Das Herz und das Kreuz Symbol der Tinder App

AP/TSERING TOPGYAL

Datenhandel mit Dating-Profilen

Sollten Sie Tinder nutzen, könnte es sein, dass auch Ihr persönliches Profil über Umwege an die spanische Künstlerin Joana Moll gelangt ist. Sie hat sich angeschaut, wie persönliche Dating-Profile samt sexuellen Vorlieben und sensiblen Informationen durch das Netz wandern und an andere Unternehmen weitergegeben werden.

Sie habe gerade über Datenhandel im Netz recherchiert, erzählt Joana Moll und dann eigentlich eher zufällig selbst einmal Daten gekauft, denn das war einfacher als gedacht, erzählt die spanische Künstlerin: "Man muss auf Google lediglich "Dating-Profile kaufen" eingeben, um auf Webseiten zu gelangen, die die Dating-Daten anbieten. Und auch wenn man die Qualität der Daten nicht kennt, es ist eine verhältnismäßig niedrige Summe."

136 Euro für Dating-Profile von einer Million Menschen.

Auf der Plattform US-Date hat Joana Moll 136 Euro gezahlt - für Dating-Profile von einer Million Menschen, die nach einer Beziehung, einem flotten Dreier oder einer Affäre suchen. "Da gibt es alle möglichen Kategorien: Profile von philippinischen Frauen, europäischen Frauen, Homo- und Transsexuellen, älteren wohlhabenden Männern und älteren wohlhabenden Frauen", zählt Joanna Moll auf.

Über die Metadaten der Profilbilder konnten Moll und das Künstlerkollektiv Tactical Tech herausfinden, dass ein Großteil der eingekauften Dating-Profile von der amerikanischen Dating-Seite "Plenty of Fish" stammt.

"Plenty of Fish", die in Österreich beliebte Dating-App "Tinder" und die Kontaktbörse "OK-Cupid" gehören mittlerweile alle einem Konzern, nämlich dem amerikanischen Unternehmen Match-Group. Als Nutzerin einer dieser Plattformen muss ich also damit rechnen, dass meine Daten an die anderen 200 Dienste des Match-Konzerns weiterwandern, sagt Joana Moll.

Heiß begehrte Dating-Daten

"Was sonst mit den persönlichen Daten passiert oder an wen sie weiterverkauft werden, sei der Datenschutzerklärung von Tinder nicht genau zu entnehmen, wir stehen hier vor einer Black Box", kritisiert Joanna Moll.

Neue Dating-Plattformen werden mit derartigen eingekauften Profilen teilweise gefüllt, bis sich echte Nutzerinnen und Nutzer anmelden. An persönlichen Dating-Profilen könnten aber auch Banken, Versicherungen oder Pharmakonzerne interessiert sein, um ihre Algorithmen zu trainieren und um Verbindungen herzustellen.

Eine Auktion von Dating-Profilen

Joana Moll und das Künstlerkollektiv "Tactical Tech" bieten die eingekauften Dating-Profile in einer Auktion zum Verkauf an - natürlich nur als eine Art Kunst-Simulation, um zu veranschaulichen, was mit Profilen von Millionen Menschen, die nach Liebe oder Sex suchen, alles passieren kann.

Ein offener Brief an die "Match Group" ist in Arbeit, sagt Joana Moll, denn einzelne Nutzer haben kaum eine Chance gegen diese großen Unternehmen und Datenhändler.

Service

Projekt "The Dating-Brokers”
Joana Moll
Tactical Tech

Gestaltung