Blick auf Checkpoint Charlie

APA/AFP/JOHN MACDOUGALL

Aufregung um Verkauf von Checkpoint Charlie

Der Checkpoint Charlie ist der bekannteste Grenzübergang Deutschlands. Heute ist er ein Erinnerungsort und ein Touristenmagnet. Auf den freien Flächen rund um den Berliner Grenzübergang ist mit Souvenirshops und Würstelständen eine Art Disneyland des Kalten Krieges entstanden. Ein privater Immobilieninvestor will die letzten freien Grundstücke jetzt bebauen. Diese Pläne sind heftig umstritten.

Morgenjournal | 21 08 2019

Birgit Schwarz

Mitten auf der engen Friedrichstraße steht ein Nachbau des historischen Grenzhäuschens am Checkpoint Charlie mit falschen Grenzbeamten. Wer sich mit ihnen fotografieren lassen will, muss sich durch fahrende und stehende Autos und Busse bis zur kleinen Mittelinsel durchkämpfen. Rundherum billige Verkaufsstände, eine improvisierte Currywurstbude und das in die Jahre gekommene Mauermuseum. Berlin-Touristen zieht es trotzdem in Massen hierher und nicht wenige sind dann überrascht und sogar enttäuscht.

John F. Kennedy, 1963

John F. Kennedy, 1963

AP

Zentraler Punkt des Kalten Krieges

Der Checkpoint Charlie ist das Symbol für den Kalten Krieg. Er wurde 1961 mit dem Bau der Berliner Mauer eröffnet und war die Übergangsstelle zwischen dem sowjetischen und dem US-amerikanischen Sektor im geteilten Berlin. Ein symbolisch hochaufgeladener Ort, den die Stadt würdelos verkommen lasse, sagt der ehemalige DDR-Bürgerrechtler und Politaktivist Carl-Wolfgang Holzapfel: "Es ist rein kommerzialisiert worden und entspricht nicht dem historischen Anspruch, den dieser Ort hat. Hier standen sich immerhin amerikanische und russische Panzer gegenüber. Das war ein zentraler Punkt des Kalten Krieges.

"Man kann die Politik nur auffordern, nach 30 Jahren ihre Schulaufgaben zu machen"
DDR-Bürgerrechtler Holzapfel

Tatsächlich hat sich Berliner Stadtverwaltung jahrzehntelang nicht um den Platz gekümmert. Der Immobilieninvestor Trockland will die freien Flächen zubauen, mit einem Hotel, Häusern und Geschäften. Die Berliner Senatorin für Stadtentwicklung Katrin Lompscher setzt dem mit einem neuen Bebauungsplan Schranken: Nach ihren Wünschen sollen auf den Flächen dringend benötigte Sozialwohnungen entstehen, dazu ein neues Museum des Kalten Krieges und auch offener Platz.

Künstler fordern freie Fläche

Doch auch gegen diese Pläne regt sich jetzt Widerstand - und zwar aus der Berliner Kulturszene. Der frühere Berliner Kultursenator Tim Renner fordert mit einer Gruppe prominenter Mitstreitern - zu denen auch Stararchitekt Daniel Liebeskind zählt - die Flächen möglichst frei zu lassen.

"Wir sagen: Dieser Platz gehört allen. Dieser Platz muss viel größer sein - quasi wie ein Freilichtmuseum", so Renner. Geschichte solle hier erlebbar gemacht und nicht in einem Museum eingesperrt werden. Seine Gruppe möchte Demokratie auf dem Platz neu verhandeln, indem sie ihn mit einem kulturellen Programm belebt.

Veränderungssperre läuft 2020 aus

Dem Immobilieninvestor Trockland kommt die Intervention der Künstler gar nicht so ungelegen. Denn wenn die den öffentlichen Druck so verstärken, dass der Bebauungsplan im Abgeordnetenhaus noch scheitert - dann läuft eine bis Februar 2020 geltende Veränderungssperre für die Areale aus. Und der Privatinvestor Trockland hätte erst recht freie Hand auf dem Gelände.

Gestaltung

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