Zwei Frauen mit einem Kind in armer Kleidung

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DDR-Film: "Und der Zukunft zugewandt"

Ein dunkles Kapitel der sowjetischen aber vor allem ostdeutschen Geschichte beleuchtet der deutsche Film "Und der Zukunft zugewandt". Da werden drei Frauen, die Stalins Gulag überlebt haben, in der DDR im Dienste des Sozialismus zum Schweigen verpflichtet.

Morgenjournal | 29 10 2019

Arnold Schnötzinger

Die vorsätzliche Dramatik findet beim Film "Und der Zukunft zugewandt" gleich zu Beginn statt. Drei Frauen aus dem Osten Deutschlands werden - obwohl unschuldig - verurteilt und müssen in einem sowjetischen Zwangsarbeitslager während des Zweiten Weltkriegs schuften. Sie leiden unter der Kälte, denken an Selbstmord. Antonia Berger (Alexandra Maria Lara) ist eine von ihnen, ihr Mann wird erschossen. Die Lage scheint aussichtslos, doch 1952 holt die DDR die Frauen auf diplomatischem Wege nach Hause.

Stillschweigen als Pflicht

Die viel weniger offensichtliche Dramatik, aber das eigentliche Drama findet danach statt, in Fürstenberg an der Oder. Zwar bestens versorgt, aber zum Stillschweigen über die Vergangenheit gezwungen, so stellt sich die offizielle DDR das Leben von Antonia Berger vor. Regisseur Bernd Böhlich, selbst in der DDR geboren: "Diese Frauen haben geglaubt, ihr Opfer für den Sozialismus hätte einen Sinn, aber wie sich später herausgestellt hat, hatte dieses Opfer keinen Sinn."

Sozialistische Betriebsblindheit

Verleugnen wird zum Lebensprinzip, doch weil es kein richtiges Leben unter den falschen Voraussetzungen geben kann, steigt das Unbehagen im Goldenen Käfig. Antonia wird aufgerieben zwischen ihrem Willen, an den Sozialismus zu glauben und den ständigen Enttäuschungen, die dieser Sozialismus in der Praxis zu bieten hat, von Funktionären, die alles einer Ideologie unterordnen und dabei ihre Betriebsblindheit feiern. Doch auch der Weg in den Westen, mit einem Arzt und Geliebten, ist keine Alternative.

Fassadenleben

Neben der melodramatischen Ebene führt Regisseur Böhlich den Film auch ständig an einer politischen Kante entlang. Das Hohle hinter Antonias Fassadenleben, wird ständig projiziert auf das Hohle, das diese DDR ihren in ihrem Irrglauben ausmacht und das sie ihren Bürgern ständig vormacht. Nur folgerichtig, dass die Rahmenhandlung des Films im Jahr 1989 angesiedelt ist. Auch für einen Staat gibt es eben kein richtiges Existieren unter den falschen Voraussetzungen.

Gestaltung

  • Arnold Schnötzinger

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