Hans Weigand surft im Garten der Lüste

Das Wiener 21er Haus zeigt Arbeiten des Tiroler Künstlers.

Hat sich da etwa eine Satellitenschüssel auf einen Kupferstich des 19. Jahrhunderts verirrt? Und suhlen sich die Nackten aus Hieronymus Boschs "Garten der Lüste" im Schatten modernistischer Villen? Der Tiroler Künstler Hans Weigand zelebriert in seinen Arbeiten die Ungleichzeitigkeit des Gleichzeitigen. Das 21er Haus hat dem 61-Jährigen nun eine Einzelausstellung gewidmet und Weigand freie Hand gelassen: Den ersten Stock des Hauses hat der Künstler nach seinen Vorstellungen umgebaut.

Bildcollage

Hans Weigand
Satellit aus dem 19. Jh.
Mischtechnik auf Leinwand
200 × 160 cm

und

Garten der Lüste (Detail)
Teppichdruck
215 × 450 cm

Courtesy der Künstler

Service

21er Haus - Hans Weigand. Surfing

Hieronymus Bosch, remixed

Die Nackten in diesem Garten der Lüste sind langbeinig und kahl geschoren und sehen aus wie digital animierte Models. Die einen lassen den Blick gelangweilt in die Ferne schweifen, die anderen verrenken ihre Körper im sexuellen Nahkampf. Am Horizont ein wuchtiger Kreuzfahrtdampfer, flankiert von Surfern und Bettenburgen mit glatten Fassaden.

Der Tiroler Künstler Hans Weigand hat eine moderne Version von Hieronymus Boschs berühmten Triptychon "Der Garten der Lüste" gestaltet. Wie das Vorbild ein Wimmelbild, in dem sich der Betrachter allzu leicht im Detail verliert. Ein Mix aus Alt und Neu. Ein Remix, wie man heute vielleicht sagen würde. Schon Hieronymus Bosch, so Hans Weigand, habe ganz bewusst Techniken des 13. Jahrhunderts verwendet, Techniken also, die seinen Zeitgenossen als veraltet galt.

Neuinterpretation klassischer Techniken

Wie bei Hieronymus Bosch geraten auch in Hans Weigands Ausstellung „Surfing“ die Zeiten und Stile durcheinander. Konkret interessiert sich der Künstler für die Neuinterpretation klassischer Techniken wie Holzschnitt und Kupferstich. Vielleicht kann man seinen leichtfüßigen Umgang mit der Geschichte geographisch verorten.

In den 1990er Jahren hat Weigand immer wieder in Los Angeles gelebt, vielleicht ein Grund, dass seine Arbeiten in Österreich – zumindest im größeren Umfang – länger nicht zu sehen waren.

Das 21er Haus widmet Weigand nun eine große Einzelausstellung. Das Leitmotiv seiner aktuellen Ausstellung ist das Surfen: Immer wieder stellt Weigand Wellen dar, Surfer, Surfbretter, oft mit traditionellen druckgraphischen Techniken. Der Künstler surft gewissermaßen durch verschiedene Epochen – stilistisch wie motivisch.

Doch Weigand surft nicht nur auf der Welle des lockeren Westcoast-Lebensstils. Er spricht auch Sozialpolitisches an. Ein Thema: Die Finanzkrise von 2008. Ein Bild der Ausstellung zeigt zum Beispiel eine Frau, die einen restlos überladenen Einkaufswagen durch die Straßen zieht, er beherbergt wohl ihr gesamtes Hab und Gut.

Welle

Hans Weigand
Ghostsurfer, 2014
Acryl auf Leinwand

Courtesy der Künstler und Gabriele Senn Galerie, Wien, (c) Hans Weigand

Kunst und Krise

"Ich war schockiert, wie schnell sich die Finanzkrise in den USA unmittelbar ausgewirkt hat. Man konnte die Veränderung tatsächlich auf der Straße sehen. Die Menschen haben von einem Tag auf den anderen ihre Häuser verloren uns haben in ihrem Auto, oder auf der Straße gelebt. Ich war beim Ausbruch der Finanzkrise in Santa Barbara. All diese Menschen, die plötzlich kein Dach mehr über dem Kopf hatten, haben das hat das Stadtbild geprägt", sagt der Tiroler Künstler Hans Weigand, der die Auswirkungen der Finanzkrise künstlerisch aufgearbeitet hat. Arbeiten von Hans Weigand sind im 21er Haus in der Ausstellung "Surfing" zu sehen. Eine Schau, die keine Retrospektive sein will, aber dennoch einen groben Überblick über das Werk des Künstlers verschafft.

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