Musiker schaut aus dem Fenster mit Gitarre

ORF/JOSEPH SCHIMMER

Kulturbetrieb im Krisenmodus

Aufgrund der verordneten Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus ist das öffentliche Kulturleben weitgehend zum Erliegen gekommen. Nach den ersten Schockmomenten ist der Kulturbetrieb gerade dabei, sich online neu zu formieren.

Litfasssäule mit Beethovenplakat

ORF/JOSEPH SCHIMMER

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Wenn Sie selbst in diesen Tagen zur Feder greifen möchten: "Wie klingt Freude?", der Kompositionsaufruf zum Beethovenjahr lässt sich prächtig von zu Hause umsetzen.
Wie klingt Freude?

Nach Italien und Spanien hat das Coronavirus am Sonntagabend auch Österreich seine ersten Balkonkonzerte beschert. Musiker hatten über Soziale Medien für 18.00 Uhr zu einem "Flashmob-Gig" aufgerufen. Stilistisch war die Bandbreite dabei groß, vom Cembalo bis zu "I am from Austria", von der "Ode an die Freude" bis zu John Lennons Friedenshymne "Imagine" und einem Kurzkonzert am Spielzeug-Xylophon.

Wiener Staatsoper spielt online

Die Wiener Staatsoper zeigt seit Sonntag, wieder jeden Abend eine Opern- oder Ballett-Vorstellung - allerdings online und nicht im Haus am Ring. Angesichts der strikten Beschränkungen im Veranstaltungsbetrieb und im Reiseverkehr öffnet das Haus am Ring seine Livestream-Archive und zeigt künftig täglich Aufzeichnungen früherer Opern- und Ballettvorstellungen - weltweit und kostenlos. "Dabei kann dieses Online-Programm mit wenigen Ausnahmen sogar dem ursprünglich geplanten Spielplan folgen", hieß es aus der Staatsoper. Nach der Registrierung auf der Website Staatsoper live ist das Abonnement bis auf weiteres kostenlos buchbar.

Museen rüsten digital nach

Auch in österreichischen Museen wird digital nachgerüstet: auf Facebook, Twitter und Instagram. So werden im Belvedere digitale Führungen angeboten. "Wir sperren die Türen zu, nicht aber das Museum", heißt es jetzt auch im Kunsthistorischen Museum. Von der Website kann man schon seit längerem die Kunstvermittlungs-App aufs Handy laden und Touren zum Thema Liebe oder Magie mitmachen oder wissenschaftlichen Vorträge beiwohnen.

Derzeit wird von den Bundesmuseen ein gemeinsamer Hashtag vorbereitet, um das bestehende Angebot leichter zugänglich zu machen.

Immer mehr international bekannte Musiker wie der Pianist Igor Levit weichen ins Netz aus.

Auch die Strottern machen Homeoffice.

Die Berliner Staatsoper Unter den Linden hingegen strich wie die anderen Theater in Deutschland ihre Proben. Der für diesen Mittwoch geplante Livestream der Premiere von Mozarts Oper "Idomeneo" unter der musikalischen Leitung von Simon Rattle müsse wegen der aktuellen Entwicklungen vorerst abgesagt werden, hieß es.

Wie das "Ö1 Morgenjournal" berichtete weichen auch die Uffizien in Florenz ins Netz aus: Eike Schmidt, Direktor der Uffizien in Florenz, griff die Idee des Geschichtenerzählens in Pest- bzw. Virenzeiten auf und entwickelte das Projekt Uffizi Decameron".

Mehr dazu in 7 Tage Ö1

Einnahmequellen sichern

Die Kulturplattform Oberösterreich (KUPF OÖ) hat sich mit der Kampagne norefundforculture an die österreichische Bevölkerung gewandt und bittet, sich bereits gekaufte Eintrittskarten für kommende Veranstaltungen nicht rückerstatten zu lassen. "Fordert das Geld nicht zurück, wenn ihr aktuell darauf verzichten könnt", hieß es in einer Presseaussendung am Sonntag.

Die Kulturplattform esel.at hat unter dem hashtag kunsttrotztcorona einen Call for Online-Events gestartet, mit dem Ziel einen Veranstaltungskalender aus Livestreams aufzubauen.

Die ORF-Radios unterstützen die heimische Kulturszene nach ihren Möglichkeiten und haben besonderes Augenmerk darauf, heimische Musiker/innen zum Zug kommen zu lassen, über die Tantiemenabrechnung ihren Beitrag zu leisten.

Forderung nach Maßnahmenpaket für Kulturschaffende

In einem offenen Brief an Bundesregierung, Landeshauptleute und die Bereichssprecher der Parlamentsparteien hat die IG Autorinnen Autoren am Sonntag ein Maßnahmenpaket für die Bereiche Kunst, Kultur und Medien gefordert.

Das angekündigte Wirtschaftshilfepaket müsse hier auch den vielen Einzelunternehmen zugutekommen, für diese gehe es "um die Erhaltung der betrieblichen und persönlichen Existenz".

"Die kulturellen und medialen Einpersonenunternehmen leben mit dem Rücken zur Wand, verlieren sie ihre Aufträge, was derzeit massenhaft der Fall ist, brechen ihnen ihre Existenzen weg", warnt der Vorsitzende der IG, Gerhard Ruiss. Im Kunst- und Kulturressort müsse umgehend ein Krisenfonds eingerichtet werden. Außerdem müsse sofort die soziale Absicherung dieser Gruppe verbessert werden, es brauche eine Reform der Regelung für Neue Selbstständige und des Künstler-Sozialversicherungsgesetzes, eine Ausweitung der Steuererleichterungen für Künstler und eine Umsetzung der EU-Urheberrechtslinie. Außerdem appelliert die IG an Länder und Bundeseinrichtungen, auf Subventionsrückforderungen zu verzichten.

Text: APA/red.

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