Weiß-blaue Qualle

AFP/JOE KLAMAR

"Nikotin" von Nell Zink


Spritzige, leichte Prosa über eine junge Frau, die ihren Platz im Leben sucht und gegen alle Widerstände um die große Liebe kämpft.

Als die amerikanische Autorin Nell Zink 2013 ins brandenburgische Bad Belzig zog, weil man dort mit wenig Geld leben konnte, erwartete sie sich nichts vom Literaturbetrieb. Geschrieben habe sie einfach so, sagt sie, ohne Vorstellung von einer Öffentlichkeit. Eines Tages übersetzte sie den Aufsatz eines Vogelkundlers über die Jagd auf Zugvögel in Bosnien und las zur gleichen Zeit einen Artikel von Jonathan Franzen über dieses Thema im "New Yorker".

Sie schrieb Franzen eine lange E-Mail, in dem sie ihn für seine lückenhaften Kenntnisse tadelte. Daraus entwickelte sich eine kontinuierliche Korrespondenz. "Diese Mails waren so unterhaltsam, dass ich fand, mehr als nur eine Person sollte das lesen", erklärte Franzen später in einem Interview. Nell Zink schrieb daraufhin den Roman "Der Mauerläufer", der sie schlagartig berühmt machte. Ihr aktueller Roman "Nikotin" ist nun auf Deutsch erschienen.

"Ich wollte einen Roman über Protestbewegungen schreiben - über Außenseiter und Aussteiger." Nell Zink

Nette Anarchisten

"Nikotin" ist der Name eines Hauses in New Jersey, das Penny nach dem Tod ihres Vaters Norm geerbt hat. Nach einem Brand wegen einer vergessenen Zigarette stand es lange Jahre leer, inzwischen hat sich dort ein buntes Grüppchen von Aussteigern wohnlich eingerichtet: Sorry aus dem Westjordanland wurde von einem fehlenden Visum daran gehindert, die Revolution in Afghanistan anzuführen, die Malerin Anka verschenkt ihre Bilder und arbeitet mit Aids-Kranken, der gutaussehende Rob bastelt in der Garage an Fahrrädern herum und die Dichterin Jazz trocknet auf dem Dachboden Tabakpflanzen und lebt mit großem Enthusiasmus ihre Sexualität aus.

In dieser ebenso originellen wie liebenswerten Gemeinschaft findet Penny ein neues Zuhause, weit weg von ihrer schwierigen Familie und den schlimmen Erinnerungen an die letzten Tage ihres Vaters im Krankenhaus. Doch auch in Pennys neuen Freundeskreis läuft nicht immer alles wunschgemäß. Zwar hat sie sich auf den ersten Blick in Rob verliebt, aber Rob bezeichnet sich selbst als asexuell und bleibt auf Distanz, egal wie viele Emotionen Penny in ihn investiert.

Einem Raucher gewidmet

"Nikotin" ist ein Roman, in dem verschiedene Arten von Liebe eine große Rolle spielen, es geht um komplexe Familienstrukturen, um liebenswerte Außenseiter, Protestbewegungen, um Tod und Abschied, um Glaube und Spiritualität. Dass das Buch gerade das Rauchen thematisiert, obwohl Nell Zink strikte Nichtraucherin ist, hat einen besonderen Grund:

"Das Buch ist Jonathan Franzen gewidmet." Nell Zink

Das war ein Stück weit dieser Roman an einen ganz gewissen Nikotinsüchtigen gerichtet, nämlich Jonathan Franzen, ich habe einfach schon lange die Gewohnheit, meine Romane für bestimmte Zielpersonen zu schreiben und "Nikotin" war im Prinzip ihm gewidmet, er kämpft mit der Nikotinsucht.

Service

Nell Zink, "Nikotin", Roman, aus dem Englischen von Michael Kellner, Rowohlt Verlag

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