Eine Skulptur von der Künstlerin Krista Titz-Tornquist

KRISTA TITZ-TORNQUIST

"Weltenempfänger" von Gertrude Grossegger

In frei fließender lyrischer Prosa beschreibt Gertrude Maria Grossegger die menschenähnlichen Figuren der Künstlerin Krista Titz-Tornquist. Deren "Weltenempfänger", sagt Grossegger, seien "eine eigene Art" und "Radios im erweiterten Sinn". Die steirische Autorin nennt ihr Langgedicht "Textteppich", und die einzelnen Absätze darin "Anläufer". Die Ö1 Erstveröffentlichungsreihe "Kunstgeschichten" widmet sich dem Kunstblick von Autorinnen und Autoren. Redaktion: Ilse Amenitsch und Edith-Ulla Gasser.

Gertrude Maria Grossegger

Gertrude Maria Grossegger wurde 1957 geboren und erlebte ihre Kindheit in Mühlen bei Murau. Die Ausbildung zur Lehrerin führte sie später nach Graz. Sie lebt in der Oststeiermark und schreibt Lyrik, Kurzprosa und Dramen. Sehr häufig schreibt sie in einer Sprache, die sie selbst "verdichtet" nennt, und die sich besonders stark übers Sprechen vermittelt, zum Beispiel bei öffentlichen Lesungen und in Theateraufführungen, oder eben auch im Radio.

I

"weltenempfänger" von krista titz-tornquist sind eigen sind eine eigene art sind eine art eigene art sind radios sind eine art radios sind art radios sind eine eigene art radios sind eine art radios eigener art sind arteigene radios sind art radios im erweiterten sinn und um diesen geht es und um die eingangsempfindlichkeit geht es und um die klarheit geht es und um den empfang um die abgrenzung geht es um die ausblendung um die einstellung und um den klang und um die form geht es

um die veränderung geht es um die verwandlung um die ausbreitung um das stille geht es um das rauschen geht es um das filtern um den willen geht es um die freiheit und um den fall

um die möglichkeit geht es und um die wahl geht es um die eingebung geht es um das drumherum geht es um das schauen geht es um das hineinsehen geht es und um die haut

um das herauserfinden geht es um die welt geht es um alles geht es um nichts um das vielzuviel geht es und um die ohnmacht geht es um die macht geht es um den stillstand geht es um das unverfügbare geht es und um das geheimnis um das geht es

um das verlieren geht es um das finden um den inhalt geht es um den sinn um das empfinden geht es um das ahnen und um den schein um den anschein geht es um das wie um das warum geht es um das wahrnehmen um das wahrnehmen können geht es um das können geht es um das können können und vor allem darum geht es

II

sind da weltenempfängerwesen können wahr nehmen können wahres nehmen können nehmen was wahr ist und was nicht können nehmen was sie wahrnehmen können können wahr nehmen was sich für wahr nehmen lässt können mir was sagen

III

sind da weltenempfänger kann mir was nehmen kann mir nehmen was ich nicht weiß kann mir nehmen was ich zu wissen wünsche kann nehmen im wissen zu glauben kann nicht zu wissen glauben kann nehmen und glauben es wissen zu können kann mir was ersehnen kann mein herz hergeben dafür

IV

sind da weltenempfängerinnen kann existieren kann aus mir sein und in mir kann dem anschein nach sein kann mir eine seinsart ersinnen kann scheinen zu sein kann mir ausmalen mein sein kann sein was ich will

V

sind da weltenempfangende kann mich besinnen kann bei sinnen sein kann einen sinn sehen kann ihn haben oder verlieren kann mir zusehen kann mir ein bild machen kann auf mich schauen und auf den anderen kann wahrnehmen kann empfinden kann mir etwas herbeiriechen herbeisehen herbeirufen kann erhören das schnurren der steine kann mir vorstellen die welt einen traum den wandel

