Wotrubakirche

APA/HANS KLAUS TECHT

Wotruba-Kirche, Wien

Der Georgenberg am südwestlichen Stadtrand Wiens ist ein idyllisches Stück Natur am Rande des Wienerwalds. Hier, zwischen Bäumen, Büschen und Wiesenstreifen, thront die Kirche zur Heiligsten Dreifaltigkeit, besser bekannt unter dem Namen Wotrubakirche.

152 rohe Betonblöcke am Rande des Wienerwalds

Gustav Danzinger

Wotrubakirche

APA/HANS KLAUS TECHT

Die Kirche geht auf eine Stiftung von Margarethe Ottillinger zurück. Nach ihr ist auch der Platz vor der Kirche benannt.

Der Bildhauer Fritz Wotruba hat die Kirche entworfen, auf Initiative der österreichischen Managerin Margarethe Ottillinger. In einem sowjetischen Zwangsarbeitslager soll sie das Gelübde abgelegt haben, zum Dank für ihre Rückkehr eine neue Kirche entstehen zu lassen. Der Bau soll schockieren, sagte sie, damit die Menschen innehalten. Die Kirche muss licht und hell sein, damit sich die Herzen zu Gott erheben, und sie muss wirken wie eine Burg, eine Festung gegen den Unglauben. So lauteten ihre Vorgaben an den Baukünstler.

„Wenn dieser Bau ein Kontra der technisierten Welt bietet, dann wäre eigentlich das erreicht, was ich erreichen wollte“, sagte Wotruba über seinen gestalterischen Anspruch. Und der Priester und Kunstexperte Otto Mauer beschrieb Wotrubas Doppelfunktion als Bildhauer und Architekt mit folgenden Worten: „Zunächst einmal möchte ich feststellen, dass seit den Tagen der Renaissance und des Barock es keinen Bildhauer gegeben hat, der zugleich als Architekt aufgetreten ist. Und das ist hier wieder erstmalig der Fall.“

152 Betonblöcke, keiner dem anderen gleich, sind da aufeinandergestellt, ohne jegliche Regelmäßigkeit, karg und ornamentlos, dazwischen einfache Glasscheiben, durch die Bäume und Büsche, Sonne, Wolken und Wind sichtbar und erlebbar werden. Wotruba selbst empfand diesen Standort als ideal und hoffte, „dass Natur in dieses Leben hineinwächst“.

Diakon Hubert Keindl von der Wotrubakirche sagt, dass die ungewöhnliche Architektur „Kirche in Bewegung“ sei: „Er hat das geplant in einer Zeit, wo tatsächlich die katholische Kirche in Bewegung war. Es ist ein Raum für eine lebendige Gemeinde, die hier das Leben teilt. Es ist ein Bollwerk gegen die Gleichgültigkeit und den Atheismus.“

  • Betonfassade der Wotrubakirche

    152 Betonblöcke ...

    ORF/JOSEPH SCHIMMER

  • Außenfassade

    ... keiner dem anderen gleich ...

    ORF/JOSEPH SCHIMMER

  • Betonfassade der Wotrubakirche

    ... ohne jegliche Regelmäßigkeit ...

    ORF/JOSEPH SCHIMMER

  • Betonkreuz

    ... karg und ornamentlos ...

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  • Altarkreuz

    ... dazwischen einfache Glasscheiben ...

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  • Kerzen

    ... durch die Bäume und Büsche ...

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  • Innenraum der Wotrubakirche

    ... Sonne, Wolken und Wind ...

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  • Sitzbänke

    ... sichtbar und erlebbar werden

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Draußen vor der Kirche.

Im Inneren der Kirche.

Baubeginn war im August 1974. Ein Jahr darauf starb Fritz Wotruba unvermutet. Der Architekt Fritz Gerhard Mayr hatte von Anbeginn der Planung mit ihm zusammengearbeitet und führte das Projekt in dessen Sinn zur Vollendung. Im Oktober 1976 fand die Weihe statt.

Gestaltung: Gustav Danzinger
Textfassung: Anna Soucek

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