Filmplakat (Ausschnitt); Grafik einer Frau vor einem Mikrofon

Geyerhalter Film

Ö1 Film "Gehört gesehen" im ORF-Fernsehen

Ö1 gehört auch gesehen, dachten sich die beiden österreichische Regisseure Jakob Brossmann und David Paede und drehten einen Film über den Kultursender Ö1. Der Dokumentarfilm lief bereits in den österreichischen Kinos und wurde mit dem Diagonale-Publikumspreis 2019 ausgezeichnet. Am Sonntag zeigte ORF 2 den Film in der Reihe "dok.Film".

Der Film blickt hinter die Kulissen von Ö1. "Gehört gesehen", so der Titel, beobachtet den Sender über mehr als zwei Jahre hinweg. Im Zentrum steht das Jahr 2017, in dem Ö1 nicht nur seinen 50. Geburtstag feierte, sondern deutliche Veränderungen im akustischen und visuellen Erscheinungsbild erlebte.

Wenn Ö1 eine Zeitung wäre, würden wir täglich 300 Seiten publizieren.

So rechnet der damalige Ö1 Programmchef Peter Klein an einer Stelle im Film vor. Und dann gräbt sich die Kamera hinein in die langen Gänge des Funkhauses und beobachtet, auf welche Weise diese Inhalte entstehen. Von "Diagonal"-Planungssitzungen zum Thema "Oberfläche" über den Entwurf ganz neuer Sendeformate wie "Des Cis" bis hin zum Ö1 Journal am Tag der letzten Nationalratswahl.


Seine 200 Stunden Rohmaterial arrangierte das Regieduo Jakob Brossmann und David Paede im Schneideraum rund um das Epizentrum des 50. Geburtstagsfestes von Ö1. Die Feiern gingen mit einigen selbstverordneten Veränderungen einher, wie etwa dem neuen Logo, das nicht nur auf Zustimmung stieß. Die auffallendste Veränderung im Ö1 Auftritt stellten aber die neuen Signations von Christian Muthspiel dar, deren Einspielung mit dem Radiosymphonieorchester der Film begleitet.

Christian Muthspiel

Christian Muthspiel bei den Aufnahmen der Ö1 Signations mit dem RSO Wien im Großen Sendesaal im Jahr 2017

ORF/JOSEPH SCHIMMER

Mehr dazu in

oe1.ORF.at - Christian Muthspiel über seine neuen Ö1 Signations

Immer wieder kehren die beiden Filmemachern zu den wöchentlichen Sitzungen zurück, in denen die grundlegenden Probleme erörtert werden, die sich etwa durch die Digitalisierung der Medienlandschaft ergeben haben. So meint Ö1-Infochefin Gabi Waldner im Film, "dass wir im Bereich 'Digital' defininitiv nicht glänzen und unsere tollen und exklusiven Inhalte teilweise nicht gut ins Netz bekommen". Selbstkritik wird also laut im Film, genauso wie auch die rigorosen Sparmaßnahmen, die den Sender bedrohen, thematisiert werden.

Jakob Brossmann und David Paede

Die beiden Regisseure des Radiofilms, Jakob Brossmann und David Paede

ORF/JOSEPH SCHIMMER

Im Interview mit Ö1 Morgenjournalmoderatorin Andrea Maiwald erzählen Jakob Brossmann und David Paede, dass sie mit ihrem Film begonnen hätten, als "viel über Ö1 geredet wurde" - über den Funkhausverkauf und Publikumsverlust. Es hätte sich dann eine Veränderung abgezeichnet, in der viel über Radiomachen gesprochen wurde und mit dieser Hoffnung seien Brossmann und Paede in das Projekt gestartet. Die Dreharbeiten über zweieinhalb Jahre hätten gezeigt, „wie die Menschen hier im Radio um Qualität ringen und auch vor welchen Schwierigkeiten und Herausforderungen sie stehen.“ Ihre größte Schwierigkeit sei es gewesen, die komplexen Inhalte, die auf Ö1 verhandelt würden, in knappe Szenen zu fassen.

Zum Ende des Films hin beobachten Brossmann und Paede die Gala zum 50. Geburtstag von Ö1. Damals sorgte Festredner Robert Menasse dafür, dass so manchen Gratulanten die Euphorie nicht in Richtung Sorglosigkeit hin verkümmerte.

"Gehört gesehen" ist ein Film, der ohne Interviews und Off-Kommentare auskommt und stattdessen ganz auf genaue Beobachtung setzt. Und der sich der nicht geringen Herausforderung gestellt hat, ein akustisches Medium ins Bild zu setzen.

Teilnehmerinnen bei der Funkhausreise, Führung, Funkhaus-Foyer

David Paede (li.) und Jakob Brossmann (Kamera) bei Dreharbeiten im Wiener Funkhaus

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

tvthek.ORF.at

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