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Menschenbilder
Paul Lendvai, Journalist und Autor
Ein wachsamer Europäer. Der Publizist Paul Lendvai
15. Februar 2026, 14:05
Paul Lendvai erklärt sehr schlüssig, warum er "immer" schon Journalist werden und sein wollte: Es sei einer der schönsten Berufe, wenn man die eigene Unabhängigkeit bewahren könne. Zuerst der Kampf ums Überleben, dann der Kampf um die Freiheit zeichnen Lendvais Leben aus: Der in Budapest Geborene wurde 1944 als 15-Jähriger gemeinsam mit seinem Vater verschleppt, konnte aber überleben. Nach dem Krieg studierte er Jus und schrieb für sozialdemokratische Zeitungen, erhielt Berufsverbot und floh nach dem Ungarn-Aufstand nach Österreich.
Hier war er Jahrzehnte lang Korrespondent für die Londoner Financial Times, und von 1973 bis 2020, also solange sie existierte, Chefredakteur und Mitherausgeber der Zeitschrift "Europäische Rundschau". 1982 ging Lendvai zum ORF, zuerst als Leiter der Osteuropa-Redaktion und dann als Intendant von Radio Österreich International. Seit mehr als 20 Jahren ist er Kommentator im "Standard". In den letzten Jahren wurde er zu einem besonderen Feindbild nationalistischer Kreise in Ungarn.
"Wer bin ich?" ist der Titel seines neuesten Buches, das vor kurzem im Zsolnay Verlag erschienen ist. Hier beschreibt nicht nur ein 96-Jähriger sein Leben und das Erleben unterschiedlichster Ereignisse der Weltpolitik - die sich, wie es den Anschein hat, immer wieder in Richtung großer Tragik bewegt.
Drei Sätze gegen Ende des Buches seien hier zitiert: "Der Preis der Freiheit ist ständige Wachsamkeit, wie der Preis des Friedens die Bereitschaft zum Kampf ist. Die Begegnung mit der Geschichte des vergangenen Jahrhunderts hat uns gelehrt, utopischen Hoffnungen zu misstrauen". Der Zeitzeuge beobachtet weiter und zieht seine Schlüsse.
Gestaltung: Petra Herczeg und Rainer Rosenberg
