Mahatma Gandhi, 1931

AP/JAMES A. MILLS

Radiokolleg, 10. September 2019

Die große Seele Indiens - Teil 2

Auf den Spuren von Mahatma Gandhi.

Radiokolleg

Vor 150 Jahren, am 2. Oktober 1869, erblickte Mohandas Karamchand Gandhi in der westindischen Kleinstadt Porbandar das Licht der Welt. Der indische Subkontinent war damals noch Teil des britischen Kolonialreichs. Weite Teile des Landes wurden direkt von den Briten regiert; zugleich bestanden an die 600 große und kleine indische Fürstentümer. Gandhis eigene Vorfahren hatten als Premierminister regionaler Herrscher gedient.

Zwei Jahre vor Gandhis Matura wurde der Indische Nationalkongress gegründet, der zunächst für mehr Selbstverwaltung und später für die Unabhängigkeit Indiens kämpfen sollte. Doch in Gandhis Schulzeit deutete nichts darauf hin, dass er einmal zum geistigen und politischen Führer der Unabhängigkeitsbewegung werden sollte. Erst in Südafrika, wo er nach seiner juristischen Ausbildung als Anwalt tätig wurde, veränderte Gandhi sein Leben von Grund auf. Im Ringen um die Rechte der Inder entwickelte Gandhi seine Lehre vom gewaltlosen Widerstand - Satyagraha, Festhalten an der Wahrheit, wie er es nannte. Gewaltlosigkeit definierte er "als äußerst aktive Kraft. Sie lässt keinen Platz für Feigheit, ja nicht einmal für Schwäche. ... Gewaltlosigkeit und Feigheit passen nicht zueinander."

1915 kehrte er nach Indien zurück und organisierte in den folgenden Jahrzehnten wichtige Kampagnen gegen die britischen Herrscher, darunter den Salzmarsch von 1930. Die Briten hatten die Salzherstellung monopolisiert und erhoben hohe Steuern. Am 6. April 1930 klaubte Gandhi persönlich eine Handvoll Salz am Strand von Dandi auf - eine Handlung, an die heute eine überlebensgroße Statue in Dandi erinnert. Gandhis Mut motivierte Inder im ganzen Land, Salz zu sieden. Die Briten griffen hart durch, bald waren die Gefängnisse übervoll, auch Gandhi befand sich unter den Häftlingen.

Die Quit India - Raus aus Indien -Bewegung - im Jahr 1942 war Gandhis letzte große politische Kampagne. Doch als der indische Subkontinent 1947 seine Unabhängigkeit erlangte, war Gandhi nicht bei den Feiern in Neu Delhi dabei. Er sah keinen Grund zum Feiern, denn mit der Unabhängigkeit war auch die Teilung in das mehrheitlich hinduistische Indien und das mehrheitliche muslimische Pakistan verbunden, die zu verheerenden Massakern führte. Gandhi verbrachte die zweite August-Hälfte des Jahres 1947 im Osten Indiens, an der Grenze zu Ost-Pakistan, dem späteren Bangladesh. Dort versuchte er verzweifelt, der Gewalt Einhalt zu bieten.

Gandhi selbst überlebte die Unabhängigkeit nur um fünfeinhalb Monate. Am 30. Jänner 1948 wurde er von Hindu-Extremisten ermordet. Radikale Hindus konnten Gandhi nicht verzeihen, dass er die Teilung nicht hatte verhindern können. Mahatma - große Seele - nannten ihn die Inder bereits zu Lebzeiten. Die wenigsten folgten allerdings seiner Lehre.

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