Jeremy Renner mit Cowboyhut und Indianer mit Gesichtsbemalung

THIMFILM

"Wind River" - Mord im Reservat

Rund 300 sogenannte Indianer-Reservate gibt es in den USA, in denen die heutigen Nachfahren der amerikanischen Ureinwohner oft unter miserablen sozialen Bedingungen leben. Welche Auswirkungen das unter anderem haben kann, das rollt der Film "Wind River" anhand eines Mordfalls auf. Die Hauptrollen spielen Jeremy Renner und Elizabeth Olsen.

Morgenjournal | 06 02 2018

Arnold Schnötzinger

Für Drehbuch und Regie zeichnet US-Amerikaner Taylor Sheridan verantwortlich. Der 47-Jährige hat seine Karriere als Schauspieler begonnen, zuletzt aber vor allem als Drehbuchautor aufgezeigt: Mit den Büchern zu "Sicario" oder "Hell or High Water" etwa, für das er 2017 auch für den Drehbuch-Oscar nominiert war. "Wind River" ist seine zweite Regiearbeit.

"Unser Land macht gerade einen wichtigen Reinigungsprozess durch, es konfrontiert sich mit seinen eigenen Dämonen. Aber der Umgang mit der Indigenen Bevölkerung ist ein Dämon, dem das Land aus dem Weg geht. Sie werden ignoriert. Ich wollte deshalb einen Film machen, der einen Dialog eröffnet zwischen der Innen- und der Außenwelt eines Reservats." Taylor Sheridan

Kulturjournal | Interview mit Taylor Sheridan

Benno Feichter

Eine Blutspur zieht sich durch den Schnee. Keine Überraschung, dass sie zu einer Leiche führt: eine junge Frau, schwarze Haare, violette, weil abgefrorene Zehen, eine schwere Kopfverletzung, offensichtlich ein Mord. Und dennoch ist die eigentliche Todesursache eine andere: Die Kälte hat Blut in die Lungen getrieben. Daran ist die junge Frau erstickt.

Die Nachforschungen zu diesem Mord sind im Film "Wind River" eigentlich Erkundungen in die Seelenlandschaften von Menschen, denen das raue Klima - also Wind, Schnee und Kälte - quasi als natürlicher Feind begegnet. Wer sich hier nicht zu beschäftigen weiß, dem drohen Sinnverlust, Depression und ein trügerischer Ausweg über chemische Gemütsmanipulation. Drogen sind im Reservat sehr beliebt.

Schmerz und Trauer

Wind River ist ein Indianerreservat im mittleren Westen des US-Bundesstaates Wyoming, in dem man die Gesetze der Natur schon einmal über jene des Strafrechts stellt. Für Regisseur und Drehbuchautor Taylor Sheridan ist es daher auch nicht verwunderlich, "dass immer wieder Indianer-Frauen im Reservat verschwinden, und dass es dazu keine offiziellen Statistiken gibt".

Bisweilen als Sozialreportage aus dem Reservat angelegt, rollt der Film über den aktuellen Mordfall auch den Schmerz eines Jägers auf, dessen Tochter ebenfalls verschwunden ist. Der innere Kampf und Trauer sind seine stillen und ständigen Wegbegleiter.

Elizabeth Olsen

THIMFILM

Brüchige Freiheit

Dass ausgerechnet eine junge FBI-Beamtin (Elizabeth Olsen) aus Florida zur Triebkraft bei den Ermittlungen wird, bricht mit den Gewohnheiten dieser harschen gewalttätigen Männerwelt. Epische Landschaften sind dabei die Kulisse, die Abenteuer geradezu herausfordern und in der sich auch klassische Westernmuster zu Hause fühlen könnten.

Doch nix da: Genau diesen fährt der Film "Wind River" nämlich ordentlich in die Parade, nicht zuletzt durch einen Soundtrack von Nick Cave und Warren Ellis, der auf Reduktion und Rückzug setzt. Der Geist der Freiheit ist hier brüchig geworden, im Überlebenskampf sind Trotz, Stolz und männliches Draufgängertum nur lächerliche Posen.

Gestaltung

  • Arnold Schnötzinger

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