Zen-Garten in Japan

AP/TAKUYA YOSHINO

Paradiesgärten in den Religionen

Seit jeher sind sie Sehnsuchtsorte: Paradiesische Gärten als Inbegriff des vollen, glückseligen Lebens existieren in vielen religiösen Traditionen - vom Avalon ("Apfelgarten" oder "Apfelinsel") der Kelten, über den Garten der Hesperiden der Griechen bis hin zum paradiesischen "Reinen Land" des Amitabha-Buddhismus.

Hierzulande am bekanntesten ist wohl der "Garten Eden". Er wurde in der griechischen Übersetzung des Tanach (der Hebräischen Bibel, die in etwa dem sogenannten Alten Testament entspricht), paradeisos genannt, Paradies.

Wo dieser Garten liegen soll, darüber ranken sich die abenteuerlichsten Theorien. Denn die Schriften enthalten ja nur noch Erinnerungen an diesen Ort und diesen Zustand, wurde der Mensch der Überlieferung nach doch daraus vertrieben.

"Garten der Wonne", "Ort der Seligen"

Eden ist einer der wirkmächtigsten Gärten der Religionsgeschichte - beschrieben wird er im ersten Buch Mose. In diese Paradieserzählung sei vieles eingebettet, schildert Astrid Mattes, Religionswissenschafterin an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften: „Die Kosmisierung also die Ordnung der Welt, die Frage der Kontingenzbewältigung, wie der Mensch mit Leid umgehen kann, warum er sterben muss. Außerdem werden auch moralische Standards etabliert, wie der Mensch handeln soll, was er nicht tun soll, etc. Und auch eine soziale Ordnung wird hergestellt, die Geschlechterbeziehungen, die Familienbeziehungen werden benannt.“

Der Begriff Paradies stammt aus dem Altiranischen, bedeutet Eingrenzung oder Umwallung und steht für Wildgärten oder Obstbaumgärten. Später wird "Paradies" auch im Aramäischen, Hebräischen oder Griechischen verwendet. In der Urgeschichte der Genesis ist vom Paradies noch keine Rede, da kommt nur das hebräische Wort gan („Garten“) vor, sagt Astrid Mattes: „Erst in der griechischen Übersetzung der hebräisch-aramäischen Bibel, der Septuaginta, kommt der Begriff Paradies hinein.“

Granatapfel

AP/RAFIQ MAQBOOL

„Granatäpfel, Weintrauben, Feigen, Bäche, wo Milch und Honig fließen sowie Wein, der nicht trunken macht.“

Auch im Koran wird die Paradies-Vorstellung aufgegriffen und farbenfroh geschildert:
„Es gibt umfassende Erzählungen, was es dort alles gibt, welche Genüsse, welche Reichtümer, welche Schönheit. Diejenigen, die ins Paradies kommen, dürfen dort in Freude leben. Es gibt Erzählungen von Granatäpfeln, Weintrauben, Feigen, von Bächen, wo Milch und Honig fließen sowie Wein, der nicht trunken macht. Wie in den meisten Paradies-Vorstellungen ist auch das islamische Paradies eingegrenzt, da gibt es einen Wall des Feuers zwischen den Leuten des Paradieses und den Leuten der Hölle, also zwischen Guten und Bösen.“

Paradiesgärten, heilsame Gegenorte zur immanenten Welt, finden sich in religiösen Traditionen häufig. In antiken Vorstellungen gibt es – ähnlich dem Garten Eden - häufig die Idee eines Gartens, der auch der Ursprungsort des Menschengeschlechts ist. „Diese Ursprungs- oder Gegenorte nehmen oft aber andere Formen an, manchmal sind sie eine Insel wie bei Avalon oder Elysium, manchmal sind es Länder im Osten oder im Westen. Das sind aber alles Ausprägungen eines ähnlichen Motivs“, so Mattes.

"Im reinen Land Sukhavati sitzt Buddha Amitabha in dessen Mitte auf einer Lotus-Blüte."

Buddha-Statue

AP/TARA GODVIN

In buddhistischen Strömungen gibt es ebenfalls Schilderungen von paradiesischen Gärten und Ländern. Wenn Buddhas erleuchtet werden, so die Vorstellung, manifestieren sie um sich ein sogenanntes "reines Land". Ein Land ohne Leid und Unglück. So soll auch das reine Land des Buddha Amitabha aussehen, der im Buddhismus Chinas und Japans eine große Rolle spielt.

„Der Buddha Amitabha schafft das Land Sukhavati, das den Menschen eine Möglichkeit bietet, besonders leicht eine bessere Wiedergeburt zu erreichen. Das Land Sukhavati ist ein paradiesisches Land, Buddha Amitabha sitzt in dessen Mitte auf einer Lotus-Blüte. Die Menschen halten sich rund um ihn auf – mit dem Ziel mit den nächsten Reinkarnationen aus dem Kreislauf der Wiedergeburten („Samsara“) aussteigen zu können.“

Im Zen-Buddhismus sind speziell angelegte Gärten Orte der Meditation und Kontemplation. Das Arbeiten im Zen-Garten ist Teil einer religiösen Praxis. Die Anordnung der Steine ist speziell und wichtig. Das Rechen des Kieses symbolisiert fließendes Wasser, das in diesen Gärten oft fehlt. Die Pflege des Gartens ist Teil der Bemühungen zur Erleuchtung durch Meditation zu kommen.

"Paradiesgärten sind immer Orte der Fülle und Überfülle und stehen für die Idee eines kosmischen Friedens."

Orchidee

AP/PAT CARTER

Paradiesgärten haben in unterschiedlichen Religionen unterschiedliche Facetten, erklärt die Religionswissenschafterin: „Häufig ist die Facette des Genusses, Paradiesgärten sind immer Orte der Fülle und Überfülle, wo Friede und friedvolles Genießen möglich ist. Außerdem stehen sie für die Idee eines kosmischen Friedens als Konterpunkt zu einer defizitär erlebten, realen Welt. Damit hängt ja auch zusammen, dass ein Garten ja als sicherer Ort gilt, nicht zuletzt auch was die Ernährungssicherheit anbelangt.“

Und darüber hinaus stehen Gärten auch immer für Regeneration und Vitalität, für Wohlstand, Wachstum und für positive Kräfte, die wirken. Der Mensch hat in diesen Paradiesen je nach religiöser Tradition unterschiedliche Rollen oder Funktionen. Manchmal soll er sie hüten und pflegen, manchmal auch einfach nur genießen. Die jüdisch-christliche Erzählung handelt eher von einem für den Menschen verlorenen Paradies - das höchstens nach dem Tod wieder erlebt werden kann.

Die Erinnerung, die Ahnung von Eden bleibt. Und seit Jahrhunderten versuchen Menschen diese himmlischen Paradiese auf die eine oder andere Weise irdisch, in ihrem eigenen Garten, zu verwirklichen.

Gestaltung