Zwei Frauen am Strand

GREENKAT PRODUCTIONS

Dokumentarfilm "Back to the Fatherland"

Wie gehen Holocaust-Überlebende damit um, dass ihre Enkel aus Israel auswandern, wo sie sich mühsam eine neue Heimat aufbauten, und ausgerechnet nach Österreich oder Deutschland ziehen? Dieser Frage geht der Dokumentarfilm "Back to the Fatherland" von Kat Rohrer und Gil Levanon nach.

Morgenjournal | 09 10 2018

Judith Hoffmann

In einer Holztruhe auf dem Dachboden liegt die Wehrmachtsuniform des Großvaters - ein schweres Erbe in jeder Hinsicht für die Filmemacherin Kat Rohrer. "Ich kannte die Geschichte meines Großvaters, es war kein Geheimnis, dass er ein Nazi war. Aber jemandem davon zu erzählen ist eine Sache, die Uniform dann wirklich in den Händen zu halten und jemandem zu zeigen, eine andere", so die Regisseurin. Am Ende des Films wird sie das Kleidungsstück gemeinsam mit ihrer Co-Regisseurin Gil Levanon aus der Truhe holen - ihr Gesichtsausdruck eine Mischung aus Faszination, Entsetzen und Ratlosigkeit.

Zwei Frauen auf dem Dachboden

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"Nicht meine Geschichte" ist auch keine Lösung

Dieses Unbehagen zieht sich durch den gesamten Dokumentarfilm, und zwar bei den Nachkommen der Opfer gleichermaßen wie bei denen der Täter, wie sich zeigen wird. Rohrer und Levanon treffen die beiden Holocaust-Überlebenden Uri und Lea, die nach Israel auswanderten und ihre Enkel Guy und Dan, die nun - wieder - in Österreich leben. Ihre Entscheidung löst Unmut und Irritation in den Alten aus, und stellt die Jungen vor die Frage: wie umgehen mit den Erinnerungen und Erlebnissen, die sie nur aus Erzählungen kennen. "Am Ende komme ich immer wieder zum Schluss, dass es nicht mein Schmerz ist, um den es da geht", sagt etwa Guy, der Uris Geschichten vom Untertauchen, Verfolgtwerden und Überleben immer und immer wieder hörte.

Gerade darin aber bestehe das Problem, so Rohrer: "Wir sagen immer, die Geschichte unserer Vorfahren ist nicht unsere. Das stimmt zu einem gewissen Teil. Aber wir müssen doch auch wissen, woher wir kommen, und gerade bei den Menschen, die so brutal aus Österreich und Deutschland entwurzelt wurden, bleiben in der dritten Generation doch mehr Fragen offen, als sie sich eingestehen."

Uri und Guy in der Straßenbahn

Uri und Guy in der Straßenbahn

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Mut zu Lücken und Bruchstellen

Mit einigen dieser Fragen konfrontieren die Regisseurinnen ihre Protagonisten im Film. So gelingt es ihnen beispielsweise, die beiden Zeitzeugen zu einer Reise zu den Enkeln nach Österreich zu überreden und die gemeinsame Geschichte damit um eine neue Facette zu erweitern. Dan etwa erlebt seine Großmutter Lea erstmals in ihrer ehemaligen Wohnung und entdeckt eine ganz neue, jugendliche Seite an der betagten bildenden Künstlerin.


"Back to the Fatherland" ist keine gefällige Erzählung, sondern baut sich aus zahlreichen Gesprächen und Diskussionen zusammen. Es geht um die Last der Vergangenheit und die Rolle Israels in der weltpolitischen Gegenwart. Und um die Frage, warum so viele junge Israelis ihrem Land den Rücken kehren.

Zwischen die Gespräche schieben sich musikunterlegte, fast kitschige Stadtaufnahmen von Wien, Salzburg und Tel Aviv, während die Diskussionen noch nachhallen und viele Fragen unbeantwortet im Raum stehen bleiben. "Wir können mit diesem Film keine Antworten auf all die komplexen Probleme liefern, aber wir wollen die Menschen dazu bewegen, sich ihre eigenen Gedanken und Eindrücke zu machen", so Kat Rohrer. Spannende Impulse dafür liefert der Film jedenfalls mehr als genug.

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Back to the Fatherland

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