Regisseur David Schalko , Murathan Muslu, Gabriel Barylli

ORF/SUPERFILM/INGO PERTRAMER

Lars Eidinger in "M"

David Schalko auf Fritz Langs Spuren

Fritz Langs Film "M - eine Stadt sucht einen Mörder" von 1931 war einer der ersten deutschsprachigen Tonfilme und gilt bis heute als einer der wichtigsten in der Filmgeschichte. Der österreichische Produzent und Regisseur David Schalko hat den Klassiker nun für eine sechsteilige, vom ORF koproduzierte Fernsehserie neu adaptiert, unter anderem mit Verena Altenberger, Lars Eidinger, Moritz Bleibtreu und Julia Stemberger. Derzeit laufen die Dreharbeiten in Wien.

Mittagsjournal | 29 03 2018

Judith Hoffmann

"Toll an Fritz Langs 'M' ist, wie er es schafft innerhalb des Films dauernd das Genre zu wechseln: Zuerst ist er eine Satire, wird dann zum Thriller, später plötzlich zum Polizeifilm und schließlich zur Milieustudie." David Schalko

Heißes Eisen Klassikerremake

David Schalko hat das Geschehen von Berlin nach Wien und vom Jahr 1931 in die Gegenwart verlegt. Es ist seine bisher teuerste Produktion und das liegt auch an der großen und beeindruckenden Darstellerriege mit Namen wie Lars Eidinger, Moritz Bleibtreu, Verena Altenberger oder Udo Kier.

Hat man bei so einem Klassiker nicht trotzdem das Gefühl, man sollte besser die Finger davon lassen? "Klar überlegt man sich, ob man sich das antun will, vom halben Feuilleton gehasst zu werden, weil man ein Remake von 'M' macht. Ich habe mich dann aber für den Hass entschieden", so Schalko.

Parallelen zur Gegenwart

Tatsächlich handelt es sich bei Schalkos Serie "M", es wird sechs Teile zu je 50 Minuten geben, um kein Remake im herkömmlichen Sinn. David Schalko hat, gemeinsam mit seiner Frau Evi Romen, das Drehbuch von Grund auf neu konzipiert und geschrieben, zusätzliche Figuren erfunden und über den ursprünglich 107 Minuten langen Film hinausgehende Handlungsstränge entworfen.

Genauso wie Fritz Lang damals hat aber auch Schalko die Frage interessiert, wie Politik und Gesellschaft mit grassierenden Ängsten umgehen. 1931 herrschte ja eine besondere Atmosphäre, denn die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten stand unmittelbar bevor. David Schalko: "Man hat das Gefühl, dass es ein sehr relevantes Thema ist und dass wir uns auch an einem Vorabend befinden. Ich würde es jetzt nicht unbedingt als Faschismus bezeichnen, aber zumindest als etwas Postdemokratisches oder etwas, in dem die Kontrolle von Menschen eine große Rolle spielt und wir nicht genau wissen, wo wir da hineinschlittern."

Verunmenschlichte Machtmenschen

Schon als "Altes Geld" herauskam, sprach David Schalko davon, dass er beginnend mit "Braunschlag" eine Trilogie zum Thema "Gier und Korruption" plane. So gesehen, würde "M" den abschließenden dritten Teil bilden. Eine zentrale Figur wie die des von Moritz Bleibtreu verkörperten Verlegers passt da genau ins Konzept. Das ist nämlich einer, der zeigt, wie eng die Verknüpfung von Medien und Politik sein kann, und wie ein Machtmensch gestrickt sein muss.

Moritz Bleibtreu: "Ob du nett bist oder nicht, dumm oder schlau, blond oder rot, das ist vollkommen egal. Das einzige, was zählt ist, dass du diese Machtposition mit den dafür notwendigen Mitteln aufrecht erhältst. Da handelt es sich um eine gewisse Form von Korruption, Empathielosigkeit und bis zu einem Grad auch von Selbstaufgabe. Und genau darum geht es in diesem Film: Wie sehr die Anhäufung von Macht verunmenschlicht?"