VI

sind da weltenempfänger kann die haut meines körpers hören kann fühlen wie sie knistert wie sie rauscht wie sie raschelt wie sie gurrt wie sie surrt wie sie summt wie sie weint wie sie tränt wie sie sich verliert wie sie sich in eine wahrnehmung hineinverlieren lässt sich ganz in das innen hineinverlässt sich ins draußen lässt sich überlässt und wie sie loslässt als ganzes der häutung sich hingeben lässt

VII

sind da weltenempfängerwesen sind einmal das eine sind einmal das andere sind gegensatz sind schweigsam sind sprechend sind nicht stumm sprechen mich an sind stoisch sind bewegt sind bewegerinnen sind stehend am gehen sind im dasein verankert sind in verbindung stehend nach dort und nach da

VIII

sind da weltenempfängerwesen in aufgerichtetheit antennenwachsenlassende dem drinnendraußen zuwachsende hinausgelustjuchzte sprudelnde quellen kugelbäumchen limbische küsse ins kosmische den erdmantel fütternde als ob es mich miteingeknetet hätte ins kantige rund ausgepflanzt und eingepflanzt in den erdmantel gesteckt und stecken geblieben verlockung ins gesicht geschrieben aufgefaltet die haut ins wachsame überzogen mit lachfäden zugewendet dem weißnichtnoch

IX

sind da weltenempfänger vor mir stehend ganz aufgehend im so vor mir stehen mir nah stehend sich selbst nah dem draußen nah im sosein daheim wie in eine schutzhaut hineingekrochen nehme ich wohnung ziehe mir eine haut über dann die nächste wähle die einen häute für heute wähle die anderen häute für ein anderes heute lustwandle in artenreicher von eindrücken beseelter pulsierender landschaft streife über glatte weichform berühre eingekerbtes stoße auf erhabenes in brusthöhe schaltstellen einquadratet die quadratur der rundung die neunertastatur ankurbelnd meine fantasie

X

sind da weltenempfänger mit eingeschriebenem display zur freifahrt ins glückslos wähle drücke rubble knipse schalte um flaniere fluktuiere ziehe in wunderliche weltenkammern luken verlockend globulis wie küsschen in das all docke an im unbekannt luchsen chimären anthropisch aus ihren hüllen lauschend dem dasein zugeneigt in jeder augenblicklichkeit bricht um der leib der geist

XI

sind da weltenempfänger in bloßgelegter porentiefrissiger urhautlichkeit unbeständig das gewand ein ständchen stülpt sich form nach außen in einem moment eigen und artig im anderen überholt färbt sich geistreiches ab ins neue im auge blitzt verwandlung geht beinah vor der stille die stille in die knie und ist nicht still ist gehend im stillen ist still am gehen ist laut im stillen ist fest am werden ist nicht die es ist aufrecht steht stille sich los schaut stille in sich selbst hinein aus sich heraus die drinnendraußenwelt im festen unverhärtet im leichten stand gefestigt ausgewogen zeitigt herzgeistverflechtung form einwirkend ins umgebungsbunt offenherzig aus sich laufend in sich verlaufend ziehend tief ins unwesentlichweit

XII

sind da weltenempfängerinnen und wie es lautet wie es durch die stille herausknistert dieses launische rauschen der frequenzen auf mich zuschießendes ins haupt zischendes warte sag ich warte schon stürzt es herein ist da und ist geworden bin auf augenhöhe weicht nicht ab der blick ins feste fesselt mich gibt sich frei mitten ins da stülpt sich der eine moment aus dem gestrüpp hervor wächst geht in verbindung knüpft sich fort muss schneller sein als denken tickt biegt sich berührt boden wandelt sich hinein in anderes

