Knochen, der 23 Millionen Jahre alt ist, Nationalmuseum Kenia

AFP/SIMON MAINA

Afrikanische Museen im Aufbruch

Die Rückkehr von Kulturgütern aus der Kolonialzeit trägt zur Veränderung der Museumslandschaft auf dem afrikanischen Kontinent bei. Neue Museen werden rund um restituierte Objekte gebaut - so wie in Nigeria, Namibia oder im Senegal. Bestehende Museen definieren ihre Rolle neu - als dekoloniale Institutionen. Lange wurden sie von der Bevölkerung als Fremdkörper betrachtet, nicht als Ausdruck der eignen Kultur. Heute wollen afrikanische Museen gesellschaftlich relevanter werden, mehr Besucher anlocken und zu einem Teil der gelebten Kultur werden. Leonie March berichtet über erste Ansätze.

Mittagsjournal | 07 10 2019 | Von Leonie March

Viele afrikanische Museen sind Relikte der Kolonialzeit. Europäische Siedler und Forscher waren die Zielgruppe, nicht die einheimische Bevölkerung. Das soll sich nun ändern. Es komme darauf an, Vertrauen auf- und Hemmschwellen abzubauen, betont Wandile Kasibe, Koordinator der öffentlichen Programme südafrikanischer Museen.

Mobil und digital

"Wenn die Menschen nicht ins Museum gehen, dann müssen wir zu ihnen kommen. Wir haben ein mobiles Museumsprojekt entwickelt, fahren in Schulen, Dörfer, Einkaufzentren. Wir bringen Objekte mit, die die Leute ohne trennende Glasscheibe ansehen und berühren können. Die Reaktionen darauf sind sehr positiv", sagt Wandile Kasibe.

Eine weitere Möglichkeit eröffnen digitale Technologien. Nicht als Ersatz für Originale, sondern als Ergänzung: Um den Zugang zu den Sammlungen zu erleichtern und Interesse zu wecken, betont die kenianische Wissenschaftlerin Chao Tayiana: "Über die Hälfte der Kenianer sagen, dass sie Kulturgüter online sehen möchten. Aber die Museen sind noch nicht so weit. Es mangelt unter anderem an Geld und technischer Expertise. Dabei könnte ein digitales Archiv vor allem ein junges Publikum anziehen. Außerdem eröffnet es die Möglichkeit, unterschiedliche Sichtweisen der Objekte zu beleuchten und in Dialog zu treten."

Bevölkerung als Co-Kuratoren

Der Dialog und die Einbeziehung einheimischer Communities stehen im Mittelpunkt der panafrikanischen Debatte. Die Bevölkerung soll sich in den Museen wiedererkennen, aktiv an der Darstellung ihres eigenen Kulturerbes mitwirken. Deshalb hat Kurator Nelson Abiti im Nationalmuseum von Uganda an die Tradition mündlicher Überlieferungen angeknüpft.

"Es geht nicht nur um die Ästhetik dieser Objekte, sondern um ihre Spiritualität und ihre kulturelle Funktion. Wir haben also auch die Menschen ins Museum gebracht. Damit sie ihre Erinnerungen teilen, mit den Objekten interagieren und so den ursprünglichen Kontext wieder herstellen - durch Tanz, Gesang, gesprochene Formeln. Ihr Wissen ist von großer Bedeutung. Wir sollten sie als Co-Kuratoren der Ausstellungen betrachten."

Ein postkoloniales Museum, so der Tenor unter afrikanischen Kuratoren, müsse ein demokratischer Raum sein. Keine stille, elitäre Halle, sondern ein lebendiger Ort des kulturellen Austausches.

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