Figuren ohne Namen

Schalko hat in "M" einen ganz besonderen Kniff angewandt, der allen Figuren etwas von ihrer Identität nimmt und sie nur mit einem Bein im Leben stehen oder seltsam schweben lässt: Die Erwachsenen tragen nämlich keine Namen, werden nur als "der Vater", "die Mutter", "der Kommissar" oder "der Verleger" bezeichnet.

Oder, und da kommen wir zu einer der unheimlichsten Figuren des Films, als "der bleiche Mann". Bela B: "Das ist ein Mensch, der nicht daran interessiert ist, der Polizei zu helfen, wohl aber den Eltern der verschwundenen Kinder. Er ist Telepath, als solcher ein Mann der Zwischenwelt und lebt in einer seltsamen weißen Wohnung mit Schaufensterpuppen zusammen, und manchen von denen zieht er die Kleidung der verschwundenen Kinder an, die er von den Eltern bekommen hat, das ist also eine sehr mysteriöse Gestalt."

Martin Gschlacht, Sarah Viktoria Frick, David Schalko, Christian Dolezal, Bela B. Felsenheimer, John Lueftner

Martin Gschlacht, Sarah Viktoria Frick, David Schalko, Christian Dolezal, Bela B. Felsenheimer und John Lueftner.

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Dunkle Seiten, neue Figuren

Bela B, mit bürgerlichem Namen Dirk Felsenheimer, ist bekannt als Schlagzeuger der deutschen Pop-Rocker "Die Ärzte". Neben seiner Musikerkarriere ist Bela B aber nicht nur Schauspieler, sondern auch Film-Afficionado und der Weg zu Fritz Langs Klassiker war für ihn deshalb nicht weiter als der Weg zu seinem DVD - Regal. Bela B: "Ich habe mir den Film, nachdem die Anfrage kam, gleich noch einmal angeschaut, weil mir meine Figur nicht gewahr war. Und tatsächlich taucht die im Original auch gar nicht auf. Es wird aber kurz einmal ein telepathisch begabter Mann erwähnt, der in einem Zirkus arbeitet, bei dem ich mir gedacht habe, dass er vielleicht Pate gestanden hat für die von David Schalko geschriebene Figur."

Was ganz gut zeigt, wie weit das Drehbuch von David Schalko und Evi Romen über das Original von Fritz Lang und Thea von Harbou hinausgeht. Doch auch bereits bestehenden Figuren haben die beiden einen neuen Stellenwert und einen interessanten Knacks gegeben, so Verena Altenberger, die die Mutter des ersten verschwundenen Kindes spielt: "Elsies Mutter hat eine Krankheit, die nennt sich Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom und deshalb ist sie nicht nur die trauernde Mutter, die ihr Kind vermisst, sondern hat auch noch eine sehr dunkle Seite."

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Traumtaumeln

Zu sehen gab es gestern nur einen einminütigen Trailer. Der verriet handlungsmäßig wenig, ließ aber zumindest zwei Sachen erkennen: Dass sich Schalkos Werk genauso wie Fritz Langs Original mit großer Lust zwischen allen Genres bewegt und dass die von Kameramann Martin Gschlacht gestalteten Bilder eine geheimnisvolle Atmosphäre ausstrahlen. Noch einmal David Schalko: "Wenn man an Originalschauplätzen das Licht so setzt wie in einem Studio, bekommen die dadurch etwas Traumwandlerisches und das ist eine Atmosphäre wie sie auch ein politischer Vorabend besitzt, weil man das Gefühl hat, dass die Leute da hindurchtaumeln."

Wohin sie taumeln, das wird sich erst im Winter weisen. Die Ausstrahlung der TV-Serie ist nämlich für Ende 2018, Anfang 2019 geplant.

Gestaltung

  • Wolfgang Popp

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