Karin Bergmann im Gespräch

Nach der Präsentation der neuen Saison hat Burgtheater-Direktorin Karin Bergmann mit Ö1 über Theater als Medizin, die Beziehungen zu Ungarn und eingesparte vier Millionen Euro gesprochen.

Karin Bergmann

APA, Jäger

Nächste Saison werden etliche Ur- und Erstaufführungen auf dem Programm des Burgtheaters stehen, etwa die Dramatisierung von Maja Haderlaps Debütroman "Engel des Vergessens", neue Stücke von Yasmina Reza oder Peter Handke. Für Kinder gibt es "Pünktchen und Anton" und einen Shakespearemix. Das Kasino am Schwarzenbergplatz soll weiter bespielt werden, allerdings gemeinsam mit der Wiener Volksoper.

Kulturjournal, 27.4.2015

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Burgtheater - Premieren der Saison 2015/16

Ist der neue Spielplan ein Kompromiss-Spielplan geworden? "Man verzichtet immer auf Dinge, weil man viel mehr Ideen hat, als ökonomische Mittel“, betont die Burg-Chefin. Über einen Spar-Spielplan möchte sie aber nicht sprechen. Sie habe sich nach den Fragen leiten lassen: "Wofür habe ich die richtige Besetzung, welche Regisseure interessieren mich? Was sind Themen, die im Moment in der Luft liegen?"

Theater als Therapie

Sie haben gesagt, das Theater muss Fragen aufwerfen. Wäre es nicht an der Zeit, dass das Theater auch mal Antworten gibt? "In unserer von Katastrophen geprägten Zeit ist das Theater ein wesentlicher Ort, an dem etwas stattfindet, das ich als Medizin beschreiben würde. Theater kann nicht einfache Antworten geben, weil die Probleme vor denen wir stehen, sich permanent verändern. Ich glaube, Theater ist dazu da, die richtigen Fragen zu stellen, und das ist die Art von Therapie, die ich meine: indem man gemeinsam auf Dinge schaut und sich von den Dichtern Antworten geben lässt, die uns vielleicht auch den Weg weisen könnten, in die sich die Gesellschaft zu entwickeln hätte."

"Wo wir gastieren, dort ist die Burg"

Die Beziehung zu Ungarn ist zuletzt nicht ganz friktionsfrei. Man hat das Burgtheater aufgefordert sich zu entschuldigen, haben Sie das getan? "Ich habe mich nicht entschuldigt, dazu gab es keinen Grund. Eine Publikumsdiskussion, die man uns zugesagt hatte, wurde kurzfristig abgesagt. Aufgrund dessen hat das Ensemble einen ganz kurzen Text verlesen, in dem sie sich auch für das Gastspiel bedankt haben, aber auch ihre Sorge zum Ausdruck gebracht habe, dass die demokratischen Werte in Ungarn immer mehr an Wert verlieren. Ich habe Attila Vidnyanszky - dem Direktor des dortigen Theaters – gesagt: An der Burg herrscht Meinungsfreiheit, und wo wir gastieren, dort ist die Burg. Ich würde aber jederzeit wieder in Ungarn gastieren."

Die Junge Burg

Bei der Jungen Burg wurde eingespart: Es gibt nicht mehr die großen Produktionen im Haupthaus; es gibt das Theaterjahr nicht mehr, das sehr beliebt war. War das ein Einsparungsposten? "Ich sehe das nicht als Einsparungsposten, und wir werden auch in dem Bereich nicht wesentlich einsparen. Für mich ist nicht interessant, dass die Kinder dort unter dem Aspekt Menschen-Tiere-Sensationen große Dekorationen und Vergleiche mit Hollywood-Musicals und Disney sehen. Ich möchte, dass die Kinder im Kasino ganz dicht an den Schauspielern sind und gemeinsam dort an die Poesie unseres Metiers herangeführt werden."

Das Kasino wird nicht abgegeben, wie es viele befürchtet haben, aber es wird gemeinsam mit der Volksoper bespielt. "Die Anregung von Robert Meyer, finde ich hervorragend: dort vielleicht eine zeitgenössische Musikarbeit zu zeigen. Wenn ich, wie jetzt in der Spar-Spielzeit, dort nicht kontinuierlich etwas produzieren kann, ist es fein, etwas mit unserem Partner zu machen. Aber letztlich wird das Burgtheater über das Kasino verfügen."

Soll erfüllt, 4 Mio. eingespart

Ist die 100-Punkte-Liste, mit der Sie zur Sanierung des Burgtheaters angetreten sind, abgearbeitet? "Wir haben noch zwei Monate vor uns. Es ist kein Zuckerschlecken. Wir haben ein absolutes Spar-Jahr hinter uns. Ich bin angetreten mit der Auflage vier Millionen zu sparen. Wir sind mit der Liste so weit vorangekommen, dass wir die Summe, die wir einsparen sollten, auch erreichen werden. Ich nehme an, exakt zum Ende der Spielzeit."

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