Roboter

APA/AFP/PHILIP FONG

Versuche, mit Maschinen ins Gespräch zu kommen

Ein wachsendes Heer von digitalen Assistenten wie Alexa und Siri machen sich für uns nützlich. Hightech-Giganten investieren viel Geld in das nächste Giga-Geschäft. Weltweit treten Forscherteams gegeneinander an, auf der Suche nach dem besten "social bot".

Es geht um nichts Geringeres als ein gelungenes Gespräch zwischen Mensch und Maschine. Der Bot, der sich 20 Minuten lang sinnvoll mit einem Menschen unterhalten kann, gewinnt sogar einen Preis. Bislang hat das noch kein Sprachassistent geschafft.

Abertausende Zeilen Computercode

Gewiss, sie sind faszinierend, all diese Maschinen, die jetzt mit und sprechen, sich nach unseren Wünschen und unserem werten Befinden erkundigen. So aufmerksam, interessiert und unermüdlich, wie wir es von den Mitmenschen kaum noch kennen. Auch, weil die ja vollauf damit beschäftigt sind, mit ihren Maschinen zu kommunizieren. Aber das ist eine andere Baustelle.

Was auf den zweiten Blick beeindruckt, wenn man sich mit sprechenden Geräten beschäftigt: wie enorm schwierig es ist, sie zum Sprechen zu bringen. Hochkarätige Forschungsteams verbringen Jahre damit, einem digitalen Assistenten, "social bot" oder Roboter eine halbe Handvoll vernünftiger Sätze einzuhauchen. Bei meinen Recherchen durfte ich Wissenschafter/innen dabei zuschauen, wie sie sich durch Abertausende Zeilen Computercode quälten, die ständig analysiert, verworfen und neu geschrieben werden müssen.

Sprachassistenten und Big Data

Im Datenmissbrauch liege die eigentliche Gefahr - nicht in der Weltherrschaft der Maschinen sagt Verena Rieser, Professorin für künstliche Intelligenz an der Harriot-Watt Universität in Edinburgh

George Larionov, Leiter des Alexa-Preis-Teams Tartan: "Alexa, erzähl mir einen Witz."

Alexa: "Klar. Die Stewardess sagt: „Entschuldigen Sie die Verspätung. Da war ein Turbinengeräusch, das dem Piloten nicht gefiel. Wir haben jetzt einen neuen Piloten und werden sofort starten."

Tom Schimmek

Man vergisst das leicht, wenn man diesen angenehmen Stimmen lauscht, in die niedlichen Gesichter der humanoiden Roboter schaut: Dahinter steckt harte Menschenarbeit. Sehr viele Forscher schuften dafür, dass unser wachsender Maschinenpark sich uns nützlich machen, unsere Stimme erkennen, Fragen verstehen, Stimmungen deuten und uns Verständnis und Empathie vorgaukeln kann. In wenigen Jahren, behaupten Marktforscher/innen, wird die Zahl der digitalen Helferlein die der Menschen auf der Erde übersteigen. Und sie bleiben doch Code.

Da wird immer ein großer Abstand bleiben.

Das sagt Alex Rudnicky vom Language Technologies Institute der Carnegie Mellon University. Er hat ein halbes Forscherleben damit verbracht, an allen Stadien dieses Fortschritts mitzuarbeiten: Von der Spracherkennung zum Dialog zur Konversation. Wobei ich manchmal den Eindruck hatte, dass er sich mit seinen Computern besser versteht als mit Menschen. Wie kaum ein zweiter bedient Rudnicky das Klischee des entrückten Professors. Man kann sich vorstellen, dass er es sich zu vorgerückter Stunde auf seiner Festplatte gemütlich macht.

Nerds und Realos

Was mich gefreut hat: Wie unterschiedlich die Forscher sind, ihr Antrieb, ihre Sicht der Welt. So verschieden, wie Menschen eben sind. Da gibt es die Hightech-Enthusiasten, die es gar nicht erwarten können, dass wir verschmelzen mit einer exponentiell wachsenden künstlichen Intelligenz. Die uns prophezeien, dass wir bald unser gesamtes Sein und Bewusstsein auf irgendeinen Megaspeicher hochladen und alsdann unsterblich werden.

Oder so herrlich geerdete Menschen wie Verena Rieser, Professorin für künstliche Intelligenz an der Harriot-Watt Universität in Edinburgh. Die Linguistin tüftelt mit ihrem Team an immer neuen, faszinierenden Methoden, Rechnern das Sprechen und Verstehen beizubringen. Doch Rieser hat dabei auch die Gefahren im Blick, die durch das massenhafte Belauschen und Speichern entstehen: die Interessen und Begehrlichkeiten, die etwa Geheimdienste und große Konzerne hier entwickeln.

Sie warnt vor einem großen Missverständnis: Es wird uns gelingen, künstliche Intelligenz immer raffinierter und menschenähnlicher zu machen, erklärte sie mir in einem langen Gespräch. "Aber da ist keine Empfindung dran, es ist einfach nur eine mathematische Formulierung, die optimiert wird. Da ist kein Wunsch dahinter." Maschine bleibt Maschine, sagt Verena Rieser: "Sie lächelt nicht, sie freut sich nicht. Da ist keine Emotion dahinter, da ist keine Neugier dahinter, da ist kein getriebener Willen, also nichts Faustisches."

Text: Tom Schimmeck