Ein Modell der Tauernbahn.

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Das Objekt der Begierde

Museum Tauernbahn

Idyllisch schlängelt sich die Modellbahn durch die Salzburger und Kärntner Miniatur-Landschaft. Das Modell der Tauernbahn ist das für Ö1 ausgewählte „Objekt der Begierde“ im Museum Tauernbahn in Schwarzach im Pongau. Gerade fährt der Zug in den alten Bahnhof Mühldorf Möllbrücke in Kärnten ein, erzählt Michael Köstinger, Mitarbeiter des Museums Tauernbahn.

„Da fahren wir rauf nach Norden. Richtung Mallnitz. Dieser Zug fährt insgesamt Richtung Schwarzach St. Veit in Salzburg. Er fährt auf der Kärntner Seite eben hinauf nach Mallnitz, dann durch den Tauerntunnel und auf der Salzburger Seite von Böckstein hinunter nach Schwarzach im Pongau.“

1901 begann man mit dem Bau der echten Tauernbahn. Eines der letzten großen Projekte der Monarchie. Sie führt von Schwarzach St Veit in Salzburg bis zum Millstätter See in Kärnten. Die Tauernbahn ist Teil der sogenannten Transalpina, die Österreich-Ungarn mit dem Hafen von Triest verband. Zwar gab es bereits die Südbahn Strecke, die war allerdings in privater Hand. Die Alternativroute war ab dem 7.Juli 1909 fertig, mit der Fertigstellung der Strecke von Bad Gastein bis Spittal-Millstättersee, durch den 8551 Meter langen Tauerntunnel.

Die Hauptausstellung im Museum Tauernbahn heißt „Der (z)weite Weg nach Trieste“. Mit „zweitem“ Weg ist gemeint: „Es gab 50 Jahre vorher schon die Südbahn nach Triest, die Wien mit dem Adriahafen verbunden hat“, erklärt Köstinger. Ab nun konnte man auch über die Berge, den Tauern, nach Triest fahren.

Ausstellungsraum im Museum Tauernbahn.

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Im Tauernmuseum wird die Geschichte der Tauernbahn breit erzählt. Da geht es nicht nur um die militärische Bedeutung der Staatsbahn für die Monarchie, sondern auch um die Auswirkungen auf die kleinen Ortschaften. Einst entlegene Gebirgsorte wie Bad Gastein sind nun vernetzt.

„Die Heilbäder, die Thermalquellen, all das war natürlich schon da, aber nur für wenige leistbar und zugänglich, weil die Anreise extrem aufwendig war. Mit Pferd, mit Kutschen, beziehungsweise seit 1875 mit der Eisenbahn bis zum Bahnhof Lend, aber von dort war natürlich wieder der beschwerliche Weg durch die Gasteiner Klamm hinauf ins Gasteiner Tal, hier auch wieder nur zu Fuß oder zu Pferd“, erklärt Michael Köstinger.

Mehr Arbeitsplätze bei der Bahn, in Hotels und Gastronomie brachten nun den ersehnten Wohlstand in die Region, verdrängten aber auch die Landwirtschaft und den Bergbau. Das Museum Tauernbahn erzählt die Bahngeschichte in vielen Facetten – und in drei Gebäuden. In der ehemaligen Remise gibt es restaurierte Exponate zum Anfassen und nacherleben. Hier kann man mit einer alten Triebfahrtzeug-Pfeife trillern oder sich historische Modelle und Schaltungen ansehen.

Im alten Dienerwohngebäude gibt es Sonderausstellungen. Zur Zeit etwa eine Fotoausstellung der Künstlerin Margherita Spiluttini zu Mensch und Natur. Besonders stolz ist man aber auf den Museumsneubau, gestaltet vom renommierten Architekten Adolf Krischanitz, ein gebürtiger Schwarzacher. Im Obergeschoss steht der Tauernbahn-Modellbau. Bahnhöfe, Brücken, Viadukte und Tunnel, all das wird seit 2002 maßstabgetreu nachgebaut, ein andauerndes work in progress. Maßstab 1:87. Wir sind hier in den 1970er Jahren, noch bevor der zweigleisige Ausbau der Tauernbahn begonnen hat. Eine kleine Zeitreise also, an der sich vor allem Einheimische immer wieder erfreuen.

„Unsere Modellbahn zeigt ja nicht nur die Eisenbahnanlagen, sondern auch die in der Nähe befindlichen Gebäude. In Bad Hofgastein das Tivoli zum Beispiel, alte Bauernhöfe, die noch existieren oder eben nicht mehr existieren“, so Michael Köstinger.

Ein Teil der Ausstellung ist den Erbauern der Bahn gewidmet, etwa Carl Wurmb, dem Eisenbahndirektor im k.u.k. Eisenbahnministerium. Aber auch die Ingenieure und Arbeiter bekommen ihren Platz im Museum, Holzbaracken erzählen vom harten Leben auf der Tauernbahnnordrampe. Der Zugverkehr auf der „echten“ Tauernbahn erlebt derzeit steigende Zahlen, so Michael Köstinger. Aber nach Triest kann man heute nicht mehr fahren. Das letzte Stück runter zum Hafen verläuft heute ohne Personenverkehr. Der wird in Friaul in den ehemaligen Südbahnbahnhof geleitet, der heutige Trieste Centrale.

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