XIII

sind da weltenempfänger souffleure und souffleusen schmunzelnde einflüstermischwesen vielfältig eingeschmolzen in zartknittriges durchgesichtetes harzgelb überzogen mit tiefschwarzmattpolierter büffelpastapatina mit silbrighellleuchtender metallischer anmutung mit zartgeheimem rosalackgehäute incantesimo mit ungebändigtem rotrauschen mit einbettungsweiß behutsamem dabinichdableibich eingestillt und stillgemummt innerlich zischts und flackerts einmal stolpernd dann wieder fließend bald reißend im fortgeschrittlichten stets aufgeweckt und sprungbeflügelt dem heutigkeitsschrecken und gestrigen noch anverhaftet wird nächstsekündlich schon wieder wer anderer ich gewesen sein unermüdliches vergangenheitsverbindlichkeitsgehäute abstreifend einwachsend ins nächste mit eingepflanztem unmittelbarlichem ruhesehnsuchtsdrang jetzt aber still endlich still keine gelautete stille wenn ich bitten darf ich darf mich bitten wenn ich nehmen will will ich nehmen

XIV

sind da weltenempfängerinnen in eigenständiger urzuständlicher standhaftigkeit sind formsuchende sind sich suchende sind form tragende sind in sich tragend was sie angeschickt sind zu sein stülpen ihr zugeständnis nach außen transformieren es verschicken anverwandeltes ins lose stehen über sich hinaus schicksalslos erquickt dem weiterwollen nach knackend das glück um jeden code stets angehalten den linien form zu leihen kairos aufzugreifen sich einzuverleiben geisterfrischendes momento incredibile

XV

sind da weltenempfängerwesen gehen hand herz hirn dem scheinbar unscheinbaren den sorgsam aufgelesenen feingeweben nach sich fortpflanzend im zaubergarten laufend neues sich anzuverkleiden sapientia wohlweislichwesen wunderlich angehaucht unverweichlicht kieselwach bricht sich manch vorschnelle sicht wird ausgedehnt der blick verweilt in weile was trägst auf deiner haut was ist in deine haut gelacht wie feinhautig ist dein außen wie überhäutend bist im überzug geborgen und ausgesetzt dem strahl von draußen und von drinnen sind arme dem körper eingeflossen die hand ist offen liegt innenwärts das glück schreit sich nicht überschwänglich fort hortet sich ach könnt es doch gebündelt sein und bleiben die eine formel für das glück uralte weltmetapher dem fährtenriss scharf einverschrieben angefeuert sein ton im sprungbereiten bricht auf sein voller klang ins andere unbekannt hey babe take a walk on the wild side was werden wird muss sein go anyway dort oben sind antennen sind weltenküsserinnen herz hirn stöpsel ins all spritzer und in den kopf hinein und durch den körper durch es rauscht doch immer was im draußen und im drinnen lets swing again schwinghelle und narrenschelle schallwelle und meerquelle aller wellen längen wenn wir wollen wellen sie wenn sie wellen wollen wir weiter wollen weiter werden

XVI

sind da weltenempfängerwesen wandere von einem zum nächsten rot oder grün hell oder weiß schwarz oder harzgelb streichle sie berühre sie mit den augen verlasse das eine und suche das andere nehme von einem die farbe vom anderen die form erhöre ihren klang trage das eine zum anderen nehme es mit als ob alles bliebe was ich heraussinge als ob alles in mir festgehalten unermüdlich spuren ziehend sich hineinspurte als freundlicher geist der sich um meine ganglien legt wenn ich zu schlafen scheine mich leitet im anschein des innenlichts das sich nachts nach außen kehrt mich zu mir führt dass ich den träumen zusehen kann mir zusehend erahne was sich abspielt auf der inneren leinwand meines liddeckels mich schlaftrunkene aus dem roten samtsessel hebt morgens in sanfter bewegung mich heraushebt beizeiten losreißt mir sein kleid zuwirft sein firmamentenes licht mich schützend umhüllt für einen moment gleich einem gelassenheitsschein durchscheinend wird im anwesendlichwerden einer einsicht die sich ins äußerste ergießt und wesentlich geworden zum vorschein kommt

