Matt Dillon

ZENTROPA/CHRISTIAN GEISNAES

The House that Jack built

61 Morde begeht der Serienkiller Jack, fünf davon wird das Kinopublikum im Film "The House that Jack built" direkt miterleben. Dass Lars von Trier sein neues Werk nach einem beliebten englischen Kinderlied benennt scheint Teil seiner bekannten Strategie zu sein, gerne zu provozieren, vor allem weil der mittlerweile 62-jährige Däne auch diesmal in Sachen Gewalt auf der Leinwand kaum Grenzen kennt. Neben Matt Dillon ist darin Ifflandring-Träger Bruno Ganz zu sehen, oder zunächst über weite Strecken des Films nur zu hören.

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Judith Hoffmann

Ob das wirklich eine gute Idee ist, also einem Serienmörder zum Spaß seine Leidenschaft fürs notorische Morden zu unterstellen? Und weil die Frau (Uma Thurman), die Jack (Matt Dillon) als Anhalterin mitgenommen hat, das Thema partout nicht wechseln will, passiert das Unvermeidliche. Mit einem Wagenheber schlägt ihr Jack das Grinsen aus dem Gesicht. Vorfall Nr. 1 nennt Lars von Trier diese Episode. Und da ist er wieder, dieser Lars von Trier, der Zyniker als Schelm, der Tabubrecher als vermeintliches Unschuldslamm. "Mit Jack, diesem Psychopathen haben sich die Szenen wie von selbst geschrieben", so Lars von Trier.

Jack (Matt Dillon)

ZENTROPA/CHRISTIAN GEISNAES

Mord als Kunstwerk

Jack fasziniert das Verbrechen als Kunstwerk, Leichen, die auf grausige Weise künstlerisch angeordnet werden, Szenenbilder, die der Serienkiller fotografisch festhält. Nicht immer ist er mit dem Ergebnis, mit den Produkten seines fragwürdigen Talents zufrieden. Eine Motivation für immer mehr. Bei der Darstellung von Gewalt im Kino war Lars von Trier noch nie ein Heuchler, er zeigt was zu zeigen ist. "Alles andere wäre unehrlich", sagt der Regisseur.

Best of der Diktatoren

Wer hier mit Moral argumentiert steht von vornherein auf verlorenem Posten. Wer vorsätzliche Provokation vermutet, dem fährt Lars Von Trier mit dem Allerwertesten der Menschheitsgeschichte ins Gesicht, bringt etwa jene riesige Eiche im KZ Buchenwald ins Spiel, unter der sich der große Humanist Goethe so gerne aufgehalten hat. Und die Kunstgeschichte? Ist sie nicht voll mit Darstellungen von Leid und Gewalt bei Mensch und Tier? Lars von Trier legt Beweise vor. Und schließlich: ein Best of an Diktatoren: Stalin, Hitler, Mussolini und Mao. Man sollte all das im Hinterkopf haben, wenn Jack an die Türen fremder Menschen klopft.

Blut unter einem Stuhlbein?

Oft sind die Bezüge die Lars von Trier zwischen Kunst, Politik, Verbrechen und Literatur herstellt gewagt bis originell, das Ganze unterfüttert mit grimmiger Ironie. Fast schon Slapstick ist es, wenn der Serienmörder als Zwangsneurotiker trotz Polizeisirene im Hintergrund einen Tatort nicht verlassen kann: er könnte ja irgendwo noch Spuren hinterlassen haben. Vielleicht Blut unter einem Stuhlbein? Und das Haus, das Jack gebaut hat? Zumindest so viel lässt sich hier sagen: Gemütlich wird es dort jedenfalls nicht sein.

Gestaltung

  • Arnold Schnötzinger

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