Polizei in Ostia

AFP/TIZIANA FABI

Journalistin im Schatten der Mafia

Journalisten stehen am Pranger. Sie müssen ihre Arbeit oft unter gefährlichen Bedingungen leisten, nicht nur in Kriegsgebieten. Am heutigen internationalen Tag der Pressefreiheit wird daran erinnert, dass sich die Situation für Journalisten weltweit verschlechtert hat - vor allem in Europa. In Italien müssen etwa 19 Journalisten unter Polizeischutz leben, weil sie in Gefahr sind.

Erst vor zwei Tagen hat ein gezielter Anschlag in der afghanischen Hauptstadt Kabul neun afghanische Journalisten das Leben gekostet. Auch in Europa leben Investigativjournalisten unsicher, wie die Morde in Malta an Daphne Caruana Galizia und in der Slowakei an Jan Kuciak zeigen. In Italien sind Investigativ-Journalisten seit Jahren massiven Bedrohungen ausgesetzt.

Es wird den getöteten Journalistinnen mit Kerzen gedenkt, Kabul, Aghanistan

AP/RAHMUT GUL

"Ich bin zur Polizei gegangen"

Davon kann auch die Journalistin Federica Angeli berichten. Es ist eine Nacht im Jahr 2013, die nicht nur ihr Leben von einem Tag auf den anderen ändert. Von ihrer Wohnung im römischen Küstenstadtteil Ostia aus wird sie Augenzeugin eines Mordversuchs zwischen zwei rivalisierenden Mafia-Clans: "Wir haben Schüsse gehört. Alle Nachbarn waren auf den Balkonen und an den Fenstern versammelt, bis einer der Mafia-Bosse gesagt hat: Geht alle hinein, das Spektakel ist vorbei", erzählt Angeli. "Und mit einem Mal war nur das Geräusch der sich schließenden Fensterläden zu hören, als hätte niemand etwas gesehen. Ich habe nicht weggesehen und bin am nächsten Tag zur Polizei gegangen."

Angelia erstatte Anzeige. Ein Clan-Chef sprach eine Morddrohung gegen sie aus, danach erhielt sie Polizeischutz. "Das hat nicht nur mein Leben sehr verändert. Ich bin ja auch Mutter von drei Kindern und verheiratet."

19 Journalisten in Italien brauchen Polizeischutz

In Italien leben und arbeiten insgesamt 19 Journalisten unter Polizeischutz. Die 42-jährige Repubblica-Journalistin Federica Angeli veröffentlicht trotzdem weiter Artikel über die Mafia-Clans in Ostia. Der stärkste Clan in Ostia sei der Clan der Fasciani. "Er ist 40 Jahre ignoriert worden und ist heute so stark, dass er sein ganzes angehäuftes Geld in Ostias Strandbäder, Restaurant, Bars, Geschäfte investiert, die offiziell sauber sind. Also kann es sein dass man die Mafia unterstützt, ohne es zu wissen. Der zweite Clan, die Spada, haben einen anderes Auftreten, einen Gangster-Stil wie die Camorra. Sie erpressen Unternehmer, machen die Schmutzarbeit. Ihren Aufstieg habe auch ich mit meinen Recherchen aufgehalten", erzählt Angeli.

"Auch sie fassen dadurch Mut"

Vor zwei Wochen hat Federica Angeli erstmals vor Gericht gegen den Spada-Clan ausgesagt und ihre Version der Geschichte des Mordversuches in Ostia vor fünf Jahren erzählt. Mit ihren Schilderungen möchte sie ein Vorbild sein: "Mich hat diese Aussage mit sehr viel Stolz erfüllt, weil ich 1736 Tage auf diesen Moment gewartet habe, um zu sagen was ich in dieser Nacht gesehen habe. Und das vor im Gerichtssaal versammelten Studenten, Vertretern der Zivilgesellschaft. Auch sie fassen dadurch Mut."

No Press-Embargo!

Demonstration in Ostia für Pressefreiheit.

AFP/FILIPPO MONTEFORTE

Pressefreiheit verschlechtert sich in Europa

Laut dem weltweiten Index zur Pressefreiheit, den die NGO-Reporter ohne Grenzen vor einer Woche veröffentlicht hat, liegt Italien auf Platz 46 und damit weit hinter anderen europäischen Ländern. Auf Platz 1 und 2 liegen wie bereits im Vorjahr Norwegen und Schweden, die Niederlande belegen den dritten Platz. Sieben von zehn Ländern in den Top Ten sind nach wie vor europäisch, aber die Lage hat sich insgesamt verschlechtert, vor allem in Malta, der Slowakei, Ungarn und Tschechien.

Österreich liegt auf Platz 11. Rubina Möhring, Präsidentin von Reporter ohne Grenzen Österreich, zeigt sich im Ö1 Mittagsjournal dennoch besorgt: "In Österreich gibt es von Politikern scharfe Angriffe gegenüber Journalisten. Das geht einfach nicht - vor allem von einer Regierungspartei."

Gestaltung: Katharina Wagner

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