XVII

sind da weltenempfängerwesen in androgynem kleid ganz und gar klar leicht beinah schwebend und fest im stand unscheinbar wurzeln schlagend nach dorthin nach dahin die haut eine mitwachsende und anzeigerin für das was innen ist und am werden kreisend oder verzweigend keine miene verziehend dabei immer dieselbe frohimseinmiene zum immer anderen sein

XVIII

sind da weltenempfängerwesen stets leicht und nie fertig immer auf übergang im winkel das lachfältchen vom geborgenheitsschmaus abfedernd im einbettungsgebet verankert spitzmädelig spitzbübisch etwas erwagend ertastend etwas erwägend neues riskierend das irren versuchend das nisten das verwirren in tröstlicher sicht auf ein vergehen versagen vertun als teil des seinsinns alles außen scheint innen und alles innen scheint außen und hin und her fluten lichtbäche

XIX

sind da weltenempfängerwesen gedankenwachsenlassende den gedanken nachwachsende gedankenaufnehmende kalligrafen im stillen wird tragend die haut und wird schrift zeitigt sich eingeflossenes wird lesbar wird frei wird sichtbar wird außensicht wird textur wird dem außen ausgesetzt wird zersetzt wird preisgegeben der zersetzung wird durchsetzt wird fest wird biegsam wird gefordert das denken das tun wird offen im bleiben und fest im werden für eine sprache die meine werden könnte die in mich hineingehen sich wie eine aufgeschlossene wendel in mein gewächshaus hineinverstreuseln könnte sternschnuppensekündchen verschenkend zum spielen zum tanzen auf leichterer seite

XX

sind da weltenempfängerwesen einflussreiche dem einfließenden zugewandte drängt sich herein grelles der lichterverirrsinnten dazuhineingeschichteten oder darüberhinaufgelegten anscheinlichkeiten drängt sich auf von beginn an mithineingedrücktes großgewichtiges etwas das da liegt und wartet gehoben zu werden etwas das sich so stark hingelegt hat brach liegend und störend ob seiner brache den fortgang versperrend aufgegriffen werden will vom weltenempfangenden herz das sich dem leichten sinn nach mit schulterschwerem zu versöhnen weiß als ob es sich das erschwernis über die verwandlung in besonderer weise zu eigen gemacht und im metamorphotischen annehmungsprozess erleichtert und umgebaut in sein erkenntnisreich verpflanzt hätte als ob es davon eine noch stärkere grundfeste verliehen bekommen und einen atemzug mehr von der anderen seite herausgezogen hätte als ob es gut sei wie es ist als ob es nun das eigentliche hätte was es lebendig hielte als ob es nun das hätte was ihm leben sei

XXI

sind da weltenempfängerwesen sehe ihnen fest in die augen so leicht werden meine schwergewichte so zugänglich fast klein beinah zärtlich werden sie in ihrem sosein ganz neu und ganz anders ganz zugewandt dem neuerschaffensdrang meines sprengkörperhaften frischlingsgeburtwesens im zeitrad häute abwerfend für jene neuen die auf vorrat im darunter angelegt in warteposition gespannt schon und wie in bereitschaft gehalten die eine äußere schon längst zerschlissene abzulösen mir aufzwingen beinah mich in hochspannung versetzen die häutung zur geburt bringen in unvorhersehbarer zeit mich erschrecken jedesmal mich umwerfen beinah will fest werden im nehmen den weltenempfängersound heben sanft bergen auf die höhe bringen wahren wie einen schatz zur brust nehmen mir vor augen führen den ton mir ans herz legen seinen sanftmut im begeisterten feinsinn dem sein zu herzen gehen

XXII

sind da weltenempfängerwesen mit krönchenartigem himmelhochsprießendem ausgestülptem wunderhorn daheim in einer verneugierlichten reisefiebrigen aufgeregtheit gebannt im ruhepol ausgeglichen im wurzelfest der körper durch und durch gebrannt ausgehärtet im bronzeguss in ein licht gerückt in immer anderer hautverkleidung dem verwandlungsakt hingebungsvoll vertrauend mit allen sinnen wahrlich wie fesseln sich lösen gleich herzbändern nicht der wagen bricht nein herr der wagen nicht bänder sind es und von meinem herzen gesprengt haben sie sich

