Pilger um die Kaaba

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Mekka

"Tao" über den Nabel der islamischen Welt.

Die "Ehrwürdige" wird sie genannt, die wohl wichtigste Stadt des Islam. Circa zwei Millionen Menschen haben das saudi-arabische Mekka zuletzt jährlich - im Zuge der Pilgerfahrt Hadsch - besucht. Diese Pilgerfahrt gehört neben dem Glaubensbekenntnis, dem Pflichtgebet, der Almosengabe und dem Fasten im Ramadan zu den fünf Säulen des Islam. Alle gläubigen Muslime, sofern physisch und finanziell dazu in der Lage, sollten einmal im Leben nach Mekka pilgern und dort siebenmal die Kaaba umrunden.

Sollte einem das aber Zeit seines Lebens nicht möglich sein, könnte man die Erfüllung dieser Pflicht auch an einen Glaubensbruder oder eine Glaubensschwester "delegieren". Die Pilgerfahrt findet alljährlich im letzten Monat des islamischen Mondkalenders statt. Ihr Ende ist zugleich ihr Höhepunkt: das viertägige Opferfest, das höchste Fest des Islam.

Kaaba im Zentrum Mekkas

Die Kaaba im Zentrum Mekkas

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Faszinosum und Heiligtum

Die Kaaba ist das Zentrum Mekkas - ein dunkles, quaderförmiges Gebäude im Innenhof der sogenannten Heiligen Moschee und als "Haus Gottes" das zentrale Heiligtum des Islam. An der östlichen Ecke ist der sogenannte Schwarze Stein angebracht. Von hier aus beginnt das rituelle Umrunden der Kaaba. Nach der Pilgerfahrt ist man gemäß islamischer Lehre frei von Sünde, man ist gewissermaßen "neu geboren".

Ein Faszinosum und Heiligtum war der Ort schon für arabische Stämme in vorislamischer Zeit. Verschiedene Götter und Göttinnen wurden dort verehrt, es existierte eine eigene Priesterschaft. Der Schwarze Stein war ursprünglich ein paganes Kultobjekt; woher er stammt und wie er beschaff en ist, ist wissenschaftlich nicht geklärt. Vermutet wird, dass es sich um den Rest eines Meteoriten handelt. Islamischen Überlieferungen zufolge erhielt der erste Mensch, Adam, den ursprünglich weißen Stein, nachdem er aus dem Paradies verbannt worden war, um Vergebung zu erhalten.

Die Kaaba im Innenhof der Heiligen Moschee in Mekka.

Die Kaaba im Innenhof der Heiligen Moschee in Mekka, April 2020.

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Schwarz durch die Sünde

Der Stein soll mit der Zeit schwarz geworden sein, weil er der Vorstellung nach die Sünden der Pilger beim rituellen Berühren aufnimmt. Stammvater Abraham und sein Sohn Ismael sollen die Kaaba später, nachdem sie von der Sintflut zerstört worden war, wieder aufgebaut haben. In Sure 2, Vers 127 heißt es dazu: "Abraham und Ismael legten den Grundstein des Heiligen Hauses und beteten: ‚Unser Herr, nimm es von uns an! Du bist der Allhörende, der Allwissende.‘" Durch einen Brand im frühen 7. Jahrhundert wurde die Kaaba zerstört, und der junge Prophet Muhammad selbst soll an ihrem Wiederaufbau beteiligt gewesen sein, sagt die islamische Tradition.

Pilger mit Mundschutz

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Doch auch Mekka, die "Ehrwürdige", blieb von der Coronapandemie nicht verschont. Saudi-Arabien hat den Hadsch in seiner gewohnten Form schon früh abgesagt, es dürfen keine ausländischen Pilgergruppen ins Land kommen. Im März 2020 wurden die Tore der Stadt für Pilger geschlossen. Erst im Juni wurde auch hier wieder "hochgefahren", indem auf dem gesamten Areal der Pilgerstätte Kameras zur Temperaturmessung der Besucher sowie eine Art Desinfektionstunnel für alle installiert wurden. Symbolisch wird - so heißt es - nur eine Gruppe von etwa 1000 Menschen, die in Saudi-Arabien leben, die Pilgerfahrt antreten. Eine gänzlich neue Episode in der jahrtausendealten Geschichte von Mekka.

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