MAK, Ansicht Stubenring

MAK/GERALD ZUGMANN

Museen am digitalen Wendepunkt

Viele der Kunstwerke, die weltweit online präsentiert werden, wurden im Zuge der Initiative Google Arts & Culture digitalisiert. In Wien war das Kunsthistorische Museum (KHM) eines der ersten Museen, die mit Google zusammengearbeitet haben. Seit Kurzem ist auch das MAK dabei.

Zum Start bietet es Einblick in verschiedenste Bereiche seiner umfassenden Sammlung. Hochauflösende Scans mit der Art Kamera lassen unter anderem das "Hamzanama" hautnah erleben. Dieses Heldenepos, entstanden um 1570 im heutigen Indien, zählt zu den Hauptwerken der Malerei der islamischen Welt. Von den ursprünglich 1.400 Blättern sind heute noch 200 in verschiedenen Sammlungen weltweit erhalten.

Das MAK besitzt mit 60 Blättern das größte Konvolut. Neben der visuellen Präsentation der MAK-Sammlungshighlights werden zahlreiche vertiefende und weiterführende Detailinformationen geboten. Aber auch unabhängig von Google wird derzeit in allen Museen der Onlineauftritt kreativ ausgeweitet.

"Nach Corona werden die Museen nicht mehr so sein wie davor." Sabine Haag

Innovative Spiele präsentiert das MAK seit ein paar Tagen als "Games for Change" auf seiner Homepage. Es geht um Zukunftsfragen wie Klimawandel, Plastik, Artensterben oder Kreislaufwirtschaft. In dem Spiel "world wide wonderland" zum Beispiel geht es darum, wie man sich gegen digitale Kontrolle zur Wehr setzen kann. Ein anderes Spiel ist so etwas wie eine Schnitzeljagd für die Lösung von Zukunftsaufgaben.

Museen arbeiten weltweit gerade bei geschlossenen Türen sehr kreativ an ihrer Onlinepräsenz. Sabine Haag, die Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museums sagt: "Nach Corona werden die Museen nicht mehr so sein wie davor."

Fünfmal mehr Online- wie reale Besuche

Max Hollein, Direktor des Metropolitan Museums in New York, dem größten Museum Amerikas, hat schon ab 2006 in seiner Zeit als Städeldirektor in Frankfurt am Main mit Onlineangeboten experimentiert. Heute zählt er im Metropolitan Museum 7 Mio. Besucher und Besucherinnen jährlich, und 35 Mio. Menschen erreicht er online.

"Eine der großen Veränderungen, die wir in der Zeit nach der Coronakrise erleben werden: Wir werden nicht nur unser digitales Angebot erweitert haben, weil es derzeit unsere einzige Kommunikationsplattform ist; auch unser Publikum wird gelernt haben, mit diesen Angeboten umzugehen und sie als Teil des Museums zu begreifen."

Auch für entlegene Weltgegenden

Max Hollein sagt, gerade ein Museum wie das Metropolitan, in dem viele Sammlungen aus anderen Kulturen aufbewahrt werden, trüge die Verantwortung dafür, dass die Objekte nicht nur weltweit für die kunsthistorische Forschung aufbereitet würden, sondern auch in den Ursprungsländern zugänglich seien.

"Es gehört es zu den zentralen Aufgaben eines Museums von heute, Inhalte über digitale Plattformen an ein breites Publikum heranzubringen. Ein enzyklopädisches Museum, das die Welt darstellt, muss auch in der Welt stattfinden können."

Google Arts & Culture vs. Europeana?

Google war mit Google Arts & Culture nicht das erste Unternehmen, das Museumsbestände weltweit digitalisierte, aber es war das finanzkräftigste. Google Arts & Culture ging 2011 online, aber bereits 2005 wurde von mehreren großen Staaten Europas die europäische Plattform Europeana gegründet, die sich zum Ziel setzte, eine virtuelle europäische Bibliothek aufzubauen, die das kulturelle Erbe Europas in digitaler Form für jedermann zugänglich machen sollte.

Kritische Stimmen meinten immer wieder, dass durch die Digitalisierung europäischer Kunstschätze durch Google und die entsprechenden Nutzungsbedingungen eine gewissen Abhängigkeit entstehen könnte. Wie es heißt, beabsichtigt die jetzige Regierung Österreichs wieder, Europeana zu stärken. Bereits jetzt ist die Österreichische Nationalbibliothek mit den von Google digitalisierten Büchern einer der größten Content Lieferanten für Europeana.

Sabine Haag, die anfangs auch mit Google zusammengearbeitet hat, meint, Google hätte damals über technische und finanzielle Möglichkeiten verfügt, die die europäischen Museen noch nicht gehabt hätten: "Wenn man sich jetzt das Angebot anschaut, das sich in der Zwischenzeit auf diesem Sektor entwickelt hat, so haben die Museen jetzt schon aus eigenen Ressourcen und eigener Expertise viel Kreatives hervorgebracht. Ich will nicht Google gegen Europeana ausspielen."

Angebote heimischer Museen

Tatsächlich ist die Kreativität der österreichischen Museen beeindruckend. So hat etwa das Kunsthistorische Museum einen Podcast in Zusammenarbeit mit Ö1 produziert. Hier werden Geschichten rund um Kunstwerke erzählt. Sabine Haag: "Wir haben Literaten unterschiedlichster Kategorien eingeladen - sehr renommierte, aber auch eine Bloggerin, die wahrscheinlich eher die junge Generation anspricht. Eine Videokünstlerin hat dazu Videos gemacht."

Auch das Kunst Haus Wien präsentiert seit wenigen Tage n ein neues Format auf seiner Homepage. Unter #KunstdesZuhausbleibens gibt es eine Foto-Challange: Das Publikum wird aufgefordert, künstlerische Fotos aus den eigenen vier Wänden zu präsentieren. Einmal pro Woche wird das Wochenhighlight gekürt - zu gewinnen gibt es eine Jahreskarte fürs Kunst Haus Wien. Denn wie bei allen Museen dient die Onlinepräsenz dazu, mit dem Publikum in der Krise in Kontakt zu bleiben. Es aber zu gegebener Zeit dann auch wieder ins Museum zu locken.

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Europeana
MAK- Games for Change
KHM - Ö1 Podcast
Kunst Haus Wien
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