Carlo Benedetto Cimento

TARO MORIKAWA

Carlo Benedetto Cimento, Dirigent

Geboren wurde Carlo Benedetto Cimento 1990 in Bologna, in Wien absolvierte er zunächst ein Orgel-Studium und betätigte sich auch als Komponist. Heute widmet er sich hauptsächlich dem Dirigieren.

Was ist Kunst?

Kunst ist für mich die schönste Erfüllung des seelischen und geistigen Bedarfs eines Menschen.

Wie sind Sie zur Kunst gekommen?

Durch meinen Vater. Er ist ein Arzt. Und sein größter Traum war Musiker zu werden. Er wuchs in einer kleinen Ortschaft in sehr ärmlichen Verhältnissen auf. Damals ging es nur um Eines: arbeiten, und das so früh wie möglich. Die Kunst war zu dem Zeitpunkt nicht die richtige Entscheidung, doch die Liebe zur Musik, die ich von ihm geerbt habe, ist trotz allem in seinem Herzen geblieben. Eine der schönsten Erinnerungen aus meiner Kindheit war, ihn beim Dirigieren unseres Kirchenchores zu sehen. Bei den Proben stand ich oft daneben und imitierte ihn… zur großen Freude des Chores.

Kommt Kunst von können, müssen oder wollen?

Schönberg spricht von „müssen“, ich war lange auch dieser Meinung. Aber inzwischen kommt die Kunst für mich einfach vom „sein“.

Wo würden Sie am liebsten auftreten?

In Italien. In einem der historischen Theater oder einer der schönsten Kirchen meiner Heimat.

Mit wem würden Sie gerne zusammenarbeiten?

Natürlich mit den besten Orchestern der Welt.

Wie viel Markt verträgt die Kunst? Und wie viel Kunst verträgt der Markt?

Ich kann die zwei Fragen in Einem beantworten. Die Kunst ist auch Kommunikation: mit uns selbst und mit anderen Menschen. Der Markt als Potenzierung dieser physiologischen Notwendigkeit war und ist fundamental. Das Problem entsteht, wenn die künstlerische Botschaft von Marketingstrategien ersetzt wird. Die Kunst, und besonders die Musik mit ihrer technisch relativ einfachen Reproduzierbarkeit (YouTube, Spotify etc.) kann nun immer breitere Massen erreichen. Um mehr Menschen zu gewinnen, werden oft Mittel verwendet, die selten mit der wahren Kunst zu tun haben. Beim Dirigieren ist dieses Problem besonders stark - wir können leider leicht schummeln. Wie man so schön sagt: Ein Dirigent spielt nie einen falschen Ton.

Wofür würden Sie Ihr letztes Geld ausgeben?

Für ein Zugticket nach Hause. Es ist sogar keine ferne Hypothese; es ist mir schon oft passiert. So ziemlich nach jedem Semesterende.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Mein Leben wie auch meine Prioritäten transformieren sich ständig. Was ich mir für die Zukunft wünsche ist - dort zu sein, wo ich genau in diesem Moment hinwollen würde.

Haben Sie einen Plan B?

Musik ist bereits mein Plan B. Mein Plan A war: nichts zu tun, zu lesen, zu essen und das Leben zu genießen. Die Liebe für die Musik hat mich aber verwirrt…

Wann und wo sind Sie das letzte Mal unangenehm aufgefallen?

Vor fast einem Monat. An dem Tag, als ich von Ihrer Talentebörse kontaktiert wurde, begleitete ich zum ersten Mal am Klavier ein Vorsingen am Theater Kiel. An diesem Tag habe ich meinen recht hohen Erwartungen nicht entsprochen. Zwar war es für das erste Mal nicht schlecht, doch die Tatsache, dass ich genau an demselben Tag so einen wichtigen Preis bekommen habe, hat mich nachdenken lassen. Wir sind nie gut genug vorbereitet. Um das zu spüren, reicht es manchmal einfach einen schlechten Tag zu haben. Doch glücklicherweise können wir immer aus solchen Momenten lernen.

Wollen Sie die Welt verändern?

Nicht allein. So etwas ist nur gemeinsam zu schaffen.