Brigitte Ederer

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Brigitte Ederer

Sie war Europastaatssekretärin bei Bundeskanzler Vranitzky. Gemeinsam mit Außenminister Alois Mock hat sie den österreichischen EU-Beitritt verhandelt.


Brigitte Ederer wurde 1956 in Wien geboren und hat Volkswirtschaftslehre studiert.

“Wer nein zur Europäischen Union sagt, ist letztendlich nicht nur gegen eine wirtschaftliche Öffnung unseres Landes, sondern auch gegen eine kulturelle und gesellschaftliche Öffnung unseres Landes."

Mag. Brigitte Ederer war in der wissenschaftlichen Abteilung der Arbeiterkammer Wien tätig, danach Nationalratsabgeordnete für die SPÖ. Sie war Europastaatssekretärin bei Bundeskanzler Vranitzky. Gemeinsam mit Außenminister Alois Mock hat Brigitte Ederer den österreichischen EU-Beitritt verhandelt. 66 Prozent der österreichischen Bevölkerung stimmte für den EU-Beitritt - ein unerwarteter Erfolg. Ederer selbst hatte damit nicht gerechnet. Sie war auch SPÖ-Bundesgeschäftsführerin und Finanz- und Wirtschaftsstadträtin in Wien. Im Jahr 2000 stieg sie aus der Politik aus.

“Am Anfang war’s schwierig, weil Alois Mock nicht eingesehen hat, welche Rolle ich habe. Seine Mitarbeiter dachten, die EU sei ausschließlich Sache des Außenministers. Was ich immer für einen Fehler gehalten habe, denn die EU ist eine neue Form der Innenpolitik. Das haben wir bis heute nicht nachvollzogen. Mit der Volksabstimmung hätte ein permanenter Erklärungsprozess beginnen müssen, welche Vorteile die EU hat. Stattdessen geben wir ihr die Schuld, wenn uns etwas nicht passt – obwohl Österreich immer am Verhandlungstisch sitzt. Wenn aber etwas gut für uns ist, dann haben wir uns gegen die EU durchgesetzt. Das Problem ist, dass die EU nicht Teil der Innenpolitik geworden ist, sondern noch immer als ein fernes Gebilde mit feindlichen Regularien empfunden wird.”
Niederösterreichische Nachrichten, Februar 2015

“Wir erleben gerade eine extrem komplexe Welt, in der in Großbritannien seit zwei Jahren über einen harten oder sanften Brexit gestritten wird und an einem Tag ein Handelskrieg droht, am nächsten ein großes Freihandelsabkommen wie zwischen der EU und Japan geschlossen werden kann. Gemeinsam ist diesen Problemen, dass sie nicht mehr innerhalb nationaler Grenzen lösbar sind. Deshalb müssen wir Europa wieder mehr ins Zentrum stellen, mehr als damals, als wir der EU beigetreten sind. Die EU-Kommission muss … in Richtung einer Regierungsfähigkeit weiter entwickelt werden. Wenn wir die nationalstaatlichen Pipifaxstrukturen nicht überwinden, werden wir als Europa immer hinterherhinken.”
Trend, 10. August 2018

Gestalterinnen: Sophie Menasse und Birgit Allesch

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