Nokia Handys in der Produktion.

AFP/PATRICK HERTZOG

25 Jahre Matrix

Am 7. Mai 1995 ist zum ersten Mal "matrix - Computer und neue Medien" als frisches Netzkulturmagazin in Ö1 zu hören. "Digitale Wirklichkeiten" klingt zu diesem Zeitpunkt noch wie ein Begriff aus der fernen Zukunft. Ein Rückblick auf die Anfänge der Digitalisierung - und wie wir damals darüber nachdachten.

1995 surfte man noch im Netz. Gerade 16 Millionen User weltweit waren auf den Information Highway aufgefahren. Cyberspace und Programmiersprachen als Religion ist in den 1990er Jahren Thema, genauso wie der Datendandy.

In einer der ersten Matrix-Sendungen denkt ein Userinterface-Designer zum Beispiel über das Verschwinden von klotzigen Computerbildschirmen am Schreibtisch nach, andere Experten gehen der Frage nach, wie Software bei der Gesprächstherapie helfen kann.

Skepsis ist bei Wolfgang Ritschl im Jahr 1995 hörbar, als er sich erstmals mit Internettelefonie beschäftigt.

Es dauert noch 15 Jahre, bis Videotelefonie gesellschaftsfähig wird. Im Jahr 2010 kommt das iPhone 4 auf den Markt, erstmals mit Videotelefonie-Funktion.

Für Mischa Zickler war das Internettelefon schon 1996 die nächste „Killer-Applikation“.

Wie sahen wir 1995 die digitale Welt?

1995 ist das WWW noch sehr frisch. Dass die BürgerInnen nun leichter als früher zurückreden können, spricht sich auch in der Politik herum. Die Parteien experimentieren zögerlich mit dem neuen Medium. In seiner ersten Sendung hat sich Matrix vor allem dem Internet als politischem Instrument gewidmet.

In dieser Collage der ersten Beitrags von "matrix - Computer und neue Medien" am 7. Mai 1995 hören sie wie man vor 25 Jahren über Politik und Netz dachte. Politiker wie Experten sind allesamt männlich - Sie hören u.a. Peter Pilz, Bernhard Görg, Michael Vesely, Kurt Einzinger und Armin Thurnher samt dem Moderator Mischa Zickler.

Grüner Screen auf der Ars Electronica 2003

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Das Netz - dezentral und frei?

Das Internet als dezentrales Instrument für mehr Freiheit und mehr Demokratie - das haben sich viele Nutzerinnen und Nutzer 1995 noch erhofft. In den 1990er Jahren wurde eine Art "Netz-PC" angekündigt, aber der Traum war nur kurz - Nutzer sollten ihren Rechner wieder abgeben und zum einfachen Terminal zurückkehren. Die digitalen Aktivitäten sollten zentral organisiert werden.

Heute kennt man den Begriff „Netz-PC“ nicht mehr. Damals wurde diese Entwicklung als gezielte Maßnahme der europäischen und japanischen Computerindustrie angekündigt, um die Vormachtstellung von Intel und Microsoft zu brechen. Mit wenig Erfolg. Jetzt spricht man über Amazons geniale Geschäftsidee aus den 2000er Jahren und Cloud Computing.

Das Smartphone - vom Ziegelstein zum verlängerten Arm

In den 1990er Jahren haben wir das Gerät gerne als Ziegelstein bezeichnet, heute baumelt es stets griffbereit an trendigen Bändern um den Hals. Noch zu groß und zu schwer dafür waren die Nokia-Modelle 3210 und 3310, die zur Jahrtausendwende auf den Markt kamen - die beliebtesten und kommerziell erfolgreichsten Handys der Nullerjahre hatten keine Antenne mehr und wirkten unzerstörbar. 2002 hat Matrix schon die geschlechterspezifische Handy-Nutzung thematisiert und auch das „Handyphonieren“.

Ina Zwerger darüber wie Frauen mit der "Mobilfunkkommunikation" umgehen.

Auch die 2010 in Matrix geäußerte Touchscreen-Skepsis von Technikfreaks und Usability-Experten hat sich mittlerweile gelegt. Heute tippen, swipen, googeln, zahlen, whatsappen, instagrammen, vermessen, tracken, organisieren, mobilisieren wir – und das alles mit unseren Fingern auf dem Smartphone-Display.

Das Smartphone ist zu unserem verlängerten Arm geworden, und wir berichten aktuell in Matrix über Smartphone-Sucht, wie das Schreiben am Mobiltelefon die Sprache verändert, Smartphone-Freiheit und handyfreie Zonen.

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