Jostein Gaarder

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"Genau richtig" von Jostein Gaarder

"Sofies Welt" ist eines der erfolgreichsten Bücher des 20. Jahrhunderts. Die spannend erzählte Geschichte der Philosophie, in über 60 Sprachen übersetzt, verfilmt und weltweit 40 Millionen Mal verkauft, hat Kultstatus. Für den norwegischen Schriftsteller Jostein Gaarder bedeutete "Sofies Welt" 1993 den internationalen Durchbruch. Seit damals hat der heute 66-Jährige mehr als 20 Romane, Jugend- und Kinderbücher geschrieben, in denen ebenfalls philosophische Fragen verhandelt werden, so auch in "Genau richtig. Die kurze Geschichte einer langen Nacht", die jetzt in den Buchhandel kommt.

Morgenjournal | 24 07 2019

Kristina Pfoser

"Woher kommen wir?", "Was ist der Mensch?" und "Gibt es einen Gott?" - es sind die großen Fragen, um die es bei Jostein Gaarder geht. "Ich kann nicht anders", sagt der ehemalige Philosophielehrer. "Viele Autoren schreiben, weil sie gerne mit Sprache arbeiten oder mit Wörtern spielen, das ist auch sehr in Ordnung. Andere werden Autoren, weil sie etwas vermitteln wollen, ich bin eindeutig einer von denen."

Kulturjournal | 24 07 2019 | Jostein Gaarder im Gespräch

Kristina Pfoser

Was bleibt nach dem Tod?

"Genau richtig" - in diesem kleinen Buch geht es denn auch um nichts weniger als um Leben und Tod. Konkret: Wie verhält man sich, wenn man eine eindeutige ärztliche Diagnose bekommen hat? Was werde ich nach meinem Tod hinterlassen? Diese Frage versucht Jostein Gaarders Protagonist Albert in der Wald-Einsamkeit zu ergründen, nachdem bei ihm eine unheilbare neurologische Erkrankung festgestellt wurde.

Zurückgezogen im Ferienhaus der Familie, protokolliert er seinen Gedankenstrom. "Ich muss mich entscheiden, ob ich morgen Abend noch am Leben bin oder nicht", schreibt er in das Hüttenbuch. Albert denkt er nach über die Geschichte seiner Ehe und die Kinder, über verflossene Lieben und die Angst, die Würde zu verlieren, über Versöhnung, Abschied und Einsamkeit.

Die letzten Tabus

"In gewisser Weise sind wir alle einsam, auch wenn wir vielleicht verheiratet sind und Kinder haben usw. wir sind allein zwischen Himmel und Erde. Wir kommen nackt und allein auf die Welt, und genauso verlassen wir sie wieder: nackt und allein", sagt Jostein Gaarder und er fügt hinzu, Einsamkeit und Tod, das seien die letzten Tabus unserer Gesellschaft, Themen, die ihn ständig begleiten.

Ein Gedankenexperiment

"Wenn ich hier jetzt einen Knopf drücken könnte, der es mir ermöglicht, bei bester Gesundheit 100 Jahre alt zu werden - was dann? Alle anderen würden trotzdem sterben. Hätte ich stattdessen aber die Option, einen Knopf zu drücken, dass ich jetzt sterbe, sofort, in dieser Sekunde, danach aber würde die Menschheit ewig leben - ich hätte keinen Zweifel und würde es tun. Nicht weil ich mich aufopfern will, aber Teil der Menschheit zu sein, ist für mich viel wichtiger als meine individuelle Existenz."

Die Erde retten

Die wichtigste philosophische Frage heute sei auch die wichtigste politische Frage, sagt Jostein Gaarder, und zwar: Wie retten wir die Erde vor dem Menschen? "Wie können wir den Klimawandel bekämpfen und das Fortbestehen unseres Planeten sichern? Wir müssen das gemeinsam angehen, wir müssen uns den Umweltfragen stellen!"

Vor 22 Jahren hat Jostein Gaarder einen internationalen Umwelt- und Entwicklungspreis gestiftet, den mit 100.000 US-Dollar dotierten Sophiepreis, finanziert mit den Einnahmen aus "Sofies Welt".

Service

Jostein Gaarder, "Genau richtig. Die kurze Geschichet einer langen Nacht", Roman, übersetzt aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs, Hanser
Originaltitel: "Akkurat passe"

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