Margarethe Ottillinger

BILD ARCHIV AUSTRIA/ORF/ISABELLE ORSINI-ROSENBERG

Margarethe Ottillinger

Sie war Konsulentin für Wirtschaftsfragen im Bundesministerium für Vermögenssicherung und Wirtschaftsplanung und mit 28 Jahren jüngste Sektionschefin in ihrer Kollegenschaft. Ab 1956 als einzige Frau Vorstandsmitglied der Österreichischen Mineralölverwaltung ÖMV.


Margarethe Ottillinger wurde 1919 in Wien geboren und starb 1992 auch in Wien.

Damals habe ich erkannt: Sicher ist in dieser Welt nichts. Ich war heute noch ein berühmter Mensch, mit aller Macht, und am nächsten Tag war ich ein Zwangsarbeiter, eine Namenlose unter Millionen Namenlosen.

Dr.in Margarethe Ottillinger studierte Handelswissenschaften. Ab 1946 war sie Konsulentin für Wirtschaftsfragen im Bundesministerium für Vermögenssicherung und Wirtschaftsplanung und mit 28 Jahren jüngste Sektiontionschefin in ihrer Kollegenschaft. Sie war maßgeblich an der Erarbeitung der Wirtschaftspläne für den Wiederaufbau Österreichs sowie an der Marshallplanhilfe für Österreich beteiligt.

1948 wurde Ottillinger bei einer Dienstfahrt von Sowjets verhaftet und verschleppt. Sie wurde der Wirtschaftsspionage und der Zugehörigkeit zur Westbourgeousie angeklagt. Das Urteil lautete 25 Jahren Zwangsarbeit. Nach sieben Jahren wurde sie im Zuge der Staatsvertrags-Amnestie freigelassen. Ein Jahr später wurde das Urteil offiziell aufgehoben. Durch die Erfahrung im Gulag fand Margarethe Ottillinger zum Glauben und intiertet nach ihrer Rückkehr nach Wien den Baus der Wotruba Kirche in Wien-Mauer.
Ab 1956 war sie als einzige Frau Vorstandsmitglied der Österreichischen Mineralölverwaltung ÖMV.

“Es war naturgemäß in dieser Zeit etwas sehr Außerordentliches, dass ich mit 28 Jahren die Planungssektion im Planungsministerium geleitet habe und dort in dieser Aufgabe den ganzen Wiederaufbau durchgeführt habe, mit einem Stab von 500 Fachkräften. Und zwar insofern, als wir die Pläne für den Wiederaufbau dort erarbeitet haben: die gesamten Strukturpläne, die die Grundzüge für jeden Industriezweig festgelegt haben: Wie soll das aussehen, um ideal für Österreich zu sein? Gleichzeitig haben wir das mit ganz Europa abgestimmt. Das war deshalb möglich, weil der Marshallplan zu dieser Zeit angelaufen ist und der Marshallplan ja nichts anderes gewesen ist, als ein Plan, der zum Wiederaufbau der ganzen Ökonomie Europas gedient hat. In dieser Tätigkeit war natürlich ein Mensch in so jungen Jahren und noch dazu eine Frau ein Stein des Anstoßes. Und mir hat einmal jemand gesagt: ‘Fr. Dr. Ottilinger, die Schande, dass Sie mit 28 Jahren als Frau eine Sektion leiten, wird erst erlöschen, wenn Sie im Grabe liegen."

Gestalterinnen: Sophie Menasse und Birgit Allesch

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