Ein Büro in California in den 60er Jahren

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Das Internet wird 50

"LO" und nach dem Absturz des Computers einige Stunden später dann auch noch samt einem "G" - LOG für Login war die erste Textnachricht, die US-Forscher im Jahr 1969 erstmals zwischen zwei Rechnern über das Universitätsnetzwerk Arpanet übertragen konnten.

Und dann gab Charlie ein G ein und das System stürzte ab

Stephen J. Lukasik Leiter von DARPA

Einer der damals noch kühlschrankgroßen Rechner stand an der University of California, der andere am Stanford Research Institute, die Computer waren über eine 50 Kilobit-Datenleitung miteinander verbunden. Der 29. Oktober 1969 und die erfolgreiche Vernetzung von Computern gilt somit als Geburtsstunde des Internets.

Zum 50-jährigen Jubiläum wirft die "matrix"-Redaktion einen persönlichen Blick zurück und berichtet, welche Netz-Phänomene, Internet-Dienste und Nebenwirkungen des Online-Daseins den eigenen digitalen Alltag bereichern, prägen oder nerven.

Franz Zeller hat dem Internet einen kurzen Brief geschrieben

Jetzt bist du auch schon 50, liebes Netz. Die ersten 20 Jahre hast du ja sehr zurückgezogen gelebt und dich mehr in Wissenschafter-Zirkeln herumgetrieben und beim Militär. Dann hat dich Tim Berners-Lee aus deiner Blase geholt und dich weltweit bekannt gemacht. Was hatten wir damals nicht für Hoffnungen in dich. Dass wir mit deiner Hilfe der Demokratie einen mächtigen Schubs geben, zum Beispiel, weil wir nun alle mitreden können. Und wir träumten auch davon, dass jeder leichter zu Bildung kommen kann als in den Jahren davor. Stimmt eh, aber nur ein bisschen. Doch nix ist es geworden mit der besseren Demokratie. Im Gegenteil: mit deiner herzlosen Art bedrohst du das gedeihliche Zusammenleben von Menschen und Gesellschaften mittlerweile. Insofern bist du ein bissl ein falscher 50er.
Aber wir haben dich noch nicht aufgegeben! Vielleicht kriegen wir es ja bis zum 75er hin, aus dir ein liebevolles, menschen- und demokratiefreundliches Netz zu machen.

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Für Julia Gindl beginnte ein guter Tag mit einem Gif!

Ein guter Tag beginnt mit einem Gif. Es gibt ja eigentlich keine Situation, in der man Freundinnen oder Kollegen nicht mit einem passenden bewegten Bildwitz erheitern kann. Eine hüpfende Kaffeetasse am Montagmorgen, zwei kleine Äffchen, die sich in die Arme fallen für eine virtuelle Umarmung oder den freudig tanzenden Steve Urkel bei guten Neuigkeiten. Das alles sind animierte Gifs, also Mini-Videos, oft auch von tollpatschigen Katzen, oder kurzen Filmszenen, die in Endlosschleife ablaufen. Das Gif ist eigentlich ein Grafikformat aus den 80er Jahren, das bald vom Bildformat JPEG abgelöst wurde. Mittlerweile gehören die Animationsschnipsel, die man ja auch selbst ganz einfach aus Videos basteln und versenden kann, ganz selbstverständlich zur Pop- und Netzkultur dazu.
Das Gute an Gifs: sie kommen ohne Ton und das Gegenüber ist auch ein bisschen wehrlos: Denn es sind unsere Messenger-Dienste am Smartphone, die, sobald man eine Nachricht öffnet, die Mini-Videos automatisch starten und einen Kakadu oder Jon Travolta endlos tanzen lassen.
Liebes Internet, bleib auch mit deinen 50 Jahren noch ein bisschen blöd, kindisch und verspielt, mein Herz blinkt für dich in Endlosschleife!

Sarah Kriesche erinnert sich an internet relay chat

IRC, ein rudimentärer Vorläufer von Kommunikationsprogrammen, wie ICQ, AOL, und natürlich Twitter oder Facebook:

Ein Fenster auf dem Computerbildschirm, eine Shell, war mein Einstieg in die Welt der Online-Kommunikation: Das Fenster ist schwarz, die Schrift ist weiß, abstrakt, abweisend blinkt ein Punkt in der Kommandozeile und wartet auf meine Eingabe. Aber ich musste noch warten, bis sich das Modem verbunden hat. In all seiner Reduktion stellte das IRC die Brutstätte für Geschäftsideen, technische Experimente und große Visionen dar, die man teilte, an denen man sich erfreute. Wir lernten uns kennen und manchmal trafen wir uns, um das Online-Miteinander im Analogen fortzuführen. Ein zweckfreies Miteinander, das Inhalten geschuldet war und keiner "User Experience", keinen "Influencern" und keinem Geschäftsmodell.

ORF/ISABELLE ORSINI-ROSENBERG

Ulla Ebner findet ihren Weg mit Online-Kartendiensten

Können Sie sich noch erinnern, wie das früher war: Wie Sie sich vor dem Urlaub einen Stapel Straßenkarten und Stadtpläne besorgt haben, damit Sie das gewünschte Ziel auch erreichen? Ulla Ebner denkt noch mit Schaudern an diese Zeit zurück und möchte heute einmal ein Loblied singen, auf all jene Seiten und Apps, die uns die Orientierung erleichtert haben.

Mariann Unterluggauer erinnert sich wie alles begann

Warum wurde das Arpanet gebaut? Es gab Kommunikationsprobleme. Am Anfang war es eine kleine eingeschworene Gruppe, die sich in den 1960er Jahren für Computernetzwerke interessierte und die Grundlagen für ein Netzwerk schuf, das man heute das Internet nennt. Der Lohn für die Grundlagenforschung kam erst Jahre später, denn am Anfang ging es um Analysen, Experimente, den Bau von neuen Geräten. Ein Beitrag von Mariann Unterluggauer.

Werner Herzog, "Wovon träumt das Internt?"

Schlusspunkt von Irmi Wutscher und Isabella Ferenci

Während die einen "ins" Internet gehen, ist es für andere eigentlich gar nicht mehr wegzudenken aus ihrem Alltag. Was nimmt man dann vom Internet eigentlich noch wahr? Irmi Wutscher und Isabella Ferenci haben gemeinsam darüber nachgedacht, was ihnen am Internet gefällt.

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