Die Paranzas von links nach rechts: Lollipop (Ciro Pellecchia), Biscottino (Alfredo Turitto), O' Russ (Ciro Vecchione), Nicola (Francesco di Napoli), Tyson (Ar Tem), Briatò (Mattia Piano Del Balzo) und O' Russ (Ciro Vecchione)

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"Paranza - Der Clan der Kinder" im Kino

2016 hat der italienische Autor und Mafia-Experte Roberto Saviano seinen Roman "La Paranza dei Bambini" veröffentlicht, der zwei Jahre später unter dem Titel "Der Clan der Kinder" auf Deutsch erschienen ist. Nun hat Saviano die Geschichte von Jugendlichen, die sich in einem sozial unterprivilegierten Viertel von Neapel in einen Mafia-Bandenkrieg verstricken, auch zu einem Filmstoff umgearbeitet.

Kulturjournal | 26 08 2019 | Regisseur Claudio Giovannesi im Gespräch

Arnold Schnötzinger

Morgenjournal | 26 08 2019

Arnold Schnötzinger

500 Euro pro Abend kostet ein Tisch in der Disco mit den hübschen Mädchen. Die neuesten Markenklamotten gibt es auch nicht gratis, und eine Rolex ist mit mindestens 5.000 Euro zu veranschlagen. Die Anziehung der Warenwelt ist groß, als Jugendlicher vom Spielfeldrand der Konsumgesellschaft zu zusehen dauerhaft keine Option. Dann tut sich eine Andere auf: Drogen vor einer Schule verkaufen.

Jugendliche auf einem Roller

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Motorroller als Kampfinstrument

Hier beginnt die Einbahnstraße im Leben des 15-jährigen Nicola (Francesco di Napoli) und seiner Freunde. Der Motorroller ist das bevorzugte Kampfinstrument, mit dem sie befahren wird, die schmalen schmutzigen Gassen von Neapel sind der Kampfschauplatz, Ehre und Rache die Triebkräfte in der Konkurrenz zwischen den Banden. Die Pistole schließlich ist die "Wunderlampe der Jugendlichen, mit der sie glauben alles erreichen zu können, der Preis: töten und getötet werden", so Roman- und Drehbuchautor Roberto Saviano.

Verlust der Unschuld

Saviano entwirft ein fiktives Szenario mit deutlichem Bezug zur Realität, zwischen Kindheit und Erwachsenenwerden. Da streitet sich Nicola am Morgen noch um die Frühstückskekse mit seinem kleinen Bruder und schon bald danach schnupft er Kokain oder kassiert Schutzgeld, ein bizarres Spannungsfeld. Damit verliert Nicola nicht nur seine Unschuld, sondern auch jede Möglichkeit, wie ein 15-Jähriger zu leben.

Fataler Machtdrang

In einer geradlinigen, vorhersehbaren Dramaturgie breitet der Film die Lebenswelt der Jugendlichen wie eine griechische Tragödie aus, ihre Rituale der Zusammengehörigkeit, aber auch ihre Rivalität. Als der Luxus, als das Geld zur Gewohnheit wird, also selbstverständlich und irgendwie langweilig, geht es vor allem um Macht: Nicola und seine Gang wollen die Geschäfte in einem anderen Viertel übernehmen. Und übernehmen sich.

Spiel und Krieg

Der Kreislauf der Gewalt erneuert sich in "Paranza - Der Clan der Kinder" von Generation zu Generation. Auch Nicolas kleiner Bruder findet Waffen cool. Andere Kinder mögen vielleicht Krieg spielen, hier wird jedes Mal aus dem Spielen Krieg.

Gestaltung

  • Arnold Schnötzinger

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