Paul Spendier

TOBIAS ISZO

Paul Spendier, Transmediale Kunst

geboren 1997 in Ulrichsberg, lebt und arbeitet in Wien

Ich bin auf der Suche nach intuitiv lesbaren Kunstwerken, die weniger strenge Konzepte als gewisse Gefühle vermitteln, Stimmungen auf der Kippe zwischen Humor und Schwermut. Dabei entstehen robotische Apparaturen, die sowohl aus starren Materialien wie Metall, Holz und Kunststoff, als auch aus organischen wie Silikon, Erde oder sogar lebenden Pflanzen bestehen. Deren Zusammenspiel bringt unkalkulierbare Ergebnisse hervor, die für meinen Arbeitsprozess entscheidend sind.


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kinetisches Objekt: Stahl, Messing, Silikon, Servomotor, Microcomputer, 15 x 20 cm

Die Arbeit stellt die mechanische Reproduktion einer intuitiven Geste dar. Die Finger einer Hand werden nacheinander, in einer wellenförmigen Bewegung vom kleinen Finger aufwärts, angehoben und fallengelassen. Nervosität bringt einen scheinbar von alleine dazu, diesen „Rhythmus des Wartens“ gegen eine Tischplatte oder andere in der Nähe verfügbare Resonanzkörper zu schlagen. Den Takt zu hören, versetzt auch ZuhörerInnen unbewusst in die Gefühlslage der Person, die ihn produziert.

untitled

kinetisches Objekt: ficus benjamini, Elektromotor, Plastiktöpfe, Microcomputer 40 x 40 x 200 cm

Eine Zimmerpflanze schüttelt sich so lange scheinbar von selbst, bis alle ihre Blätter den Boden des Ausstellungsraums bedecken. Das Rascheln des Laubes, das durch die Wackelbewegung hervorgerufen wird, soll an Wind erinnern, die fallenden Blätter an den Herbst und mit ihm verbundene Assoziationen wie Melancholie, Alter und Tod.

zeitgeber (preview)

2-Kanal-Videoinstallation, Endlosschleife, variable Größe

Der Begriff „Zeitgeber“ bezeichnet in der Biologie außenstehende Parameter, die auf alle Lebewesen der Erde wirken. Pflanzen und Tiere synchronisieren ihre innere Uhr nach diesen Zeitgebern, unter denen das Licht der Sonne der wichtigste Faktor ist. Protagonist der Arbeit ist ein Exemplar des „Drüsigen Springkrauts“. Gezielte Verdunkelung und Beleuchtung werden in künstlichen Umgebungen wie Gewächshäusern dazu verwendet die Blüte früher oder später hervorzurufen, um damit auch etwaige Verkaufszeitpunkte gezielt zu steuern. In "zeitgeber" verwende ich diese beiden kommerziellen Techniken, um die innere Uhr einer Pflanze komplett umzudrehen, und das Lebewesen so künstlich aus seiner Umwelt zu entrücken. "zeitgeber" stellt einen fiktionalen Feldversuch ohne klares Ziel dar. Es ist ein offensiver menschlicher Eingriff, in dem Tag und Nacht, Faktoren, die das menschliche Leben auf der Erde selbst erheblich bestimmen, wie formbare Parameter in einem Experiment wirken.

Ausbildung

  • seit 2018 Universität für angewandte Kunst Wien, Gaststudium der Transmedialen Kunst (Brigitte Kowanz)
  • seit 2016 Universität für angewandte Kunst Wien, Studium der Bildenden Kunst/Fotografie (Gabriele Rothemann)

Ausstellungen (Auswahl)

  • 2019 A Fork in the Road (Foto Wien), Postsparkasse, Wien
  • 2018 Reload the Apparatus, Angewandte Innovation Lab, Wien
  • Tag und Nacht, KUVA, Linz
  • Tanz durch den Tag Festival, Crieau, Wien
  • FISH, Galerie Z, Hard
  • stukav brischko as intimity, Gallery G99, Brno
  • nichts für ungut, Galerie Lumina, Wien
  • 2017 The Essence, Alte Post, Wien
  • Transpot, Old Library/ASFA, Athen

Arbeitsvorhaben

Ich möchte eine raumfüllende Installation entwickeln, in der mechanische Hände, die unterschiedliche nervöse Gesten ausführen, die Betrachter/innen umgeben. Zusätzlich möchte ich großformatige Roboter bauen, die ein Kommentar zu Social-Media-Bots sein sollen. Diese Computerprogramme können autonom in reale gesellschaftliche Diskurse auf Facebook oder Twitter eingreifen, und halfen in den letzten Jahren vor allem rechten Politiker/innen enorm dabei ihre Wahlerfolge online zu maximieren.

Übersicht

  • Ö1 Talentestipendium 2019