Piotr Beczala

JOHANNES IFKOVITS

Langsam, aber stetig ...

Der Startenor Piotr Beczala im "Klassik-Treffpunkt".

"Ich bin selbst sehr kritisch und nie zufrieden nach einer Vorstellung. Auch die beste Vorstellung kann immer noch nachgebessert werden, szenisch und auch sängerisch. Das Problem ist, dass ich mich selbst nicht hören kann. Das ist die größte Tragödie der Sänger, dass sie nie in den Genuss der eigenen Stimme kommen." Dafür umso mehr ein beglücktes, dankbares Opern- und Konzertpublikum.

Mit 52 Jahren gehört Piotr Beczala zu den derzeit gefragtesten Opernstars, er steht - von Publikum und Kritiker/innen gleichermaßen gefeiert - als lyrischer Tenor auf allen wichtigen Bühnen der Welt.

Seinen Erfolg verdanke er seiner Frau Katarzyna, die wie er aus Polen stammt und die für ihn auf eine eigene Karriere als Opernsängerin verzichtet hat. Seine Karriere ist auch Geduld und Ausdauer geschuldet sowie klugem Umgang mit seinem Instrument. Er habe, so meinte Beczala in einem Interview mit einer Schweizer Zeitung, so viele jüngere Tenöre gesehen, die wie auf der Autobahn an ihm vorbeigeflitzt seien, und nach dem Crash habe er sie oft rechts im Graben liegen sehen. Sein Rat aus der Perspektive von mehr als 25 Jahren Bühnenerfahrung: Langsamkeit zahlt sich immer aus.

Der Kammersänger

Egal ob in Wien, an der Met, in Berlin, an der Scala, in München oder Chicago: Beczala reißt das Auditorium zu Ovationen hin, als Rodolfo ("La Bohème"), Edgardo ("Lucia di Lammermoor"), Lenski ("Eugen Onegin"), Des Grieux ("Manon") oder Duca ("Rigoletto") - diese Interpretation brachte ihm 2014 den Echo Klassik als Sänger des Jahres ein.

An der Wiener Staatsoper debütierte Beczala 1996, und das Haus am Ring hat ihn im Juni dieses Jahres mit dem österreichischen Berufstitel Kammersänger geehrt: im Anschluss an eine umjubelte Vorstellung von Puccinis "Tosca", in der er als Cavaradossi brillierte und nach nicht enden wollendem Applaus die Arie "E lucevan le stelle" wiederholen musste.

Zusätzlich zu seiner Opernkarriere ist Beczala ein gefragter Konzert- und Liedsänger. Sein bevorzugter Liedbegleiter, Helmut Deutsch, schreibt in seinem Buch "Gesang auf Händen tragen", dass ihn Beczalas Lehrerin Sena Jurinac auf den außerordentlich begabten jungen polnischen Tenor aufmerksam gemacht hatte: "Von dem wirst du noch hören! Eines Tages berichtete sie ganz glücklich, dass dieser Pole am Landestheater in Linz engagiert worden war. Als ich Piotr Beczala allerdings zum ersten Mal in Salzburg begegnete, waren seine fünf (!) Lehrjahre in Linz bereits vorüber, er hatte eine internationale Karriere begonnen, die ihn zu einem der wichtigsten Repräsentanten des lyrischen Tenorfachs prägte, und er war bereits an allen großen Bühnen der Welt zu Hause."

"Halka" - Polens Nationaloper

Als Liedsänger ist es Beczala ein großes Anliegen, das Publikum mit Liedern seiner Landsleute Stanislaw Moniuszko, Karol Szymanowski und Mieczyslaw Karlowicz bekannt zu machen. Ein Herzenswunsch erfüllt sich für ihn im Dezember dieses Jahres, da wird Beczala in der Rolle des Jontek in "Halka" sein Debüt im Theater an der Wien geben. "Halka", entstanden 1858, ist Polens Nationaloper schlechthin, dem Komponisten Stanislaw Moniuszko gelang es hier, erstmals einen spezifisch polnischen Ton zu definieren.

Die vieraktige Oper hat am 15. Dezember im Theater an der Wien in polnischer Sprache ihre Premiere. Ein gewichtiger Anlass, um Piotr Beczala, seit 2012 Schweizer Staatsbürger, im "Klassik-Treffpunkt" eine Woche vorher begrüßen zu dürfen.

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