenze zu Frankreich, an. Dort leben viele verschiedene Kulturen und Nationalitäten, darunter auch Zugewanderte aus Westeuropa.

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Stanislav Struhar: "Die vertrauten Sterne der Heimat", Roman, Wieser Verlag

Die Protagonistin Sibylle wohnt im Bergdorf Bajardo. Sie ist Halbösterreicherin, blond, blauäugig und ihrer Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten. Nach dem Tod der Mutter versucht sie die deutsche Sprache, die sie nur von zu Hause kennt, nicht zu verlernen. Eines Tages verliebt sie sich in einen Monegassen, doch in seiner - nur wenige Kilometer entfernten Heimat - fühlt sie sich fremd.

Struhar erzählt vom Auf und Ab dieser Liebesbeziehung, verzichtet dabei aber weitgehend auf die Innensicht seiner Hauptfigur. Im Gegenzug lässt er sich viel Zeit für ausschweifende, poetische Beschreibungen der Stadt und der Natur. Der Text ist still, melancholisch und vor allem unaufdringlich.