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Hari Kunzru, "Götter ohne Menschen"

Hari Kunzrus Roman "Götter ohne Menschen" ist das Ö1 Buch des Monats Juni.

Ex libris | 31 05 2020 | Rezension von Antonia Löffler

Jaz arbeitet als Mathematiker an der Wall Street. Sein vierjähriger Sohn Raj ist Autist. Die Ehe mit seiner Frau Lisa ist seit der Geburt stark strapaziert. Die beiden wollen sich bei einem Urlaub wieder annähern und fahren in die Mojave-Wüste. Hier gibt es nicht nur Ufo-Forscher und Drogendealer, sondern auch einen Nationalpark mit beeindruckenden Felsformationen. Als sie bei einem Ausflug Halt machen, ist ihr kleiner Sohn plötzlich verschwunden. Was Entspannung bringen sollte, wird zum Albtraum und zur Glaubensprüfung. Die Katastrophe, die über die Familie hereinbricht, macht Unterschiede sichtbar, von denen Jaz und Lisa - die jüdische Amerikanerin und der Sohn indischer Einwanderer - dachten, dass sie in ihrer modernen Ehe gar keinen Platz haben.

Der diffuse Wunsch der Menschen, an etwas da draußen zu glauben - egal ob es eine außerirdische Macht, Magie oder Religion ist - das ist es, was Hari Kunzru ohne Abschweifung ins Esoterische in seinem Roman beschreibt.

Am Ende ist nur eine Erkenntnis sicher: Die Suche nach dem, woran wir glauben wollen, geht meistens auf Kosten der Wahrheit eines anderen. Oder, wie es bei den Ureinwohnern der Mojave-Wüste heißt: "Von jeder Indianergeschichte gab es immer zwei Versionen." Die weiße Version - und dann noch die andere.

Service

Hari Kunzru, "Götter ohne Menschen", Roman, Übersetzung: Nicolai von Schweder-Schreiner, Liebeskind Verlag, 416 Seiten

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