Buch des Monats auf dem Ö1 Aufsteller

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Ö1 Buch des Monats - "Anton Kuh"

Walter Schüblers Biografie über den scharfsinnigen Schriftsteller ist das Ö1 Buch des Monats Februar.

Zehn Jahre hat der Wiener Literaturwissenschaftler Walter Schübler damit verbracht, das umfangreiche und weit verstreute Werk von Anton Kuh zu sichten und zu ordnen, um am Ende eine siebenbändige Werkausgabe vorlegen zu können. Die ist 2016 im Wallstein Verlag erschienen. Nun hat er als Abschluss des Kuh-Projekts die Biografie nachgereicht.

"Schmutzfink der Aufrichtigkeit"

"Das Gehör eines so unglücklichen Namensträgers (wird) frühzeitig zu seiner Notwehr erzogen, die man als 'satirische Veranlagung' bezeichnet; denn es ist schon dem Knaben, der auf den Namen 'Kuh' hört, als hätte die Stupidität der ganzen Welt sein Ohr als Zielscheibe genommen."
(Autobiografisches Schnipsel von Anton Kuh)

Ex libris | 13 01 2019 | Walter Schübler über die abschätzige Bezeichnung „Kaffeehausliterat“, über den furiosen Stegreifsprecher Kuh und dessen Verhältnis zur Heimatstadt Wien.
Gudrun Braunsperger

Mehr als ein Produzent lockerer, plaudriger Dutzendware

Anton Kuh, der von 1890 bis 1941 lebte, war im Wien des frühen zwanzigsten Jahrhunderts neben Karl Kraus der scharfsinnigste Kommentator der Weltlage, sowohl als Feuilletonist als auch als Stegreifredner. Die Brillanz beider führte zu einem erbitterten Streit, Kuh wich nach Berlin aus, Kraus blieb in Wien. Später, als die Nazis an die Macht kamen, emigrierte Kuh in die USA. Berühmt war er für seine Stegreifvorträge. Mit Unterstützung von etwas Cognac konnte er stundenlang frei über beliebige Themen reden. In seiner Prosa ließ er seine Zeitgenossen gerne reden, oder besser: räsonieren.

Kuh war ab seinem 17. Lebensjahr Hoteljahresmieter, weil ihm etwas wie Wohnung oder trautes Heim schon ein Vorschein des Todes war.

Walter Schüblers Leistung ist es, das Leben und Wirken eines Schriftstellers und Intellektuellen der Wiener Moderne nicht nachzuempfinden bzw. diesem nachzuspekulieren, sondern aus dem lückenhaften Material, das er zur Verfügung hat, ein möglichst objektives Lebensbild zu gestalten. So taucht ein kompromissloser Künstler aus dem Vergessen auf, der, wie wenige Intellektuelle seiner Zeit, seine jüdische Identität immer gegen den Anpassungsdruck verteidigt hat und mit den Mitteln der Psychoanalyse die sozialen Spannungen in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts sezieren konnte - immer mit Witz und Esprit.

Service

Walter Schübler, "Anton Kuh - Biographie", Wallstein Verlag

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