Teresa Präauer besucht Cranach in Weimar

Die österreichische Schriftstellerin Teresa Präauer schreibt in diesem Jahr "Diagonal"-Kunstkolumnen und trägt diese auch vor - an jedem ersten Samstag im Monat.


"Die Cranachs sind nämlich die lustigsten Maler, die die Geschichte des europäischen Tafelbildes je hervorgebracht hat. Oft sind die Herzöge in ihren Bildern ziemlich stiernackig, ziemlich rundgesichtig, mit schmalen Lippen, roten Backen und mandelförmigen Augen. Die Herzoginnen wiederum sind oft sehr blass und ausgemergelt, mit schmalen Nasen und kaum wahrnehmbaren Augenbrauen. In jedem Bild wird großer Wert gelegt auf die Garderobe der Porträtierten, sie tragen Fellmützen und zu viel Schmuck, und ihre Körper verschwinden in schwarzen Gewändern ohne Volumen. Fast wäre man geneigt, halb im Scherz, halb aus Neugier, sich zu ihnen zu setzen, und ein wenig scheint es auch so, als könnte das möglich sein."

Text: und Aufnahme: Teresa Präauer

Service

Das dreiflüglige Altarbild der Stadtkirche St. Peter und Paul in Weimar, im Volksmund "Herderkirche", stammt von Lucas Cranach dem Jüngeren.

Übersicht