Elke Tschaikner und Christian Scheib halten zwei Langspielplatten

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Zwei historische LPs des UNHCR in "Le week-end"

"International Piano Festival" heißt eine der beiden historischen Vinylplatten, die in einer doppelten Ausgabe von "Le week-end" im Juni im Mittelpunkt stehen: An diesem "imaginären Festival" waren Pianisten wie Claudio Arrau, Wilhelm Kempff und Wilhelm Backhaus beteiligt.

Herausgegeben wurde diese LP im Jahr 1964 vom Flüchtlingshochkommissariat UNHCR, es war ein Schallplatten-Benefizprojekt, dessen Thema der notwendigen Unterstützung von Flüchtlingen leider nicht an Aktualität verloren hat.

Kunst im Dienst einer guten Sache

Musik zum Fundraising für die von den Vereinten Nationen betreuten Flüchtlinge der Welt. Und diese Platte ist ein Leckerbissen für Klavieraficionados: Der bemerkenswerte und beinahe in Vergessenheit geratene Pianist Byron Janis beispielsweise beteiligte sich mit einer wahrlich zupackenden "Ungarischen Rhapsodiev von Franz Liszt, eine heimliche Mozart-Sternstunde des Pianisten Robert Casadesus ist zu entdecken, Wilhelm Backhaus gibt eine delikate und wilde, jedenfalls grandiose "Mondscheinsonate".

Schon ein Jahr davor hatte das UN-Flüchtlingshochkommissariat mit damaligen Größen aus Jazz, Pop und Chanson viel Charity-Geld lukriert, die LP "All Star Festival" brachte dem UNHCR fast eineinhalb Millionen Dollar ein. Die künstlerische Schirmherrschaft hatte Ernest Ansermet übernommen, Schauspieler Yul Brynner trat auf als "Special Consultant to the High Commissioner, Chairman of the Honorary Selection Panel".

Elke Tschaikner und Christian Scheib halten zwei Langspielplatten

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Ella Fitzgerald und Édith Piaf

Es war keine wirklich neue Idee, dass Musiker/innen ihre Kunst in den Dienst einer guten Sache stellen. Aber, so schrieb Yul Brynner auf dem Plattencover, es war außergewöhnlich, eine Versammlung so prominenter Namen für die Sache gewinnen zu können: Ella Fitzgerald war einer der klingenden Namen, Édith Piaf ein anderer. Piaf, die im belagerten Paris der 1940er Jahre für Kriegsgefangene gesungen und gefälschte Arbeitserlaubnisse in Gefangenenlager geschmuggelt hatte, um einigen Soldaten die Flucht zu ermöglichen.

Die beiden "le week-end"-Ausgaben rund um die erwähnten historischen Benefiz-LPs widmen sich aber auch Künstler/innen, die selbst ihre Heimat verlassen mussten, beispielsweise dem Cellisten Mstislaw Rostropowitsch.

Rostropowitsch am Checkpoint Charlie

Nachdem Rostropowitsch den in der Sowjetunion verfemten Künstlerkollegen Alexander Solschenizyn unterstützt hatte, begann ein Konflikt zwischen ihm und dem sowjetischen Regime, inklusive Ausreiseverbot 1971 und schlussendlich US-amerikanischen Exils. Als 1989 die Mauer fällt, reist Mstislaw Rostropowitsch augenblicklich nach Berlin, setzt sich mit seinem Violoncello zum Checkpoint Charlie und spielt vor lauter Freude ein unangekündigtes Spontankonzert.

György Ligeti hatte unter den Repressalien des kommunistischen Regimes Ungarns zu leiden und kam 1956 als Flüchtling nach Wien. Auf seiner Flucht komponierte er sein erstes Streichquartett.

Damals war das Flüchtlingshochkommissariat noch eine sehr junge Institution - am 14. Dezember 1950 wurde es von der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York gegründet, um den Flüchtlingen nach dem Zweiten Weltkrieg Hilfe zu leisten. Die aktuellen Zahlen und Statistiken auf der Website des UNHCR zeigen, dass die Arbeit dieser Organisation wohl noch lang gebraucht werden wird.

Gestaltung

  • Elke Tschaikner