Sessel

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Eine Art Anti-Talk

"dimensionen.diskussionen" - das neue Gesprächsformat in den "Dimensionen".

Es ist ein paar Jahre her, da moderierte ich eine Radiodiskussion zwischen zwei Mathematikern. Deren Disziplin besteht im Wesentlichen aus Sätzen, die entweder wahr oder falsch sind, und sofern man Gödels Unvollständigkeitssatz ignoriert, lässt sich das auch lückenlos beweisen.

"Die fruchtbarste und natürlichste Übung unseres Geistes sind Gespräch und Diskussion."
Michel de Montaigne

Wahr oder falsch - und nichts dazwischen. Dramaturgisch erschwerte Bedingungen für einen unterhaltsamen Austausch von Argumenten. Und dennoch entwickelte sich zwischen den beiden Diskutanten ein leidenschaftlicher Disput, wie ich ihn später zwischen Wissenschaftlern selten erlebt habe. Entzündet hat er sich an der philosophisch grundierten Streitfrage, wie die Mathematik mit dem Unendlichen umgehen soll?

Streit ums Unendliche

Rudolf Taschner versus Martin Goldstern: zwei Mathematiker im Disput über das Unendliche.

Existiert das Unendliche nur als Idee (Aristoteles; Taschner) oder kann man es formallogisch wie ein Objekt behandeln, das tatsächlich in dieser Welt vorkommt (Georg Cantor; Goldstern)? Dass die Hörerschaft den beiden Studiogästen dabei in die hintersten Winkel der Mengenlehre und transfiniten Mathematik folgen konnte, möchte ich erst gar nicht behaupten. So groß ist mein Vertrauen in die positive Kraft der journalistischen Popularisierung auch wieder nicht.

Der Zweck der Übung war und ist auch ein anderer: Die Wiederbelebung des agonalen Prinzips von Rede und Gegenrede in seiner radiophonen Form. Und wenn jemand dabei mitbekommt, warum es – mathematisch beweisbar - mehr Dezimalzahlen als natürliche Zahlen gibt, wo doch beide Zahlenmengen unendlich sind, dann umso besser.

Streit ums Unendliche

Rudolf Taschner versus Martin Goldstern: zwei Mathematiker im Disput über das Unendliche.

Michel de Montaignes, der französische Philosoph und zeitlose Ratgeber für alle Lebenslagen, hat es in einem seiner Essais so formuliert: „Die fruchtbarste und natürlichste Übung unseres Geistes sind nach meiner Meinung Gespräch und Diskussion.“ Beides gibt es seit Mai in den „Dimensionen“ regelmäßig, donnerstags wird da nun miteinander gesprochen und diskutiert. Der klassische Wissenschaftsdisput (wie zwischen den beiden Mathematikern) soll dabei nur eine Spielart sein. Wir wollen auch den interdisziplinären Dialog anregen und den Gedankenaustausch zwischen Kunst und Wissenschaft.

Was alle diese Formen des Sprechens in den "Dimensionen" verbinden könnte, wäre eine nicht dahinplaudernde Tonlage zwischen gut informierten Fragesteller/innen und Antwortgeber/innen, die Relevantes zu sagen oder Ungewöhnliches zu erzählen haben - eine Art Anti-Talk im kommunikativen Dauergetöse des gehobenen Sprechboulevards. Ein präzises Gegensignal der Aufklärung zum chaotisch-hysterischen Stimmengewirr und narzisstischen Gesinnungssenf in den digitalen Echokammern der sogenannten Sozialen Medien. Es klingt paradox für eine Gesprächsreihe, aber vielleicht könnte auch noch das ein Mehrwert sein: zuhören, zunächst.

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In der heutigen vierten Ausgabe von „dimensionen.diskussionen“ sprechen wir über „Kinder im Corona-Modus“. Wie ist es ihnen in den letzten drei Monaten ergangen – und wie kann oder sollte sich die Gesellschaft auf den Herbst vorbereiten? Drei Monate nach Beginn der Kindergarten- und Schulschließungen und gut ein Monat nach der teilweisen Wiederöffnung ziehen zwei Experten eine Zwischenbilanz: Der Public-Health-Experte der Medizinischen Universität Graz Martin Sprenger und die Kinderpsychologin und Geschäftsführerin der Österreichischen Kinderliga Caroline Culen.

Gestaltung

  • Armin Stadler