Innenstadt Karlsbad

ORF/ERNST WEBER

Voriges Jahr in Karlsbad

"Ambiente" über mondäne Bäder, heilende Quellen und rätselhafte Burgen in Tschechien.

Johann Wolfgang von Goethe, 1768: "Es gibt nur drei Städte auf der Welt, wo ich leben möchte: in Weimar, in Karlsbad und in Rom."

13 Mal besuchte der Dichter Karlsbad, wo er stets auf elitäre Gesellschaft traf. Karlsbad - Karlovy Vary - liegt im engen Tal des Flusses Teplá: Imperiale Hotels säumen das Flussufer, barocke Villen, Theater, Kurhäuser und Kolonnaden, namhafte Architekten hinterließen ihre Handschrift. In den Säulengängen der Wandelhallen sprudelt heißes Quellwasser aus marmornen Brunnen - Heilwasser, das Einheimische wie Kurgäste aus Schnabeltassen schlürfen. 80 heiße Quellen mit mineralsalzhaltigem Wasser, treten rund um Karlsbad an die Oberfläche.

Beim eleganten Müßiggang

Seit dem Mittelalter frönt man in der westböhmischen Kurstadt dem eleganten Müßiggang: Kaiser, Dichter, Politiker und andere Potentaten kurten im mondänen Karlsbad. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Kureinrichtungen verstaatlicht, sozialistische Arbeiter erholten sich in den Kurhotels. Langsam bröckelte der Putz von den Jugendstilfassaden. In den vergangenen 20 Jahren renovierte man vernachlässigte Gebäude und Badestätten, luxuriöse Spa-Anlagen hielten Einzug.

Überflüssiges Geld kann der Kurgast im Casino des legendären Grandhotel Pupp loswerden. Inder berühmten Becher’s Bar des Grandhotels ist auch mit schmalem Budget ein Cocktail leistbar. Mit etwas Glück sitzen Hollywoodgrößen wie Willem Dafoe oder Robert De Niro auf dem Barhocker nebenan - da müsste man aber während der Karlsbader Filmfestspiele kommen, die seit 1946 jeden Sommer stattfinden. Üppige Kost und edles Bier serviert man in den Kneipen und Restaurants der Kurstadt, umsonst ist das heiße Sprudelwasser in den Kolonnaden.

Kurioses und Sagenunmwobenes

Mit unberührter Natur locken die stillen Wälder des tschechischen Mittelgebirges Kaiserwald. Sehnt man sich nach Wanderungen unter Nadelbäumen nach Geschichte und Kultur, so wird man in Burgen und Schlössern fündig, etwa in der mittelalterlichen Burg Loket oder in Schloss Kynžvart: In der Kuriositätensammlung des Schlosses bewahrt man seltsame Exponate auf, wie das Gebetsbuch von Marie-Antoinette oder eine nicht zu Ende gerauchte Zigarette von Kaiser Napoleon III.

Mit einer Kriminalgeschichte konfrontiert wird man bei einer Führung durch Schloss Bečov: 1985 suchten tschechische Kriminalbeamte fieberhaft nach einem Schatz, der sich irgendwo im Land befinden sollte. Ein amerikanischer Kunstsammler interessierte sich dafür. Im Fußboden der Kapelle von Schloss Bečov stießen die Kriminalbeamten auf den goldenen Schrein des heiligen Maurus - es ist einer der größten Kunstschätze des Landes. Während der Führung weiß man nicht, ob man diesen Schatz zu Gesicht bekommen wird.

Wo Goethe einen Korb bekam

Von dieser Spannung erholt man sich am besten in Mariánské Lázně - dem romantischen Kurstädtchen Marienbad: 40 Quellen inmitten einer einzigartigen Parkarchitektur versprechen gesundes, wenn schon nicht wohlschmeckendes Trinkvergnügen. Man kann auch entspannende Bäder im heilenden Wasser genießen. Der 71-jährige Goethe jedenfalls fühlte sich nach einer Kur in Marienbad wie neu geboren. Und verliebte sich in die 17 Jahre alte Ulrike von Levetzow. Goethe bekam eine Abfuhr und kam nie wieder nach Marienbad.

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