Dame zu Fuchs

Auf einem Spaziergang erblickt der jungvermählte Mr. Tebrick neben sich plötzlich eine Fuchsfähe anstelle seiner Frau. Diesen mysteriösen Fall schildert David Garnett in seinem 1922 erschienenen Roman "Lady into Fox".

Fuchs

Dörlemann

Service

David Garnett, "Dame zu Fuchs", Roman, aus dem Englischen von Maria Hummitzsch, Dörlemann Verlag
Originaltitel: "Lady into Fox"

Die Zeit - Wenn Frauen fuchsig werden

Eine Anekdote erzählt, dass, als der Autor Gustav Janouch Kafka selbst auf Parallelen zwischen der "Verwandlung" und Garnetts Buch hinwies, dieser nur müde gelächelt haben soll. Mit einer kleinen abweisenden Handbewegung habe er geantwortet: "Ach nein! Das hat er nicht von mir. Das liegt in der Zeit. Wir haben es beide von ihr abgeschrieben."

Die Verwandlung vollzieht sich nicht auf einen Schlag: Zunächst ist im Tierkörper immer noch die Seele von Silvia eingeschlossen, die sich ihrer Nacktheit schämt, auf zwei Beinen läuft, sich von ihrem Mann in ein Spitzenjäckchen stecken lässt und mit ihm Toast, Eier, Schinken und Marmelade zum Frühstück nimmt - allerdings nun verborgen vor aller Welt in den eigenen vier Wänden. Aber nach und nach wird der Radius größer, den sich die Fähe erobert: Sie will hinaus in die wilde Natur zu Ihresgleichen, und sie entdeckt - zum Entsetzen ihres Mannes - die Wildheit ihrer Artgenossen auch in sich.

Die 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts ist die Zeit von Surrealismus und Dada, als die Tiefen des Unbewussten von der Kunst zum Gegenstand gemacht und die konventionellen Vorstellungen der Bourgeoisie einer scharfen Kritik unterzogen wurden. Gesellschafts-kritik übt auch David Garnett in seinen grotesken Romanen durch die Gegenüberstellung von Mensch und Tier. "Dame zu Fuchs" ist in seiner schlichten Sprache und knappen Erzählweise ein Märchen der anderen Art, denn die Verwandlungsgeschichte stellt die Frage, was Liebe eigentlich ist, und sie birgt eine zeitlose Wahrheit über den Umgang mit außerhalb der eigenen Vorstellungskraft liegenden Phänomenen.