XXIII

sind da weltenempfänger da stehen sie und da schauen sie und in sich hinein schauen sie und aus sich heraus das kleid ablegend schon wieder woandershin aufbrechend zeitlos in der zeit ortlos am ort wie ohne sinn im sinn wie ohne heim daheim genügsam unterwegs im losen gebunden ans lose dem losen anvertraut umspielt von lichtranken halterung suchend im licht dem licht zugehend geschehen lassend sich anbindend ans lose am losen sich anhaltend das haltende loslassend

XXIV

sind da weltenempfänger bleibt vom halten keine spur sagt mir das mit dem harzgelben gewand vom halten ist alles verhalten die namen die wunder der zauber verhalten die liebe aufgehalten vom halt und einbehalten im haltlosen halt hat sich das vergehen tickend zu gehör gegeben und schlagend hat der ort an die zeit sich verschlagen und die zeit an den ort ihn wieder zu verlassen ist gebot um im anderen dort aufzugehen als drehende scheibe oder springender punkt

XXV

sind da weltenempfängerwesen mehrsilbige sind hörnchen gewachsen der erhabenen dame der einen in grün derselben heute in rot sind sendende sind empfangende sind es nach oben sind es zur seite sind es nach unten sind fühlende sind auf der hut sind augen mild sind hoffnungsfroh überblickende giraffenwesen tiefengründliche seepferdchenliebe löwenstarke gefährtinnen wechselwendige mir zugewandte durchdringend das dasein schichten über schichten vordringend in vorsehung bis ins sichtbar werdende bis etwas hervorkommt bis einmal der werdegang unterbrochen und anders aus seinem letzten jetzt herausgegangen sein wird sich ins andere jetzt bugsiert haben wird sanft und bestimmt ein kommendes jetzt im jetzigen geworden sein wird bevor es sich versieht

XXVI

sind da weltenempfängerwesen ins haus stürzende in die mitte stürzende ins gespräch stürzende mitten hineinstürzende unverhofft in eine mitte stürzende teil der mitte werdende inmitten anderer stofflichkeiten sich einhörend in raschelndes rot in sanftmütiges grün ohrenspitzend größer und höher werdend nichts zu verlieren im sinn das tun nur das tun im anvisierten leis freischwebende unverbriefte federflaumsilben vorausschickend

XXVII

sind da weltenempfängerwesen dir zusprechende es sei offen reden sie dir zu du dachtest es sei zu es war nie zu du hast nur nicht gewagt die tür zu berühren du hast auf zuspruch gewartet auf den entscheidenden empfängerblickartigen satz er lautete es ist offen du tippst an die tür sie ist angelehnt hat dich erwartet hat sich im vorfeld schon geöffnet für dich dein kommen ist dir bestimmt dein antippen genügt du bist im raum zuerst mit den augen mit deinem gefühl mit deinem geist mit deinen beinen dann treten füße auf ein ineinanderfließen und übereinanderlegen der sinne als ob sie sich sehnten liegt unter dir der stein aus deinem innersten ist er gerollt umarmt fühlst du dich um dich übergossene wiesen in silbrigmattglänzender roheit kraftvoll im feinen am lichtkleid botanische spur äderchen tröpfchen krater frostrissig ornamental der abdruck bronzener halt

