Paul Badura-Skoda

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Über den Pianisten und Dirigenten Paul Badura-Skoda

Neugier ist keine Frage des Alters.

Paul Badura-Skoda wird heuer seinen 90. Geburtstag feiern, ein Pianist, der stets Wert darauf legte, Vielseitigkeit und Kreativität mit technisch-virtuosem Können am Instrument zu vereinen. Studiert hat Paul Badura-Skoda Konzertfach Klavier und Dirigieren, beide Studien schloss er 1948 mit Auszeichnung ab.

Der perfekte Klavierton

Ein Jahr darauf wollte der Dirigent Josef Krips den jungen Musiker zu seinem Assistenten küren. "Ich spielte bei einem Hauskonzert in Wien mit Walter Barylli eine Mozart-Sonate", erzählt Badura-Skoda. "Da kam Josef Krips auf mich zu, der auch unter den Gästen war und konstatierte mir, dass ich der geborene Dirigent sei. Er wollte mich ans Theater an der Wien engagieren. Ich wusste nicht was ich tun sollte und erzählte alles meiner Klavierlehrerin. Sie schlug die Hände über dem Kopf zusammen und bestand darauf, dass ich Pianist bleibe." Das Dirigieren gab er allerdings nie ganz auf.

Beinahe Dirigent

Langspielplatten machten Paul Badura-Skoda international bekannt. Er war der erste westliche Künstler, der in China nach der Kulturrevolution auftrat. Im Beethovenjahr 1970 spielte er alle Beethoven-Sonaten öffentlich und präsentierte diese gemeinsam mit seinem Pianisten-Kollegen Jörg Demus auch als Moderator im deutschen Fernsehen. Im Mozartjahr 1991 brachte Badura-Skoda im Rahmen einer Welttournee die gesamten Mozart'schen Klaviersonaten zur Aufführung.

"Schubert spricht direkt zum Herzen"

Paul Badura-Skoda beweist, dass stete Neugier keine Frage des Alters ist, seine musikalische Neugierde machte ihn zum musikwissenschaftlich Forschenden: "Jedes Wissen öffnet uns und macht uns freier", sagte er einmal in einem Interview. Der legendäre Pianist liebt es, auf historischen Instrumenten zu spielen und ist im Besitz einer bemerkenswerten Instrumentensammlung. Außerdem ist der vielseitige Künstler dafür bekannt, die Kadenzen von Klavierkonzerten in klassischer Tradition stets selbst zu komponieren.

Ewiges Streben

"Passer le flambeau - Die Fackel weiterreichen!" Orientiert an dem Ausspruch des französischen Pianisten Alfred Cortot, spart Paul Badura-Skoda nicht mit seinem Wissen und reicht es weiter, wo es nur geht. Trotz Legionen von Schülern ist sein prominentester Zögling nach wie vor; er selbst! Lebhaft kann es zugehen, wenn der Meisterpianist Badura-Skoda den Meisterschüler Paul im lauten Selbstgespräch lehrt und erklärt, was dieser wo zu tun habe.

Und selbst nach sieben Jahrzehnten intensivster Auseinandersetzung mit Klavierliteratur, findet Paul Badura Skoda mühelos noch neues Territorium. "Wunschwerke " nennt der Pianist jene Stücke, die zwar den Weg auf sein Notenpult, aber es nur selten einmal aufs Konzertpodium geschafft haben. Beispielsweise Kompositionen von Béla Bartók oder Werke von Badura Skodas verstorbenen Freund, Frank Martin.

Der bald 90-jährige Paul Badura-Skoda gibt nach wie vor regelmäßig Konzerte. Am 26. Mai gastiert er im Grazer Minoritensaal, am 28. Mai im Musikverein in Wien, anschließend sind Konzerte in Zürich, Zug und Bern geplant.

Text: Gerhard Hafner

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Paul Badura-Skoda
Grazer Minoritensaal 26.5.2017, 20 Uhr
Musikverein Wien 28.5.2017, 11 Uhr