Phillips (rechts) und Joaquin Phoenix (links) halten die ersehnte Trophäe

APA/AFP/Alberto PIZZOLI

Goldener Löwe für Psychothriller "Joker"

Der Goldene Löwe des Filmfestivals Venedig geht an den Psychothriller "Joker", in dem Regisseur Todd Phillips von der Gewaltspirale eines psychisch kranken Mannes erzählt. Der Große Preis der Jury erhält Roman Polanskis Film "J'accuse" über den jüdischen französischen Offizier Alfred Dreyfus.

Insgesamt 21 Filme konkurrierten heuer im Wettbewerb um den Goldenen Löwen.

Ein Comic-Schurke, die Veröffentlichung der Panama-Papers, oder ein Weltraum-Thriller: Die ersten Festivaltage stehen vor allem im Zeichen des US-amerikanischen Kinos. Netflix, im vergangenen Jahr mit Alfonso Cuaròns "Roma" in Venedig erfolgreich, ist heuer mit gleich zwei Filmen im Wettbewerb vertreten: mit Noah Baumbachs Tragikomödie "Marriage Story" über das Ende einer Ehe, mit Scarlett Johansson und Adam Driver in den Hauptrollen, sowie mit "The Laundromat" von Steven Soderbergh, der mit Meryl Streep in gleich mehreren Rollen, Gary Oldman und Antonio Banderas von der Veröffentlichung der Panama-Papers im Jahr 2016 erzählt.

Morgenjournal | 30 08 2019 | "Ad Astra" mit Brad Pitt

Arnold Schnötzinger

Psychogramm eines Clowns

Brad Pitt fliegt im Science-Fiction-Thriller "Ad Astra" auf den Spuren seines Vaters zum Neptun und Joaquin Phoenix spielt in der gleichnamigen Produktion von Todd Philips den "Joker". Ein Film, der sich der Comic-Figur auf völlig neue Weise nähere, sagt Festivaldirektor Alberto Barbera: "Dieser Film ist so überraschend erzählt, dass man am besten ohne jegliches Vorwissen ins Kino geht."

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Gegenwart im Spiegel der Historie

Dabei steht der heurige Wettbewerb auch im Zeichen prominenter Venedig-Rückkehrer. So werden unter anderem die neuen Filme von Olivier Assayas, Atom Egoyan, Pablo Larrain oder des Schweden Roy Andersson präsentiert, der 2014 mit "A Pigeon Sat on a Brench Reflecting on Existence" den Goldenen Löwen gewonnen hat.

Der 86-jährige Roman Polanski beleuchtet im Historiendrama "J'accuse" die Hintergründe der Dreyfus-Affäre Ende des 19. Jahrhunderts. Einer von mehreren Filmen, die die Gegenwart im Spiegel historischer Ereignisse reflektieren, so Alberto Barbera: "Es gibt eine ganze Reihe von Filmen, die Ereignisse aus der Vergangenheit rekonstruieren, die uns zugleich aber dazu zwingen, diese historischen Ereignisse vor dem Hintergrund aktueller Probleme zu lesen und über die Gegenwart nachzudenken."

Nur zwei von 21

Nur zwei der 21 Wettbewerbsbeiträge stammen heuer von Frauen. Haifaa Al Mansour aus Saudi-Arabien - bekannt etwa für "Das Mädchen Wadjda" - präsentiert ihren neuen Film "The Perfect Candidate", und die Australierin Shannon Murphy ihr Regiedebüt "Babyteeth". Präsidentin der Wettbewerbsjury ist die argentinische Regisseurin Lucrecia Martel.

Kore-eda zum Auftakt, Jagger zum Abschluss

Das italienische Kino ist heuer mit den neuen Arbeiten von Franco Maresco, Mario Martone und Pietro Marcello im Wettbewerb vertreten. Außer Konkurrenz präsentiert der ukrainische Regisseur Sergei Loznitsa den Dokumentarfilm "State Funeral", in dem er mittels Archivmaterial die Tage nach Joseph Stalins Tod rekonstruiert.

Und zum Abschluss des Festivals wird am 7. September der Thriller "The Burnt Orange Heresy" mit Donald Sutherland und Mick Jagger von Giuseppe Capotondi gezeigt. Eröffnungsfilm ist "La Verite", der erste französischsprachige Film des japanischen Regisseurs Hirokazu Kore-eda, der 2018 für "Shoplifters" in Cannes die Goldene Palme gewonnen hat. Unter anderem mit Catherine Deneuve, Juliette Binoche und Ethan Hawke in den Hauptrollen.

Löwen für Almodovar und Andrews

Zwei Preisträger stehen bereits fest: Der spanische Autorenfilmer Pedro Almodovar sowie die britische Schauspielerin Julie Andrews ("Marry Poppins" und "Sound of Music") werden mit dem goldenen Löwen für ihr Lebenswerk ausgezeichnet.

Service

La Biennale di Venezia - 28. August - 7. September 2019

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