Viktor Kaplan

BILD ARCHIV AUSTRIA

Viktor Kaplan - Ein Leben für die Turbine

An die Schillingzeiten mögen sich viele noch erinnern. Dass es in den 1960er Jahren einen blauen Tausend-Schilling-Schein mit dem Porträt von Victor Kaplan gegeben hat, ist vielleicht weniger bekannt. Der Geldschein war auch nur kurz im Einsatz und ist wegen seiner Seltenheit ein begehrtes und wertvolles Sammlergut. Fast dreißig Jahre nach dem Tod Viktor Kaplans (23. August 1934) wurde dem Erfinder und Techniker letztendlich Anerkennung zuteil.

Doch der Weg zur Anerkennung seiner Arbeit war beschwerlich, entbehrungsreich und kostete dem Mann mit 58 Jahren das Leben. Kaplans Erfindung - die schnelldrehende Kreiselmaschine zur Erzeugung von elektrischem Strom- ist nach mehr als 100 Jahren beinahe in unveränderter Form noch immer im Einsatz: Die Turbine hat Schaufeln, die sich auch während des Betriebs verstellen lassen und die sich dadurch an die verändernde Wassermenge anpassen können. Von der Donau bis zum Nil (Kraftwerk Jebel Aulia), von der Moldau bis Wolga (Kraftwerk Saratow) - überall auf der Welt findet sie ihren Einsatz.

Doch wer war ihr Schöpfer?

"Ich arbeite an der Erfindung einer neuen Wasserturbine, die hinsichtlich der Schnelligkeit ihres Laufes alle bisher bekannten Turbinenarten weit übertreffen wird. Es geht um eine große Sache." Viktor Kaplan

Viktor Kaplan kommt als Sohn eines Bahnangestellten im Bahnhofsgebäude von Mürzzuschlag zur Welt. Er interessiert sich schon als kleiner Bub für die Natur und bastelt Wasserräder in den Bächen der Umgebung. Diese Leidenschaft baut er in seiner Schulzeit noch weiter aus - bis zu einem funktionierenden Fotoapparat. Trotzdem sind die Maturanoten gerade genügend ...

Kaplan und Storek mit Turbine

TECHNISCHES MUSEUM WIEN

Anfang des 20. Jahrhunderts boomt die Technik - viele Erfindungen finden gleichzeitig statt. Der Glaube der Menschen an die technische Schaffenskraft ist enorm. In diesem Umfeld konzentriert sich der junge Viktor Kaplan immer mehr auf die Erzeugung von Energie.

Die Natur enthüllt den Schleier ihrer Geheimnisse nur widerwillig, der Weg zum ersehnten Ziele ist mit Entbehrungen und zerstörten Hoffnungen hinreichend gekennzeichnet.

An der Deutschen Technischen Hochschule in Brünn baut Kaplan unzählige Modelle einer Wasserturbine und erprobt sie in einem kleinen Labor. 1913 meldet er die Maschine zum Patent an. Und da beginnt ein jahrelanger Streit um das geistige Eigentum einer Idee. Immer wieder gibt es Einsprüche, Prozesse und auch unvorhergesehene Probleme mit der Turbine. Unterstützt wird Viktor Kaplan bei seinem Kampf um Anerkennung tatkräftig von seiner Familie. Seine Enkelin Gerlind Weber erzählt:

Die Tochter sollte "Turbina" heißen

"Interessant ist, dass meine Großmutter (Viktor Kaplans Frau) in jedes Bettdeckenstück das Monogramm der Turbine eingestickt wurde. Ich habe auch zum Beispiel Gläser mit Goldrand aus der Familie übernommen, wo auf jedem Glas eine stilisierte Turbine in Gold eingraviert ist. Das war typisch meine Oma, auf das hat sie Wert gelegt. Sie wollte ja ursprünglich ihre zweite Tochter 'Turbina' nennen." Die Enkelin

Nach dem Ersten Weltkrieg wird die erste Kaplan-Turbine in Velm südlich von Wien eingebaut. Doch bei den Prototypen machen sich gravierende Abnützungserscheinungen bemerkbar - der stärkste Stahl bricht.

Heute, wo ich den Werdegang meiner Turbinen überblickte, wundere ich mich, dass mir so spät der rettende Gedanke der Hohlraumbildung einfiel.

Ein Unterdruck führt zur Bildung von Bläschen, die den Stahl angreifen. Es geht um viel: Die bereits produzierten Turbinen kosten Geld und der Erfolg des Unterfangens hängt an einem seidenen Faden. Doch Kaplans Ausdauer, seine Leidenschaft und sein unermüdlicher Erfindergeist führen letztlich zum Erfolg.

Text: Ilse Huber