The Dancing Woman, 2007

PAVEL PEPPERSTEIN

Albertina zeigt Sammlung Guerlain

Die Sammlung Guerlain ist eine der weltweit renommierten Sammlungen für zeitgenössische Zeichnung. 2012 ging sie mit 1.200 Kunstwerken als Schenkung an das Centre Pompidou in Paris. Unter dem Titel "A Passion for Drawing" ermöglicht die Albertina nun als erstes Museum im deutschsprachigen Raum Einblick in die Kollektion.

Mittagsjournal | 11 10 2019

Sabine Oppolzer

Wie kann Zeichnung im 21. Jahrhundert aussehen? Sie kann noch immer eine klassische Kohlezeichnung sein. Sie kann sich aber auch in Form von gespannten Bändern dreidimensionale in den Raum erstrecken, sie kann bewegt sein als Animationsfilm oder nichts als eine überkritzelte Fotografie. Wie sich diese Gattung weiterentwickelt hat, zeigt Kuratorin Elsy Lahner, die auch bereits 2015 die Schau "Drawing Now" in der Albertina kuratiert hat.

Die renommiertesten Zeichenkünstler

Insgesamt 20 künstlerische Positionen werden präsentiert, darunter einige der international renommiertesten Zeichenkünstler wie der US-amerikanische Fotorealist Robert Longo, die Chilenin Sandra Vasquez de la Horra, die ihre Zeichnungen in Bienenwachs taucht, um einen veralteten Eindruck zu erwecken, der britische Bildhauer David Nash, der seine Skulpturen zweidimensional mit dem Zeichenstift abbildet.

Der bulgarische Künstler Nedko Solakov kombiniert seine Zeichnungen mit Textsequenzen und hat zudem winzige schwarze Figuren mit Marker direkt an die Wände gezeichnet, diese "Albertinadoodles" - wie Solakov sie nennt - karikieren großformatigen Bilder auf ironische Weise. Solakov meint, in einem altehrwürdigen Museum wie der Albertina brauche es ein paar dieser kleinen Gesellen, um hier ein wenig Unfug ein zubringen.

Prix de Dessin

Seit Mitte der 1980er Jahre haben Florence und Daniel Guerlain begonnen, diese Sammlung aufzubauen, die heute als eine der renommiertesten für zeitgenössische Zeichnung gilt. Seit 2007 vergibt das Ehepaar jährlich den mit 25.000 Euro dotierten Prix de Dessin.

Echte Schenkung versus Dauerleihgabe

1.200 Arbeiten haben Daniel und Florence Guerlain 2012 an das Centre George Pompidou als echte Schenkung übergeben. Einfach, damit die Sammlung zusammenbleibe, wie Daniel Guerlain sagt. Eine weitere Schenkung werde folgen.

Im Unterschied dazu sind Sammlungen wie Essl oder Batliner in der Albertina nur als Dauerleihgaben untergebracht. Ein Umstand, der 2018 vom Rechnungshof Österreich kritisiert wurde. Die brisante Frage: Wenn Museen private Sammlungen auf Staatskosten in Schuss halten und deren Wert steigern - was wird dann Privatsammler noch dazu bewegen, ihre Kunstkollektionen dem Staat - und damit den Bürgern - als echte Schenkung zu überlassen?

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