XXVIII

sind da weltenempfängerwesen es passt sagen sie du bist in der zeit hast an deinem schaltknopf gedreht im entscheidenden moment sonst wäre hätte wäre ach was wäre wenn hätte er wäre er schon wieder weg hätte sich der halm gebogen soweit dass er den boden berührt sich in etwas anderes verpflanzt hätte wenn nicht der grashüpferblick in den krötenblick geschwenkt und was anderes geworden wäre was du geworden sein hättest können müssen wollen hat er aber nicht ist geblieben im blick das springende etwas so stürzt du in den moment in den raum gehst ein stück hinein bleibst stehen auf einem gang es ginge nach links und nach rechts es ginge geradeaus es ginge sogar stehen zu bleiben es ginge sich aus du gehst stellst deinen mondinenkrug ab aus dem empfängergesicht sprudelt raum sprudelt zeit in kleinen dosen zapft grasgehalmtes an am mutterfass mit namen geschmückte figuren mit gesichtern denkgestalten und dankbarkeitswesen umgeistigt und in unbedingter anwesentlichkeit aus dem erschaffensakt hervorgeliebte ins da mitten hineingeschöpfte um zu sein um zu denken um anders zu denken im gleichen ein gefühltes dem eigenen dienendes denken ein in den raum gesprühtes denkknäuel das sich mit den anderen kraftvoll vergrittelt hat das geballt andockt am unverfügbaren nascht im grenzgang das eigene selbst überschreitend als ein über sich hinauswachsender in die weite gestellter gedanke der von außen im außen stehend sich selbst betrachtet

XXIX

sind da weltenempfängerinnen vertraute archaische urwesen unaufgeregte gedankenträgerinnen und gedankenerzeugerinnen siebend und selektierend ausblendend und auswählend den geist an der wurzel gepackt in hand und herz genommen lassen sie unberührt was unberührt zu bleiben hat die eingefräste tastatur mit flügeln versehen bauen sie bedächtig gedankengut aus segeln auf herzwellen nehmen fahrt auf steuern ihr ziel punktgenau an nehmen den umweg spontan in die hand

XXX

sind da weltenempfängerwesen ausgeklügelte poeme ich bin da und ich bin sagt das eine ich bin dort bin nicht bin da im nicht sagt das andere bin im sein bin nichts anderes bin das andere sagt es bin viel bin viel mehr bin viel im mehr bin ein wenig bin eigen und sinnig sagen sie

XXXI

sind da weltenempfängerwesen verknüpfend das woherbinichgekommen das wogehichhin am antennenstützpunkt für trägerraketenhörnchen ist jedem sein krönchen gewiss mit edlen gedankensteinen besetzt lässt es sich als leuchtturm nah ans ufer setzen lässt sich umschiffen gibt vor keinen weg ist daheim im erfindungsreich ersinnt mögliche wege von vielen verwegen das dunkle ausleuchtend was macht da noch einsam was macht da noch fürchten

XXXII

sind da weltenempfänger lassen mit sich sprechen reden über die haut sind mehrdeutig sind durchlässig mit anhaltspunkten für haltungsbedürfnisse habe sie immer schon berührt heimlich gestreichelt mit den augen liebkost sind nicht wegzudenkende tragen in sich den ruhenden kern dem boden nah sind sie landeplatz und abflugort sind zum loslassen und zum hereinstürzen zum fallen und zum zufallen sind schutzmantelumhüllt für all und es für worterfinderinnen für flussläuferinnen für grashüpfer für wolkenzähler für baumumarmer dem werdensdurst nach unterwegs sich zu verwandeln

XXXIII

sind da weltenempfangende schmetterlingsseelen schwirren in sich ruhend aus nehmen bewegt still haltung ein im anhaltenden das weitergehende im blick sich hingebend gestalt annehmend eigenwilligkeit entwickelnd sich losschickend von der gestalterin lossagend vom hintergründigen abhebend als ein in die luft mitten hineinsprießendes sprossenartiges überdrübergewurltes empfängergebilde dem weltenstrom sich entgegenstreckend immer dem einen weltenschwall sich zuneigendes ohrenwachsenlassendes weiterkommenwollendes warumwesen hervorgegangen aus wachsweichem übergegangen in gefestigten guss aufgegangen in bronzener haut in alu und in polyethylen eingegangen in das reich der weltenempfangenden wunderwellen aufspürend sich fortführend im vielfach aufgefalteten sein

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