Nowa Huta: Die ungeliebte Schwester
Eigentlich besteht Krakau ja aus zwei Städten: Krakau und Nowa Huta. Die gegenseitige Zuneigung der Bewohner/innen beider Stadtteile hält sich allerdings in Grenzen.
8. April 2017, 21:58
Der "Dogenpalast" – das Verwaltungsgebäude des früheren Lenin-Kombinats in Nowa Huta
HEIKE POSSERT
"In den 50ern war das eine der modernsten Städte der Welt"
Über Straßenbahnen, Fahrradstreifen und Ähnlichkeiten zu Paris.
Nowa Huta hat über 200.000 Einwohner und ist bei vielen Krakauern verhasst. Hatte die kommunistische Führung die Arbeiterstadt doch 1949 als Gegenmodell zur kulturellen, katholischen und konservativen Altstadt errichtet. Die Distanz ist durchaus gegenseitig: ein durchschnittlicher Bewohner von Nowa Huta, so heißt es, kommt nur etwa zweimal im Jahr in die Krakauer Altstadt.
Ein Propagandafilm der 1950er Jahre (Kierunek Nowa Huta – Richtung Nowa Huta!) feiert die „Neue Hütte“, also Nowa Huta. Sie wurde unmittelbar neben dem "Lenin-Werk", einem Eisenhütten-Kominat errichtet. Sieben Millionen Tonnen Roheisen wurden hier produziert, hauptsächlich für sowjetische Panzer.
Heute gehört das Stahlwerk zum indischen Konzern Arcelor-Mittal und präsentiert sich von außen ziemlich naturnah, denn Bäume und Sträucher haben die stillgelegten Werksteile überwuchert. Diagonal lädt zu einer akustischen Rundfahrt durch Nowa Huta, stilgerecht in einem ausrangierten Trabi ostdeutscher Provenienz.
