Arbeiten des australischen Künstlers Jonny Niesche

GALERIE ZELLER VAN ALMSICK

Digital ist besser! Die Kunst geht online

Geschlossene Galerien, Ateliers, die nicht besucht werden dürfen und unzählige internationale Kunstmessen, die abgesagt oder verschoben werden. Branchenkenner sind sich einig: Die Coronavirus-Krise wird den Kunstmarkt verändern. Auch die wichtigste Kunstmesse der Welt, die Art Basel, die kommenden Juni stattfinden soll, wird aller Voraussicht nach in den Herbst verschoben. Unterdessen präsentieren immer mehr Galerien Kunst in virtuellen Showrooms.

Er wird der Popstar unter Deutschlands Galeristen genannt und ist seit Jahren auf Instagram hochaktiv. 157.000 Follower interessieren sich für die täglichen Posts des Berliner Galerist Johann König. Eine Hausmacht, die König, der Standorte in Berlin, London und Tokio betreibt, in Zeiten des Coronavirus-Notstands zugutekommt. Früher hat sich der 38-Jährige aus Shanghai, New York, Los Angeles oder London gemeldet.

Heute sendet er aus den leeren Galerieräumen in der ehemaligen Kirche St. Agnes in Berlin Kreuzberg. König gibt sich optimistisch, die Sorge, dass der Kunstmarkt im Windschatten einer zu erwartenden Rezession einbricht, hat er nicht. Auch die Finanzkrise 2008 habe den Kunstverkauf nur marginal geschadet, erinnert Johann König.

"Vielleicht ist der Kunstmarkt danach ein anderer"

"Vielleicht ist der Kunstmarkt danach ein anderer", sagt König. "Ich finde es in gewissem Sinne toll an dieser Krise, dass man plötzlich Dinge ausprobiert, die man sich vorher nie getraut hätte." Dass in der global vernetzten Welt des internationalen Kunstmarktes kein Stein auf dem anderen bleiben wird, glauben viele Beobachter. Dieser Tage wurde der asiatische Ableger der Kunstmesse Art Basel in Hongkong abgesagt. Dass die Muttermesse, die im Juni in Basel stattfinden soll, verschoben wird, gilt als wahrscheinlich.

"Den Notstand als Neuanfang nutzen" Galerist Cornelis van Almsick

Doch Kunstmessen, die Galeristen dazu zwingen, Kunstwerke rund um den Globus zu schicken, um sie in kleinen überteuerten Kojen zu präsentieren, sind längst zu einem marktmächtigen Instrument geworden, dem sich viele Galeristen nur notgedrungen unterworden haben. "Das Beste, was uns passieren kann, ist, dass wir merken: Wir brauchen diese Messen eigentlich gar nicht!", so Johann König.

"Vielleicht wäre eine Kunstwelt ohne Messen freier. Messen bedeuten für jeden Galeristen einen großen Aufwand und verursachen unglaubliche Kosten. Künstlerische Positionen, die nicht gut verkäuflich sind, werden ausgeschlossen, weil man als Galerist Kunst zeigen muss, die die Kosten wieder einspielt. Die Messen haben es geschafft, dass man sich über sie identifiziert. Sie haben bisher abgebildet, welche Galerien relevant sind. Vielleicht verändert sich das jetzt."

Eine Krise der Mobilität

Seitdem der Kunstmarktboom der Nullerjahre, die Preise für zeitgenössische Kunst in bis dahin ungeahnte Höhen getrieben hat, sind neben den alt ehrwürdigen Kunstmessen in Basel oder Köln immer mehr Kunstmessen wie Pilze aus dem Boden geschossen. "Heute erleben wir eine Krise der Mobilität", sagt der Wiener Galerist Cornelis van Almsick: "Das Virus kann sich so rasant ausbreiten, weil sich in unseren Gesellschaften eine globale Mobilität etabliert hat, die unser Privat- und Berufsleben prägt. In Bezug auf Kunstmessen hat diese Krise einschneidende Auswirkungen. Tatsächlich muss man hinterfragen, ob es sinnvoll ist, wenn ich als Wiener Galerist nach New York fahre, oder nach Shanghai, um meine Kunst zu verkaufen, die verschifft werden muss und Transportwege von tausenden Kilometern zurücklegt."

Nach der Coronavirus-Krise könnte der Messemarkt wieder deutlich ausdünnen. Nicht zuletzt deshalb, weil der so genannte Co2-Fußabdruck des internationalen Kunst-Jet-Sets, bestehend aus Großgaleristen, kaufkräftigen Sammlerinnen und Kuratorinnen, wohl katastrophal ist.

Kunst und Cocooning

Die Krise sieht der Galerist Cornelis van Almsick auch als Chance: "Man muss den Notstand als Neuanfang nutzen. Momentan sitzen viele Leute in ihren Wohnungen und starren womöglich auf ihre weißen Wände und überlegen sich, welches Kunstwerk sie vielleicht gerne kaufen möchten." Cocooning ist also angesagt, der Rückzug ins Private. Wer zu Hause bleibt, hat Zeit, sich verstärkt mit Kunst zu beschäftigen, auch wenn dieser Kunstgenuss vorerst auf den virtuellen Raum beschränkt bleibt.

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