Gruenbein und Staud

WIENER STAATSOPER/MICHAEL PÖHN

Stauds "Die Weiden" an der Staatsoper

Uraufführungen österreichischer Komponisten an der Wiener Staatsoper sind etwas Rares. Nun ist es wieder so weit: Am Samstag wird die Oper "Die Weiden" aus der Taufe gehoben. Der aus Tirol stammende Johannes Maria Staud gehört zu den wichtigsten Komponisten der mittleren Generation. In Zusammenarbeit mit Büchner-Preisträger Durs Grünbein hat er sein drittes Musiktheaterwerk geschaffen - ein überaus politisches Werk. Ö1 überträgt die Premiere am Samstag live.

Mittagsjournal | 04 12 2018 | Vorbericht

Gernot Zimmermann

Eine Spannung wie in einem Horrorfilm ist von Anfang an in dieser Oper zu spüren. Es geht um eine Flussfahrt Donau abwärts. Peter, ein junger Künstler, und Lea, eine aus New York stammende Philosophin, unternehmen sie.

Die "Verkarpfung" der Menschen beginnt

Alles verdüstert sich zusehends - nicht nur das Wetter: Dumpfe Volksmassen in Lederhosen und Burschenschafter-Uniformen geben ihrer Wut Ausdruck. Langsam tritt die "Verkarpfung" der Menschen ein. Sie bekommen Köpfe von Karpfen, was sich auch in der Musik ausdrückt.

An einer langen Tafel, die aus Thomas Bernhards Stücken stammen könnte, wird wieder offen gesprochen: "Armes Abendland, es versinkt vor unseren Augen in einer Flut, einem Überfluss fremder Stimmen und Rhythmen. Armes Abendland!"

Hassspiralen allenthalben

Zwei Sprechrollen hat Johannes Maria Staud in die Oper hineingeschrieben: Udo Samel spielt einen Komponisten, der sich der Neuen Rechten anpasst, Sylvie Rohrer eine Fernsehjournalistin, die das Geschehen hilflos kommentiert.

Kulturjournal | 04 12 2018 | Johannes Maria Staud im Gespräch

Gernot Zimmermann

Der Komponist sieht seine Oper auch als Kommentar zur politischen Gegenwart: "Man hat mit Musik eine starke Waffe in der Hand - gerade in dieser Oper, wo es eine Gegenwartsschau im Zentrum steht; ein Beobachten von Hassspiralen, die wir heute überall alle miterleben. Ob das jetzt in Internet-Foren ist, ob das auf der politische Bühne ist, ob das im politischen Diskurs ist - das Thema hat auch die Musik beeinflusst. Und da ist man selber ein durchlässiges Gefäß, finde ich."

Szene aus "Die Weiden"

WIENER STAATSOPER/MICHAEL PÖHN

"Offene Ohren" für die Premiere

Stauds "Die Weiden" ist ein, wie immer bei ihm, stark rhythmisiertes Werk mit großen orchestrale Explosionen und mit Brüchen. So wird Wagner ebenso zitiert, wie klänge, die aus einem Bernstein-Musical stammen könnten.

Was wünscht sich Staud vom Uraufführungspublikum? "Offene Ohren. Einfach hingehen, sich auf eine Flussfahrt einlassen - wissend, wir machen hier Kunst, nicht Politik. Wir verarbeiten Dinge, die uns Sorge bereiten, aber wir schreiben Musik."

"Wir stellen Fragen aus einem tiefen Bedürfnis"

Die Uraufführung der "Weiden" am Samstag (8. Dezember) in der Wiener Staatsoper könnte also, was die Reaktionen des Publikums betrifft, spannend werden. "Ob jetzt Leute immer zustimmen mit unseren Fragen - auch wir geben ja keine Antworten. Wir stellen vor allem Fragen, wir stellen Fragen ab und zu provokant, aber wir stellen sie aus einem tiefen Bedürfnis", so Staud.

Am Pult des Staatsopernorchesters steht Ingo Metzmacher; die teils realistische, teils surrealistische Inszenierung stammt von der deutschen Regisseurin Andrea Moses.

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