"Falstaff" an der Wiener Staatsoper

Die Wiener Staatsoper hat mit einer Regiearbeit von Marco Arturo Marelli eigentlich einen schönen "Falstaff" im Repertoire gehabt. Doch seit fünf Jahren war er nicht mehr zu sehen, da er technisch zu aufwendig war. Nun gibt es eine Neuinszenierung von Verdis Spätwerk unter der Regie von David McVicar. Premiere ist am Sonntag.

Kulturjournal, 5.12.2016

Nachbericht von

Zubin Mehta

Zubin Mehta

AFP/DANIEL MIHAILESCU

Morgenjournal, 2.12.2016

Probenbesuch von

Gestochen präzis dirigiert

Es ist eine Verbeugung vor Verdis weisem und völlig neuartigem Alterswerk; und Zubin Mehta, der die komische Oper um den wohlbeleibten Ritter Falstaff schon oft dirigiert hat, zuletzt bei den Salzburger Festspielen, hat sich vom Staatsoperndirektor eines gewünscht: "Das wird wahrscheinlich mein letzter Falstaff - bitte, mach mir das im 15., 16. Jahrhundert."

Zubin Mehta hat schon die meisten Verdiopern dirigiert, erst später in seinem über achtzigjährigem Leben den "Falstaff", der ohne die großen Arien auskommt, dafür aber viele Ensembleszenen hat, die Mehta gestochen präzis dirigiert. Wobei er mehr das in die Vergangenheit weisende in der Partitur betont, als das für viele Kommentatoren Zukunftsweisende der Musik.

Sir John in der Cromwell-Epoche

"'Aida' und 'Otello' haben viel Leitmotiv - da ist Wagner drinnen; das hat Verdi nie zugegeben, aber es ist da. Hier aber nicht", so Mehta. Die Staatsoper hat den schottischen Regisseur David McVicar gewinnen können, der gerne auf Mehtas Wunsch eingegangen ist und in John Falstaff ein Überbleibsel aus der alten Ritterzeit sieht, der in der Cromwell-Epoche gelandet ist.

Kulturjournal, 5.12.2016

David McVicar im Porträt

Für McVicar ist der "Falstaff" also notwendigerweise historisch zu inszenieren. Ein Stammbaum des dicken Ritters ziert den Zwischenvorhang, ein Porträt von Elisabeth I. ist aufgestellt, Zeichen von Falstaffs Ritterschaft, die keine Moderne verträgt, so McVicar.

Im Geist William Shakespeares

McVicar, der derzeit eine Inszenierung nach der anderen an der New Yorker Met abliefert, betont beim "Falstaff" an der Staatsoper den Geist William Shakespeares und das komische Spiel. Das gehe aber nur, wenn man die Charakter völlig ernst nehme - auch den armen, einsamem Falstaff in seinen trickreichen Verstrickungen mit den Damen.

In der Titelpartie ist der Falstaff unserer Tage, Ambrogio Maestri, zu erleben und auch sonst gibt sich Dirigent Zubin Mehta mit dem Ensemble äußerst einverstanden.

Service

Wiener Staatsoper - Falstaff

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