Wiener Konzerthausorgel restauriert
Heute Abend findet im Wiener Konzerthaus das Inaugurationskonzert der rundum erneuerten Rieger-Orgel statt. 8.696 Pfeifen wurden gereinigt und neu gestimmt, darüber hinaus hat das Instrument eine zeitgemäße Spiel- und Registertraktur erhalten. Eingeweiht wird das "neue, alte" Instrument von Martin und Hans Haselböck u.a. mit einer Cerha-Uraufführung.
8. April 2017, 21:58
Kulturjournal, 22.2.2016
Was man vom Zuschauerraum aus sieht, ist - teilweise von einem goldenen Ziergitter verdeckt - nur der allerwinzigste Teil dieses gigantischen Instruments aus dem Jahr 1913. Es hat 8.686 Pfeifen, die tiefste und somit größte ist an die acht Meter hoch. Ungesehen erstrecken sich ein riesen Gebläse mit dem Wind produziert wird, das Glockenspiel, Register, alle Manuale und die gesamte Technik sich bis unter das Dach des Wiener Konzerthauses. Unzählige kleine Treppen und Leitern müssen erklommen werden, um sich dem Allerheiligsten der Orgel zu nähern. Es geht zwischen Stahlträgern bis ganz unter das Dach - ein unglaublich kompliziertes Konstrukt.
Nachdem es 1983 die ganz große Sanierung gegeben hat - die Orgel war ja bis dahin nicht mehr spielbar gewesen -, wurde nun im Sommern von den Firmen Rieger und Vonbank die Verlässlichkeit der elektronischen Traktur, also die Verbindung zwischen dem elektronischen Spieltisch und dem Instrument selbst, restauriert. Der Organist der heute auf dem Instrument spielt, hat nun die Sicherheit, dass die Tasten, die er drückt, auch zu dem gewünschten Klang führen. Außerdem wurden die Pfeifen gereinigt und intoniert. Kostenpunkt rund 200.000 Euro.
Die Rieger-Orgel im Wiener Konzerthaus ist Österreichs größte spielbare Orgel und die größte Konzertsaal-Orgel Kontinentaleuropas. Auch der Wiener Musikverein hat eine Rieger-Orgel, die 2010 eigerichtet wurde und, so Walter Vonbank, ganz anders ist, als jene im Konzerthaus, denn, wie Musikern schon von Geigen behaupten, hat auch jede Orgel ihre eigene Seele.
Heute Abend wird die Orgel nach ihrer umfassenden Renovierung mit einem Konzert von Martin und dessen Vater Hans Haselböck eingeweiht. Auf dem Programm stehen Werke von Arnold Schönberg, György Ligeti und eine Uraufführung von Friedrich Cerha.
