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Kultur verlagert sich auf das Internet

Zahlreiche Theaterhäuser und Ensembles stellen ihre Onlinearchive kostenlos zu Verfügung. Künstlerinnen und Künstler treten in den Sozialen Medien vor ihr Publikum. Ein Überblick.

In Untiefen des Alltäglichen entführt das mehrfach preisgekrönte aktionstheater ensemble. Unter dem Motto "Streamen gegen die Einsamkeit" stellt die Truppe rund um den Regisseur Martin Gruber seit Beginn der Woche alle zwei Tage ein anderes Stück der letzten Jahre online. Am Mittwoch und Donnerstag kann man sich etwa das 2015 für den Nestroy nominierte Stück "Pension Europa" anschauen. Das aktionstheater verfüge über ein beachtliches Archiv fernsehtauglicher Aufführungsmitschnitte, erklärt Martin Gruber.

"Das wurde nicht zuletzt aufgezeichnet, um es etwaigen Veranstaltern präsentieren zu können, aber auch für Schauspieler, die sich das immer wieder anschauen wollen", sagt Gruber. "Es geht bei uns ja um eine spezielle Arbeitstechnik - dass dieser Spirit der letzten Jahre rüberkommt."

Staatsoper folgt dem Spielplan

Wer schon bisher seine Veranstaltungen per Livestream übertragen hat, kann diese nun geballt zu Verfügung stellen: Das ORF RadioKulturhaus etwa wartet in den nächsten Tagen mit Live-Gigs von 5/8erl in Ehr'n oder Attwenger auf; auch große Opernhäuser wie die New Yorker Met, die Bayerische, die Berliner und die Wiener Staatsoper öffnen ihre Videoarchive. Letztere verfügt über 350 Aufnahmen seit 2013 und kann mit ihrem täglichen Streaming-Programm sogar den geplanten Spielplan einhalten. "Die Walküre", "Falstaff“ und "Tosca" stehen hier in den nächsten Tagen am Programm.

"Natürlich wünsche ich mir, dass diese Periode nicht zu lange dauert", sagt Staatsopern-Direktor Dominique Meyer. "Aber so lange wir geschlossen haben, werden wir das weitermachen."

Ein Fixtermin für Opernfreunde ist auch die Übertragung von Beethovens "Fidelio" unter der Regie von Christoph Waltz aus dem Theater an der Wien - ein Zusammenschnitt der letzten Proben für die entfallene Premiere, zu sehen am Freitag ab 22:30 Uhr auf ORF 2, und bereits ab 19 Uhr auf dem Klassikstreaming-Dienst "fidelio".

Hauskonzerte, Geschichten, literarisches Tagebuch

Zahlreiche Künstlerinnen und Künstler treten auch in den sozialen Medien vors Publikum: Der Star-Pianist Igor Levit etwa gibt auf Twitter fast jeden Tag ein kommentiertes Hauskonzert, und auch der junge Geigenvirtuose Yury Revich spielt am Mittwoch ab 18 Uhr ein Hauskonzert auf seinen Social-Media-Kanälen, mit Stücken von Bach über Paganini bis Piazzola.

Das Literaturhaus Graz startet am Freitag ein Corona-Tagebuch, in dem namhafte Autoren die derzeitige Lage reflektieren, der Wiener Kabarettist und Autor Severin Groebner erzählt auf YouTube jeden Tag eine Geschichte zum Ausnahmezustand, und sein Kollege Michael Niavarani hat aktuell vier Produktionen seines Theaters Globe Wien gratis online gestellt. "Für euch, damit das Zuhausebleiben noch fader wird, weil ihr ja das sicher schon alle gesehen habt’s", witzelt der Kabarettist in einer Facebook-Botschaft.

Die Website nachtkritik.de etwa bietet eine gute Zusammenfassung aller Kulturangebote, die jeden Tag im Netz frei zugänglich sind. Fest steht: So viele wie jetzt waren es noch nie.

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Die Strottern

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Severin Groebner
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nachkritik.de - Online-Spielplan

Van Gogh Museum, Amsterdam - Museum at home. We bring the museum to you
Museo del Prado, Madrid - Juego para familias
Kunsthistorisches Museum, Wien - Virtuelle Touren, Vorträge, Online-Sammlung, Inside Bruegel
Naturhistorisches Museum, Wien - Virtuelle Touren, Der Mond, (Alien) Star Dust
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